Gabon (Gabun), französische Besitzung an der Westküste von Äquatorial-Afrika, erstreckt sich von der Corisco-Bai im Norden (deren Inseln Coriseco und Eloby Spanien gehören) bis zum Cap Sainte - Catherine im Süden, von 1° n. Br. bis zu 19 50‘ s. Br. (was einer geraden Länge von 820 km, in Wirklichkeit aber, unter Berücksichtigung der Krümmungen, Einbuchtungen etc. einer solchen von 650 km entspricht). Die Gabonküste, in einem weitern Sinne genommen, umfasst den ganzen Küstenstrich des. Atlantischen Ozeans von der Biafrabai (4° n. Br.) im Norden bis zur Bai von Mayömba oder Mayomb& (3°30° s. Br.),. Das G.-Ästuarium dagegen in seiner jetzigen Begrenzung (1880), umfasst nur den Strich von dem in die Oorisco-Bai mündenden Muniflusse bis zum Cap Sainte-Catherine südlich, also das Mwunda-Ästuarium (s. Munda), das Gabon-Astuarium und die Ogowe-Mündung. Hauptort ist Libreville an der Nord- oder rechten Küste des Gabon-Ästuariums. Über das Munda-Ästuarium sehe man den Artikel Munda. — Das Gabon-Ästuarium bildeteine geräumige Rhede, eine der besten an der Westküste Afrikas, in welche sich zwei Hauptströme, der durch den Bogu& verstärkte Como und der durch den Maga verstärkte Rambo6 oder Rhembo&ö ergiessen. Der Zugang zum G.-Ästuarium ist leicht, selbst für Schiffe von hohem Tonnengehalt. Seine Breite vom Kap Santa Clara oder Joinville, der Nordspitze (0°30°2° nördl. Br.) bis zum Kap Pongara im Süden beträgt 16 km; seine Tiefe zwischen den beiden Spitzen variiert zwischen 5 und 20 m, während sie im Innern 6—10 m zeigt. Es erstreckt sich. zuerstin südsüdöstlicher, dann in südöstlicher Richtung 65 km weit ins Land hinein bei einer Breite zwischen 10 u. 20 km. Sein Ende liest fast unter dem Äquator. Hier nimmt es den von Nordnordost strömenden Comound den von Südost strömenden Rembo& auf, beide ziemlich breit, obgleich die Quelle beider in den kaum 160 km entfernten (SO —140Um hohen) Kristallbergen liegt. Eine zahlreiche Menge von Küstenflüsschen ergiesst sich auf der Nord- und Südküste in das Gabon-Ästuarium. Die erstere ist von niedrigen Hügelreihen umsäumt, die letztere ist niedrig und sumpfig. — Über die Ogowemündung sehe man den Artikel Ogowe. Das Klima ist für den Europäer äusserst gefährlich, weniger infolge der Hitze, die 32° im Schatten selten übersteigen soll, als infolge der ungeheuren Feuchtigkeit (die am Gabon fallende Regenmenge beträgtim Durchschnitt 2 m 51). Man teilt das Jahr in vier Zeiten: die grosse Trockenzeit (von Ende Mai bis Ende September); die kleine Regenzeit (Oktober u. November); die kleine Trockenzeit (Dezember und ein Teil des Januar), und die grosse Regenzeit (von Ende Januar bis Ende April). Die Produkte am G.-Ästuarium sind: Bananen, Erdnüsse, Maniok, Mais, Pataten; Zuckerrohr, dessen Gedeihen ausser Zweifel steht, ist nur spärlich vorhanden, denn die Neger bauen nichts anderes, als die ihnen unentbehrlichen Nahrungsmittel. Haustiere sind: Pferde, Schafe, Hühner, auch wohl einige Schweine und hie und da selbst Rinder. — Eigentliche Handelsartikel sind nur: Elfenbein (1876: 1 kg 14 fr. 50 cent. —7 fr. SV ct.) und Kautschuk (1 kg 9 ct.); dann Ebenholz (1 kg 9 ct.) und rotes Farbholz (1 Scheit: 9 et.); auch Palmöl (L kg 27 ct), Wachs (LE kg 1 fr. 25 ct.), Erdnüsse (1 kg 20 ct.), Kopalgummi (1 kg 2U.ct.) etc. Die Hamburger Firmen (C. Woermann, Goedelt & Gützhoff und Jantzen und Thomälen haben hier blühende Faktoreien; die erstere hat die Anlegung von Kaffeeplantagen begonnen. Die Rhede von Gabon wurde 1876 von 122 Kauffahrteischiffen besucht; die Einfuhr wertete rund 1500000 £r., die Ausfuhr: 926 450 fr. Die eingeborene Bevölkerung am G.