FeedWagner (Rud.)
HeilkundeBrockhaus 1882

Wagner (Rud.), Physiolog und vergleichender Anatom, Bal⸗ zu Bayreuth 30. Juni 1805, erhielt in seiner Vaterstadt und zu Augsburg, wohin 1820 sein Vater als Rektor des prot. Gymnasiums versetzt worden war, seine wissenschaftliche Vorbildung und widmete sich seit w1822 zu Erlangen, dann seit 1824 zu Würzburg mediz. Studien. Nachdem er 1826 promoviert, ging er behufs fernerer Ausbildung nach Paris, wo ihn Cuviers Einfluß der vergleichenden Anatomie gewann. Er besuchte nacheinander die Küsten der Normandie und Südfrankreich, um an niedern Tieren Forschungen anzustellen. Im J. 1828 ging er nach Cagliari, wo er die geognost. Verhältnisse studierte und eine merkwürdige Knochenbreccie untersuchte. Noch in demselben Jahre ließ er sich als praktischer Arzt in Augsburg nieder. Doch bald erhielt er an der Universität Erlangen eine Anstellung. Er habilitierte sich hierauf als Prosektor, 1829 als Docent und wurde 1832 außerord., 1833 ord. Professor der Zoologie. Im J. 1840 folgte er einem Rufe nach Göttingen an Blumenbachs Stelle. Durch Gesundheitsrücksichten ward er genötigt, die beiden Winter 1845 und 1846 in Italien zuzubringen. Seit 1863 schwer erkrankt, starb er 13. Mai 1864 zu Göttingen. 3. gehört zu den bedeutendsten Forschern im Gebiete der Physiologie, der vergleichenden Anatomie und der Anthropologie. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: das «Lehrbuch der vergleichenden Anatomie (2 Abteil., Lpz. 1834 —35; 2. Aufl. unter dem Titel Lehrbuch der Zootomier, 2 Tle., Lpz. 1843—47), Icones physiologicaen (3 Hefte, Lpz. 1839 — 40; neue Bearbeitung von Ecker, Lpz. 1852—54), «Lehrbuch der Physiologies Epz. 1839; 4. Aufl., neu bearb. von Funke, Lpz. 1855fg.), Handatlas der vergleichenden Anatomier (Epz. 1841), „Grundriß der Encyklopädie und Methodologie der mediz. Wissenschaften nach geschichtlicher Ansichto (Erlang. 1838), Zur vergleichenden Physiologie des Blutes » (Opz. 1833), Beiträge zur vergleichenden Physiologiev, auch unter dem Titel RRachträge zur vergleichenden Physiologie des Blutesv (Lpz. 1838), seine Abhandlung YPartium elementarium organorum, quae sunt in homine atque animalibus, mentiones micrometricaes (Lpz. 1834), Prodromus historiae generationis hominis atque animalium (Lpz. 1836). Auch besor te W. mit Will die deutsche übersetzung von Prichards Naturgeschichte des menschlichen Geschlechtso (4 Bde., Lpz. 1840—48). Zu den bedeutendsten Erscheinungen der neuern naturwissenschaftlichen Litteratur gehört das von W. herausgegebene Handwörterbuch der Physiologier (4 Bde., Braunschw. 1842—53). Während seiner Winteraufenthalte in Italien machte er Studien über den elektrischen Rochen, welche ihn weiter auf spezielle Forschungen in der Nervenphysiologie mit Rücksicht auf Psychologie führten. Die wissenschaftlichen Ergebnisse derselben legte er zunächst in «Neurologische Untersuchungen» (Gött. 1854) nieder. Durch diese Arbeiten wurde ein lebhafter litterarischer Kampf hervorgerufen, in welchem W. die spiritualistische Richtung in der Naturforschung egenüber der materialistischen Karl Vogts und Moleschotts vertrat. Von seinen kleinern hierher gehörigen Schriften sind zu nennen: Menschenschöpfung und Seelensubstanzo (Gött. 1854), «lüber Wissen und Glauben mit besonderer Beziehung zur Zukunft der Seeleno (Gött. 1854), Der Kampf um die Seelen (Gött. 1857) u. s. w. In der letzten Zeit wandte er sich vorzugsweise anthropolog. Forschungen zu und veranlaßte im Sept. 1861 eine weicherschel von Anthropologen zu Göttingen, welche sich über die Methode der Messungen am menschlichen Körper einigte. Mit Baer veröffentlichte W. einen «Berichte über die gewonnenen Resultate (Lpz. 1861). Seine eigenen Forschungen teilte er in den Zoolog.⸗anthropolog. Untersuchungeno (Tl. 1, Gött. 1861), sowie in den „Vorstudien zu einer wissenschaftlichen Morphologie und Physiologie des menschlichen Gehirns als Seelenorganso (2 Tle., Gött. 1860—62) mit.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 377Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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