Herero (Ovaherero), grosses Volk im südlichen Afrika, der Betschuanen-Familie angehörig. Es hat sich seit mehreren Generationen nach der westlichen Küste (in die Gegend des 20. Breitengrades) vorgeschoben und der besten Landstriche im Lande der Damara bemächtigt. Ihr Gebiet (Hereroland) erstreckt sich von der Mündung des Kunene im Norden bis südlich von der Walfisch-Bai; von dort östlich bis nach Rehoboth, wenig nördlich vom Wendekreise des Steinbocks, von Rehoboth zieht sich die Grenze in gerader Linie bis nach Otjimbinde ostwärts; von Otjimbinde biegt sie nördlich ab nach Otjiondarnne am Ovambo-Fluss, läuft dem Ovambo entlang, und nach dessen Einmündungin den Kunene an diesem hin bis zu seiner Mündung (die Portugiesen betrachten jedoch die beiden Mündungsufer des Kunene bis zum Kap Frio im Süden und das ganze Becken dieses Flusses als Dependenz ihrer Provinz Mossamedes). Die Oberfläche dieses so begrenzten Landes wurde von Palgrave auf 26000) qkm geschätzt. Von diesen sind 50000 qkm noch unerforschtes Land oder Wüstenei; 90000 qkm bilden das besonders für europäische Kolonisation ins Auge gefasste Gebiet, der Rest gehört zu zwei Dritteln den Hereros, zu einem Drittel den Damaras. Die Bevölkerungsziffer wird auf 121000 geschätzt; davon sind 85 000 Hereros, 30.000 Hottentott-Damaras, 3000 Buschmänner, 1500 Namas, 1500 Griquas oder Bastard-Hottentotten, und ungefähr 1500 Europäer. Die Hereros, auch oft „Damaras der Ebene“ genannt, sind eine Abzweigung der Betschuanen und gehören mithin der grossen Bantu- oder Kaffern-Familie an. Sie teilen sich selbst in zwei grosse Familien: die Ovaherero (oder westlichen Herero) und die Ovambandyeroa (oder östlichen Herero). Sie sind häufig in Fehde mit den Namaqua: die Ursache hierzu bildet in der Regel der Viehraub, dessen sich die weit ärmeren Namaqua schuldig machen. Bei der durch den englischen Residenten Palgrave getroffenen Grenzregulierung zwischen beiden Völkerschaften waren die Namaquas zu Gunsten eines Hererohäuptlings, Jan. Jonker, übervorteilt worden. Der dumpfe Groll hierüber brach endlich 1880 zum offnen Kampfe aus. Derselbenahmin der ersten Zeit einen günstigen Verlauf für die Namaquas, welche das Hereroland verwüsteten und grosse Vieh-Raubzüge unternahmen; zuletzt siegten aber die Hereros. Vergl. Duparquet, „Damaraland“ (1880); vergl. den Artikel Damara.