Kufra (Kufara, El-Kofra), Oasengruppe im nordöstlichen Afrika, in der libyschen Wüste, im Süden von Tripolitanien und im Osten von Fessan, ein grosses Tiefland oder vielmehr eine Anreihung von Tiefländern, zwischen 24 und 26° .nördl. Br. und zwischen 180 40’ und 21° 40’ östl. L. v. Par., etwa halbwegs ‘zwischen dem kyrenäischen Küstenland und dem Sudanlande Wadai.. Die Oasengruppe besteht aus den folgenden Oasen (von ‘Südosten angefangen): Diese Oasen bilden zusammen einen Flächenraum von 17824 qkm, werden aber durch weite Wüstenflächen geschieden. Die Grösse der einzelnen Oasen wird wie folgt angegeben: Der Name Kufra stammt von dem arabischen Worte . „kafir* (Mehrzahl „kafana“; s, v. w. „Untreuer‘‘). Die nördliche Oase der Gruppe, Taiserbo, erstreckt sich von Nordwest nach Südost in einer Länge von 200 km, Sie hat keine Dörfer, sondern nur periodische Lager der Sauja-Araber: dochfindensich Überreste von einstigen Tubu-Ansiedelungen, auch ein alter Kirchhof dieses Stammes, sowie die Ruinen einer Sauja, welche die Senusi vor. ihrer Auswanderung nach Kebabo daselbst errichtet haben. Der Boden steigt im Südosten von Taiserbo leicht an. Etwa 100 km entfernt liest die Oase Buseima. Sie erstreckt sich in südlicher Richtung über eine kleine Höhenkette, den Djebel Buseima (388 m hoch). Die Breite ihres fruchtbaren Gebiets (das sich um einen Salztümpel herumzieht) beträgt etwa 1 km. Südwestlich von Buseima, hinter Sanddünen, deren manche eine beträchtliche Höhe erreichen, erhebt sich der Djebel Nari (400 m) und hinter ihm liest die grösste Oase der Gruppe (Kebabo), zugleich auch die einzige, welche dauernd bewohnte Ortschaften besitzt, nämlich die Dörfer: Djof mit 250 Einwohnern, und Saujetel-Istat, mit dem Kloster des Senussi-Ordens auf einem kahlen Hügel und ebenfalls etwa 250 Einw, zu denen noch etwa ebensoviel Sklaven gehören, Die Gesamtbevölkerung der Oase Kebabo beträgt hiernach etwa 700 Seelen. Westlich von Kebabo, fast unter demselben Parallelgrade, liest diekleine Oase Erbena, die noch von keinem Europäer betreten worden ist. Sie ist ebensogross wie Buseima und besteht, gleich dieser, aus einem Gürtel fruchtbaren Landes, der einen Salztümpel umschliesst. Sie scheint nur hin und wieder von Tebus und Sauja-Arabern besucht zu werden. Sirghen (oder Sighen) liegt östlich von Taiserbo in einer Entfernung von etwa 50 km. Palmen wachsen auf ihr keine; aber ihr Wasser ist vorzüglich. Sie hat auch vortreffliche Weiden für Kamele. Infolgedessen gilt sie als wichtige Etappe auf der Karawanenstrasse von Wadai. Die mittlere Temperatur ist in Kufra weniger hoch als in vielen anderen Ländern der tropischen Zone. Sie erreicht niemals ähnliche Maxima, wie dies z.. B. der Fall ist im Pendjab oder in Mesopotamien. Während Rohlfs’ Aufenthalt in: K. stieg das Thermometer zweimal auf 46° 7° (im August), einmal auf 43° 1' (im ersten Viertel des September). Obgleich die Nord- und Nordwestwinde vom Mittelmeer her die herrschenden sind, ist die Luft in K. doch von grosser Trockenheit. Regen fällt selten, und es vergehen oft Jahre, ohne einen Tropfen Wasser zu bringen. Ausser Dattelpalmen (die in sehr grosser Zahl hier wachsen) werden Oliven, Granaten, Orangen, Zitronenbäume, Aprikosen, Pfirsichen, Mandelbäume, Wein und zahlreiche Getreide- und Gemüsesorten (Tomaten, Zwiebeln, Schnittlauch, Melonen, Kürbis, roter Pfeffer, Gafuli, Sorghum vulgara, Durrah, Weizen, Gerste) gebaut. Im Süden von Taiserbo wächst die den arabischen Gummi liefernde Acacia arabica; an den Ufern und in der Nähe der Salztümpel die Imperata eylindrica und andere vom Kamel gern gefressene Pflanzen. Rohlfs fand in K. eine kleine graubraune Vogelart, welche dort einheimisch sein muss und auf eine in den Oasen ausserordentlich stark verbreitete Schlange Jagd macht. Gazellen sind zahlreich wie in Erbena.