FeedOvambo
ErdkundeAfrika Hand-Lexikon 1885

Ovambo, eines derthätigstenu.friedlıchsten Ackerbauvölker Afrikas, südlich vom Öunene bis etwa 19030’ s. Br. ansässig. Im Körperbau ähneln die Ovambo- den Bergdamara (s. d.). Sie sind sehr muskulöse, knochige Menschen und haben starke, hässliche Züge. Ihre Sprache hat viele Worte mit jener der Damara gemein, doch verstehen beide Völker einander nur schwer. Das Ovambolaud ist ziemlich dicht bevölkert. Nach Anderssons und Galtons Schätzung kommen 100 Seelen auf die engl. O Meile. Grössere Orte sind trotzdem nicht voıhanden, sondern nur kleine Gruppen von Anıwesen, denn die Ovambo wohnen überall inmitten ihrer Felder, welche sich, von Fusspfaden durchzogen, oft meilenweit erstrecken. Gebaut werden hauptsächlich zwei Hirsearten: Durrha und Rleusine, nächstdem Tabak. Der Kontrast zwischen den öden Steppen des Damaralandes und den weiten Getreidefeldern des Ovambolandes hat noch alle Reisenden, welche von Süden her kamen, freudig erregt. „Vergebens würde es sein,“ schreibt Andersson, „unser Entzücken bei dieser Gelegenheit zu beschreiben oder das reizende Panorama zu schildern, welches sich vor uns aufthat. Genüge es zu sagen, dass anstatt der ewigen Stiauchsteppe, wo uns jeden Augenblick die Dornen der Mimosen aus dem Sattel zu reissen drohten, die Landschaft nur ein anscheinend endloses Feld gelben Getreides darbot, übersät mit zahlreichen friedlichen Hütten und gebadet im warmen Licht der untergehenden Tropensonne. Dazu erhoben sich hier und dort riesenhafte, breitästige, dunkellaubige Schatten- und Fruchtbäume, während zahlreiche Füächerpalmen, einzeln oder in Gruppen stehend, das Bild vervollständigten. Es schien uns ein Elysium. Noch oft seitdem habe ich diese Szenen in mir herautbeschworen, welche mir nicht unpassend zu vergleichen schien dem Vertauschen einer heissen hellen, schattenlosen Wüste gegen einen Park voll frischen Grüns und kühlen Schattens. Die Wohnhäuser der Ovambo sind mit Pallisaden umgeben, innerhalb welcher sich ausser der Hütte noch die Ställe, Kornspeicher u. s. w. befinden. Die Hütten sind kreisrund, kaum 1,3 Meter hoch, und messen etwa d Meter im Umfang. Über einem etwa (),6 Meter hohen, mit Lehm etullion Pfahl- 4 werk erhebt sich das schirmförmige Rohrdach. Das Gehöft des Königs zeichnet sich durch besondere Grösse aus. Jener König, welchen Andersson besuchte, besass ein Gehöft, das mit Seinen vielen Pallisadenwegen einem Irrgarten glich und einen Raum von et 100 Meter Durchmesser bedeckte. In diesem Palast versammeln sich allabendlich die Vornehmen, und es werden dann beim Scheine von Fackeln aus Palmzweigen bis tief in die Nacht hinein Tänze aufgeführt oder richtiger gesagt Umsänpe nach dem Takte der Musik, welche das Tamtam und eine schwache Laute hervorbringen. Zuweilen führt auch die Leibgarde des Fürsten, welche aus Buschmännern. besteht, Tänze auf, in welchen die Bewegungen von Tieren nachgeäfft werden. Zum Hofstaat des Königs gehört ausserdem eine ungeheuere Anzahl Frauen. Die Vielweiberei ist gestattet, und der Fürst Nangoro hatte nicht weniger als 106 Frauen. Die Frauen werden gekauft. Ein Reicher zahlt gewöhnlich 3 Ochsen und 2 Kühe, ein Armer 2 Ochsen: und 1 Kuh für eine Frau, nur der Fürst zahlt nichts, da die Ehre, welche er der Familie durch solche Verbindung erweist, als genügendes Äquivalent gilt. Eine der Frauen gilt stets als die erste. In Ermangelung eines männlichen Thronerben " kann auch die Tochter der ersten Frau zur Regierung gelangen, sonst aber geht die Thronfolge auf den ältesten Sohn der ersten Frau über. Von der Religion der Ovambo ist uns so gut wie gar nichts bekannt, denn sie zeigen eine merkwürdig# Zurückhaltung, wenn Europäer sie über ihre Verhältnisse ausfragen wollen, und weichen namentlich jeder Frage aus, welche sich auf die Re- 7 ligion bezieht. Ihre geistige Beanlagung ist keine geringe, und namentlich im Zählen sind sie sehr geschickt. Wie Andersson berichtet, leben unter den Ovambo auch viele Buschmänner, welche in einer Art von Unterthanen- und Verwandtschaftsverhältnis zu denselben stehen. Es sind wahrscheinlich die früheren Einwohner des Landes, welchen unter einer milden Form der Unterwerfung gestattet wurde, in ihren alten Wohnsitzen zu bleiben. Ausser ihnen fand Andersson unter den Ovambo auch einige entlaufene Benguela-Sklaven.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 3, S. 1037Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 12

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6