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HeilkundeAfrika Hand-Lexikon 1885

Nachtigal, Gust., berühmter Afrikaveisender, geb. 23. Februar 183# zu Eichstätt bei Stendal, absolvierte das dortige Gymnasium,. stüdierte dann Medizin in Berlin, Halle, Würzburg und Greifswald und fungierte als Militärarzt in Köln, bis eine schnell sich entwickelnde Brustkrankheit 1863 ‚ihn zwang, nach Algerien zu gehen. Später siedelte er als Arzt nach Tunis über und wurde Leibarzt des Chasnadar des Beis, in welcher Eigenschaft er mit der tunesischen Armee einen Feldzug gegen Aufständische mitmachte. Als 1868 Rohlfs in Tripolis die Geschenke des Königs von Preussen für den Sultan Omar von Bornu abzusenden hatte, wurde auf Rohlfs’ Veranlassung N. mit dieser Mission betraut. Er brach im Januar 1869 von Tripolis auf, erreichte, über Sokna ziehend, Mursuk, wo er mit Alexandrine Tinne zusammentraf, und machte von hier jenen denkwürdigen und gefahrvollen Abstecher über Gatron, das Tümmogebirge, die Afafi- und Tarsoberge nach Tibesti, welches Land noch nie von einem Europäer vorher besucht worden war. Mit Mühe dem Tod entronnen, kehrte er nach Mursuk zurück. Er setzte dann seine Reise fort und hielt im Juli 1870 seinen Einzug in Kuka, der Hauptstadt von Bornu. Hier sein Hauptquartier aufschlagend, unternahm er eine äusserst wichtige Reise nach dem nordöstlich vom T'sschadsee gelegenen Borgu sowie nach dem südlich vom Tschad gelegenen Baghirmi; ja, es gelang ihm, im März 1873 seinen Rückweg über Wadai, Dar Fur und Kordofan zu bewerkstelligen, und 22. Nov. 1874 langte er glücklich in Kairo an. In Wadai, wo Vogel und Beurmann ihr Grab gefunden, und wo damals, Sultan Ali herrschte, hatte er längere Zeit verweilen und verschiedene Exkursionen machen können, namentlich einen Ausflugnach DarRunga, einem südlichen Tributärstaat Wadais. Diese lange Reise, auf welcher N. als erster Europäer die Länder Tibesti, Borgu und Wadai aus eigner Anschau- la: ung kennen lernte, und die höchst wichtige Aufschlüsse über Topographie, Ethnographie ete. dieser Gegenden gab, erhob N. zu einem Entdeckungsreisenden ersten Ranges. Die Pariser Geographische Gesellschaft erkannte ihm für seine Verdienste im Früh- | 54« jahr 1876 die grosse. goldne Medaille zu. Schon früher hatte die Deutsche Afrikanische Gesellschaft ihn zu ihren Ken Präsidenten ernannt, welches Amt er längere Jahre in Berlin verwaltete. Auf der Brüsseler Konferenz zum Zweck | wei einer internationalen Association zur Zivilisierung Zentralafrikas (August 1876) wurde er zum Komitemitglied ernannt. Nachtigal war seit 1877 mit Abfassung eines Werks beschäftigt: „Sahara-und Sudan. Ergebnisse sechsjähriger Reisen in Afrika“ (1879 Er wurde 1882 vom Fürsten Bis- | der marck ausersehen, den Kolonisationsplänen desselben an der Westküste ' der Afrika’s Gestaltung zu geben. Seine grossen Verdienste in dieser Thätig- | el-U keit haben allgemeine Anerkennung gefunden. Leider ereilte ihn hierbei | der frühzeitig der Tod. Er starb, auf der Fahrt von Kamerun aus nach den , Che Kanarischen Inseln am 20. April 1885 und wurde auf Kap Palmas beerdigt. Nachtpartrijs- nennen die Kolonisten Südafrikas eine kastanienbraune ' der Art (Pterocles bieinctus) des Flughuhns; der N. trägt schwarz und weisse ! der Stirnbinde und zeigt auf den Flügeln eckige weisse Flecken. Seinen Namen führt er, weil er die Gewohnheit hat, nächtlicher Weile beim Wasser zu erscheinen.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 3, S. 962Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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