- Rohlfs sah auch Raben, Falken, Störche und Schwalben dort. Mäuse und Ratten (eine Art derselben mit grossen Pfoten vorhanden; auch verschiedene Arten von Eidechsen, Spinnen und Ameisen wurden gefunden. Die Oase Taiserbo wurde um das Jahr 1730 durch die Araber erobert. — Die jetzigen Herren von K. sind die Sauja (Suja-)Araber, welche ein grosses Nomadenvolk, halb Berbern, halb Araber, bilden und in drei grosse Stämme zerfallen: 1) die Sedeidi (zu welchen die Ulad Ameiri, Ait Bu-Schuk, -Ait Bu-Sahana, Ait Mechkueska, Ait Rl-Qessir, Ait Gaderroha und Ait Gwetin ete. gehören); 2) die Djeluled (in Ait-Ali und Ait Wadel zerfallend); 3) die Schuager, welche niemals aus ihren Lagerplätzen zu Idjikerri und dem Wadi Faregh wandern. Der ganze Sujastamm mag 5— 6000.Köpfe zählen. Er spielt in diesen Gegenden Afrika’s eine weit wichtigere Rolle, als diese Kopfzahl vermuten lässt. Nur die Sedeidi und Djeluled nahmen an der Eroberung Kufra’s teil; ihnen steht deshalb auch nur das Recht auf den Besitz der Dattelpalmen und auf die Dattelernte zu. In Taiserbo lagert das ganze Jahr hindurch ein Teil der Ait-Gwetin, mit der Hut und. Pflege der vorzüglichen Dattelfrucht beschäftigt. Aber die einzige dauernd bewohnte Stätte mit Häusern und Hütten ist das Dorf Djof in Kebabo. Wichtig ist K. in politischer Hinsicht durch die Anwesenheit eines der wichtigsten Klöster des Senussi-Ordens (in der Oase Kebabo), Saujael-Istat genannt. Es ist eine grosse, im Viereck aufgeführte Umwallung mit hohen Mauern, innerhalb deren sich eine zweite, engere Umwallung befindet mit einer förmlichen Stadt im Innern, mit Häusern, Magazinen, Läden ete., einer grossen Moschee, Schule und der Wohnung des Scheik Sidi Omar Bu Hawa (des Mokkadem oder Beters des Klosters). Die Bevölkerung dieses Klosters beziffert sich auf etwä 250 freie Männer (Frauen sind, wie in den christlichen Klöstern, verpönt) und 230 Sklaven. Dies von allen Klöstern des Senussi-Ordens am reichsten dotierte, der Bedeutung nach zweite Kloster (das grösste und erste ist Jerhbub in der Oase Feredgha) war: schon 1879 im Besitze des vierten Teiles der sämtlichen Dattelpalmen Kufra’s. Vor einigen Jahren besassen die Senussi-Brüder auch in Taiserbo noch ein Kloster. Es wurde aber infolge innerer Beweggründe wieder aufgegeben. „Der Oasen - Archipel Kufra ist uns erst in jüngster Zeit durch die leider missglückte Expeditou Gerhard Rohlfs’ nach Wadai (1879) bekannt geworden. Alle Oasen desselben haben vorzügliches Trinkwasser, über eine Million Palmen, schöne Gärten und Felder und liefern neben allen Küchengewächsen Zitronen, Granatäpfel, Oliven, Weinreben in vorzüglicher Qualität. Pferde, Esel, Ziegen, Schafe und magere Rinder bilden den Haustierbestand. Die Bewohner sind fanatische Mohammedaner und stehen nur in schwachem Abhängiekeitsverhältnis zu Tripoli. Auch Tebu Reschade verkehren in K., sind aber nicht ständig.