FeedFurnu (Ain-Furnu)
ErdkundeAfrika Hand-Lexikon 1885
Furnu (Ain-Furnu)

Furnu (Ain-Furnu), Ruinenstätte im mittlern Tunisien am U&d-El-Kebir (später Miliana genannt); mit reicher Gabonese. zwanzig anderer mehr oder minder bedeutender Gewässer entspringen; unter diesen letzteren befindet sich der Rio Nunez, ein schmaler, bis nach Kakondy, wo er den von der ersten Hügelreihe des Plateaus herniederströmenden Fluss, Tiguilinta aufnimmt,landeinwärts reichenderMeeresarm. Die sämtlichen Mündungen der Hauptflüsse Futa - Djalons befinden sich in den Händen der Franzosen: Senegal, Rio Grande, Pongo, Mallecoree, Rio Nunez. Das Reich F. besteht zur Zeit (1880) aus 10 grösseren Teilen, welche teilweise wieder in kleinere Provinzen zerfallen. Den Kern des Reiches bildet das eigentliche Timbo mit der gleichnamigen Hauptstadt. Im Norden grenzen an dasselbe ÜOolleine, die östlichste und dem Touceouleur-Reiche von }/Dingiray- benachbarte Provinz; westlich davon :Cohine, Collade mit Fugumba und nördlich von diesem Labi, der grösste und einer ziemlichen Unabhängigkeit sich erfreuende Staat, der sich im Norden weit über den Rio Grande hinaus, im Westen bis ans Meer und die portug. und franz. Besitzungen erstreckt. Im Westen von Timbo liegen die Staaten Akkolemadjeund Maci, zwischen diesen und dem von Frankreich beanspruchten Küstenstrich dehnen sich Fymby-Tumy, Tymby-Madina und Khebu im Gebiete der Flüsse Compony, Rio Nuiez und Rio Pongo aus. Zu F. gehören ausserdem nock 10 andere Staaten, die aber nur in einem tributären Verhältnis zum Gesantreich stehen: ihre Fürsten tragen den Titel Modhi. Die Bevölkerung von F, schätzt Dr. Bayol, welcher 1881 in der Hauptstadt Timbo war, auf 350 000 Seelen; die Armee hat nach ihm eine Stärke von 25 000 Mann. Das Land ist nach seiner Angabe in 13 Diwals geteilt; der gebirgige Teil des Landes, in welchem bedeutende Viehzucht getrieben wird, Esel und Pferde aber nur wenig aufgezogen werden, bietet nicht allein ein ausgedehntes Absatzgebiet für europäische Waren, sondern eignet sich auch infolge seiner klimatischen Verhältnisse als Kolonisationsfeld für Europäer. Der westliche Abfall des Hochlandes von F. und die Tiefebenen bieten eine Fülle vontropischenProdukten, Kaffeewächst an vielen Stellen wild, besonders im Thale des im Ästuarium des Rio Pongo mündenden Fattala; auch der sudanesische Weinstock kommt überall vor. Hauptausfuhrartikel für die Zukunft werden neben Kautschuk, welcher schon jetzt viel gewonnen wird, Palm- und andere Ole sein, da das Land reich an Gewächsen ist, aus deren Kernen Öl gewonnen wird: Mais, Reis, Erdnüsse, Sesam, Baumwolle, Bananen gedeihen ohne Pflege; Tabak wird gepflanzt, um als Nahrungsmittel Verwendung zu finden, auch wird an vielen Punkten der Anbau von Zuckerrohr reichen Gewinn abwerfen. Wachs und Felle, welche der Wildreichtum des Landes liefern kann, sind einer viel grösseren Ausbeute fähig, als dies jetzt der Fall ist. Kupfer und Eisen wird in bedeutenden Mengen gewonnen, auch Gold ist nach Bayol’s Überzeusung in grossen Lagern vorhanden, Bayol entdeckte selbst eine reichhaltige Fundstelle („Peterm. Mitth.* 1882). Ausser den Produkten des Ackerbaues, Früchten und anderen vegetabilischen Stoffen liefert F. Eisenwaren, welche die einheimische Bevölkerung sehr kunstfertig zu schmieden versteht; auch Töpferwaren kommen von F. aus in den Handel. Edle Metalle werden in F. nicht gewonnen, doch gelangt das Gold von Bure vielfach über Timbo an die Küste. Das lteich F., welches sich noch heute einer höheren Kultur erfreut als die eigentl. Negerstaaten, war gegen Ende des vor. Jahrh. von einer Schar Fulahs, die unter Führung eines Häuptlings Karamaku aus dem mächtigen mohamedanischen Fulah-Reiche Massina am Mittellaufe des Niger ausgewandert waren, gegründet worden, indem sie von den Nalus, einen Mandingostamme. die Erlaubnis zur Gründung der Stadt Timbo erwarben. Durch den Zuzug von Glaubensgenossen waren sie bald so stark angewachsen, dass sie die benachbarten Stämmeunterwerfen und so allmählich das mächtige Reich aufrichten konnten, in welchem die Eroberer noch jetzt numerisch bei weitem die Minderheit bilden. F. ist ein Priesterstaat, dessen Leitung alljährlich wechselt. Der Almamy wird in Foucumba, der heiligen Stadt, von den Marabuts und den höchsten Würdenträgern gewählt, u. zw. wechselt die Würde nach einem eingebürgerten Gebrauche zwischen 2 Familien, die von dem Gründer des Reiches ihre Abstammungherleiten. Wie dieLeitung des Gesamtreiches, wechselt auch die Herrschaft in den einzelnen Staaten .oder Provinzen, die dasselbe zusammensetzen. Die Beherrscher derselben, welche den Titel Alpha führen, werden jährlich. von dem Almamy ernannt, indem derselbe demjenigen, der ihm die meisten Geschenke darbringt, die Ausbeutung des betr. Staates überträgt. Häufig wird der scheidende Gewalthaber wieder mit seiner Würde bekleidet, in den meisten Staaten aber hat sich eine erbliche Lehnsherrschaft in der Art herausgebildet, dass zwei Familien in der Herrschaft miteinander abwechseln.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 1, S. 449Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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