Falascha, abessinischer, den Agau (s. d.) zugehöriger Volksstamm Abessiniens. Sie werden noch heute vielfach als „echte Juden“ angesehen, welche von Römern oder schon Assyriern aus Palästina. vertrieben sein sollen; sind aber (nach Andree und Hartmann) nur Pseudojuden, d. h. „Leute, welche zwar israelitische Gebräuche innehalten, aber mit nichten als Angehörige des auserwählten Volkes betrachtet werden dürfen.* Ihr Name bedeutet (nach Hartmann) „Verbannte“, nach Abbadie bezieht er sich aufihren industriösen Sinn. ‚Sie haben ihren Hauptsitz im Semien, wohnen aber in zahlreichen anderen Landschaften Abessiniens verstreut und sollen selbst noch in Gurague (südlich von Schoa) anzutreffen sein. Ihr Gottesdienst ist ein Mischmasch von altchristlichen und von israelitischen Gebräuchen. Dieselben entstammen jener Zeit, in welcher ein verdorbenes, von yemenischen Arabern herübersebrachtes Judentum die Staatsreligion Abessiniens gewesen ist. Sie haben Mönchs- und auch Nonnenorden. „Eine zeitlang haben die F. grosse Macht im Reiche besessen und einigen Königen gehorcht. Eine ihrer Fürstinnen, Judith, zerstörte an der Spitze ihrer Bewaffneten den Tempel von Aksum. Im 10. Jahrh. unserer Zeitrechnung gründete eine andere F.- Prinzessin, Sague (Ptenmu) von Lasta, eine Dynastie, die 400 Jahre lang am Ruder geblieben sein soll. Durch Yekon Memleket wurde die Macht der F. gestürzt. Seitdem ist es mit ihrer politischen Bedeutung vorbei“ (Hartmann). Siesind Ackerbauer und Handwerker, als solche vorzugsweise auch die Eisenschmiede Abessiniens. Ihre Sprache ist das Huaraza oder Kuara; sie soll dem Agaunja ähneln; gewiss ist, dass sie keine Verwandtschaft mit dem Hebräischen hat. Der Typus der F. weicht (nach Heuglin) nicht von jenem der Agau ab. Vergl. Asau 2).