Kalahari (Kalakhari, Karri-Karri), ‚grosses Landgebiet im südl. Afrika, breitet sich zwischen dem 21. u. 28.° südl. Br. über eine Strecke von etwa Y00 km Länge, vom rechten Ufer .des Oranje- Flusses bis zum Ngami- oder Nami-See, welcher ziemlich genau die nördliche Grenze des K.-Gebiets bildet. Im Westen wird dasselbe von den Hügeln des Namaqua-Landes begrenzt, im Osten durch niedrige Höhen vom Transvaal-Plateau geschieden. Ihr Flächenraum innerhalb dieser Grenzen beträgt 687 515 qkm (rechnet man die nordwestlich vom Transvaal-Staat liegenden wüsten Strecken hinzu, so steigt das K.-Gebiet bis auf 715928 qkm). Das unter dem Namen K. begriffene Gebiet ist eine grosse, von Nord nach Süd streichende Ebene, welche durch das Bett ihres grossen Wasserlaufs. der unter dem Namen Nosob, Up (den. beiden Armen seines Oberlaufs) und Hygap das K.-Gebiet von Nord nach Süd durchschneidet und unter 18 östl. L. das rechte Oranje- Ufer erreicht, in zwei ziemlich gleiche Hälften geschieden wird. Dieses Wasserbett, welches mit den grossen versiechten Ueds der Sahara vergleichbar ist, enthält nur selten Wasser und führt seit sehr langer Zeit keinen Tropfen Wasser zum ÖOranje-Flusse. Es bildet aber zur Regenzeit mannigfache Tümpel oder Salzpfannen, von den Eingeborenen makarikari genannt, welche ziemlich lange Zeit Wasser enthalten. Seine westlichen Zuflüsse sind: der Elefant-River und der Black-River, welche gleich ihm nur versiechte Flussbetten sind. Von Osten dagegen kommen der Molopo und der Kuruman, welche, wenn sie ihm auch nur selten Wässer zuführen, doch im Oberlaufe wirkliche Flüsse sind und dort die (jetzt durch die Boers besetzten) Länder der Batlapı und der Barolong bewässern. Die grösste dieser Salzpfannen wird „die grosse Makarikari“ genannt und ist ein elliptisches Becken, dessen Boden 3—5 m Tiefe hat, das in seiner Länge 200-240 km, in seiner Breite 13 30160 km misst und etwa in 230 nördl. Br. und 24° östl. L. liegt. Es erhält in der Regenzeit eine sehr grosse Wassermenge, welcheihm durch die Nata, Simoane, Kualiba und andere Zuflüsse zugeführt werden. Dies Bassin steht mit dem Ngami-See durch die Botletle oder Suja in Verbindung; je nachdem der Regenfall in dem einen oder andern dieser beiden Becken stärker war, fliesst das Wasser nach Westen zum Ngami oder in umgekehrter Richtung zum Makarikari ab (Serpa Pinto), Der Kalahari ist nach der Ansicht des Missionärs Brown nicht immer die Wüstenei gewesen, welche sie heute darstellt. Ihr Gebiet war vor Zeiten von Flüssen und Bächen durchzogen und mit zahlreichen Seeen besetzt, von denen jetzt nur die Betten vorhanden sind und Muscheln oder Knochen von Tieren, welche in den Gewässern derselben gelebt haben. Brown erblickt die beiden Hauptursachen der in dieser Gegend Süd-Afrika’s jetzt herrschenden Öde in einer neuzeitlichen Erhebung ihres Bodens auf ein höheres Niveau und in der Verschiebung dieses Bodens, wodurch die seine Oberfläche vormals bewässernden Flüsse unter die Erde versunken sind. Trotz dieses Mangels an fliessendem Wasser oder unterirdischen, oasenbildenden Wasserbecken verdient das K.-Gebiet nicht eigentlich den Namen Wüste, den man ihr gemeinhin beigelegt hat. Die Holländer nennen sie „Bosjesveld“ (d. h. „Buschland“), die Engländer „the Bush“ (Busch); in der That hat die K. eine reiche Vegetation und besitzt auch eine verhältnismässig zahlreiche Bevölkerung. Das den Boden der K. bedeckende Gras erzeugt eine grosse Mannigfaltigkeit an Pflanzen, Man trifft in ihrem Gebiet auf weite Dickichte, die nicht allein von Buschwerk und Gestrüpp, sondern auch von hohen Bäumen gebildet werden. Es ist eine ungeheure Ebene von merkwürdig. gleichartigem Charakter, an verschiedenen Stellen durch das Bett versiechter Bäche durchschnitten und in allen Richtungen von zahlreichen Herden gewisser Antilopenarten, deren. Organismus wenig oder gar kein Wasser bedingt, durchzogen. Der Boden besteht im allgemeinen aus einem weichen, leicht gefärbten Sande. Das Wild, die zahllosen Nagetiere, die man in der K. antrifft, und die kleinen Arten von Raubtieren, welche aus den letzteren ihre Beute wählen, bilden die Nahrung der die K. bewohnenden Buschmänner und Bakalahari. Die ersteren sind wahrscheinlich die Eingeborenen des südlichen Teils von Afrika, und die Bakalahari rühren ohne Zweifel aus der Zeit der ersten Einwanderung der Betschuanen her. Die Buschmänner leben aus Neigung in der Wüste, die Bakalahari, weil sie dazu gezwungen sind. Aber eine tiefe Freiheitsliebe beseelt die beiden Rassen. Die Buschmänner unterscheiden sich durch ihre Sprache, ihre Gewohnheiten und ihr Äusseres. Es sind die einzigen Nomaden, die man in diesen Gegenden trifft. Sie bebauen niemals das Land und haben, abgesehen von einigen elenden Hunden, keine Haustiere, dagegen sind sie mit den Gewohnheiten der wilden Tiere ihres Landes auf das genaueste vertraut. Dem Fleisch derselben, das ihre wichtigste Nahrung bildet, setzen sie die Wurzeln und wilden Früchte zu, deren Sammeln den Weibern obliegt. Die in den sandigen, sonnenverbrannten Ebenen der K. wohnenden Eingeborenen sind durchschnittlich mager und nervig, zur Ertragung grosser Anstrengungen geschickt und ausserordentlicher Entbehrungen fühig. Viele derselben sind von kleinem Wuchse, ohne jedoch die Zwerggestalt zu besitzen (Livingstone). Die Buschmänner nennen sich selbst „Massarua“. Die Bakalahari sind ihrer Sprache und ihrem Äussern nach Abkömmlinge der Betschuanen, aber stark degradiert. Anderson, welcher die K. 1864 und von 1869 bis 1572 bereiste und erforschte, bezeichnet sie als ein wertloses Land. Der. Boden hat in gewissen Teilen bedeutende minerale Reichtümer (Kohle, Kupfer, auch Gold). Dort wo sich Wasser beschaffen lässt, ist Viehzucht möglich und vielleicht auch lohnend. Es gibt schöne, gras- und wildreiche Ebenen; weite Strecken sind mit Sträuchern und auch Bäumen bestanden. In gewissen Teilen der K. ist es aber unmöglich, Wasser zu finden. Dagegen wandelt sich die Wüste in der Regenzeit (von Januar bis Mai) zur lachenden Flur. Vergl. Parker Gillmore, „The great Thirst land: a ride through Natal, Orange Free State, Transvaal and the Kalahari desert“ (1578); Silver, Handbook for South Africa (1880).