-Ästuarium gehört vier ethnoloe gisch verschiedenen Gruppen an: 1) die den afrikanischen „Zwergvölkern*“ zugehörigen Abongo oder Obongo (südlich vom Ogowe bis zum Se flusse; 2) die zur Bantufamilie geen Mpongwe im eigentlichen Astuarium mit zahlreichen Unter-Stämmen (Urungu am Kap Lopez, N’komi am Camma, Galloa, Okanda, Inenga ete.); 3) die Familie der Fan, die sich, von Nordosten kommend, seit 2—300 Jahren am Gabon festgesetzt und bereits den Ogowe über-. schritten haben; 4) die gleichzeitig mit den Fan von Südosten eingewanderte Familie der Akelle, die sich an beiden Ufern des Neunie, dann über den Ogowe hinüber nordwärts bis zum Comoflusse gezogen haben. Der Gabon ist seit an Zeit eines derHandelszentren der Schwarzen au der Westküste Afrikas gewesen. Er wurde besonders von den portugiesischen Sklavenhändlern besucht, and noch heute wird die portugiesische Sprache von vielen alten Häuptlingen des Landes verstanden. Die Portugiesen waren die ersten Europäer, welche, in der Meinung, in den das schliessenden Bergen ihren Golddurst befriedigen zu können, die erste Niederlassung versucht haben. Dieser Versuch, dem keine lange Dauer beschieden war, fällt in das vorige Jahrhundert. Ein paar eingerostete Kanonen, welche die Franzosen im Pflanzendickicht der Insel Coniquet (halbwegs zwischen der Einfahrt und dem Innern des Ästuariums) gefunden haben, sind die einzigen Spuren derselben. — Übrigens ist dieser Teil der afrikanischen Küste bis 1524 (wo Kapitän Owen seine hydrographischen Messungen an der afrikan. Westküste bewirkte) so gut wie unbekannt geblieben; erst 1835 wurde durch Kapitän Bouöt-Williaumez die Aufmerksamkeit der Franzosen auf diese Gegend gelenkt, und am 15. Mai 1842 entstand nach Abschluss eines Vertrags mit dem Eingeborenen-Häuptling Louis die erste französische Faktorei am rechten Ufer des Ästuariums, das erst am 1. April 1844 ganz von den Franzosen okkupiert wurde (zugleich mit dem Kap Esterias und dem Munda-Ästuarium); am 1. Juni 1862 wurde das Gebiet um Kap Lopez und am untern Ogowe erworben, später die nördlich vom Gabon gelegene Mündung des Muni und das mittlere Ogowe-Gebiet. Das G.-Ästuarium erschliesst den Franzosen den Weg zum Kongobecken, gleichwie der Senegal ihnen den Weg zum Nigerthal öffnet. Am Gabon forschte zuerst der Missionär Bowdich 1817 (der die erstenMitteilungenvomOgowe brachte), 1824 Kapitän Owen, 1833 Bouet-Williaumez, 1845 Pigeard, 1846 Mecquet (der bis an die Mündung des Boguö in den Como drang), 1845—46 der Portugiese Grasa, 1848 ff. Ladislaus Magyar, 1850 ff. Du Chaillu (der bis zu den Fan-Oscheba drang), 1861 ff. Burton, 1861--62 Serval, 1861—63 Reade; 1865 fl. Genoyer, 1864 Albigot u. Touchard, 1866 ff. Walkers, 1867 — 68 Aymes, 1873—74 Marche u. de Compiegne (die bis an die Mündung des Ivindo in den Ogowe drangen), 1874—76 Oskar Lenz, 1873—76 Koppenfels, 1875 Iradier, 1576—78 u. später wiederholt Brazza-Savorgnan u. Ballay.