
Sambesi, der grösste Fluss Südalvikas, auf der sumpfigen Hochebene des Dilolo-Seees (etwa 120 südl. Br. u. 220 östl. L.) entspringend (vielleicht liegen seine wahren Quellen im Süden desselben Deeengebietes, welches die Wasser zwischen Nil und Kongo teilt). Den Namen Liambaj führend, fliesst der Sambesi durch das Barotsethal nach Süden, durchfliesst dann das erosse Reich der Makololo und wendet sich in der Nähe von Linianti etwa unter dem 18. Breitengrade der Küste des Indischen Ozeans zu. Bald nachdem der Sambesi sich nach Osten gewendet, bildet er eins der grössten Naturwunder, das sich dem vielbewunderten Niagara an die Seite stellen kann, die Viktoriafälle (Mosiwatunja), in denen er zu dem tiefer gelegenen Landstrich hinabstürzt. „In der Breite von einer viertel deutschen Meile, * schreibt Eduard Mohr („Nach den Viktoriafällen des Sambesi*, Leipzig, 1875, 2 Bde.), „kommt der majestätische Strom von Nordnordwest und stürzt seine Fluten 400 Fuss tief hinunter, in eine quer durch sein Bett setzende Felsenschlucht, deren Breite zwischen 240 — 30) Fuss schwankt. Oberhalb des Sturzes tauchen aus den Sambesifluten viele Inseln auf, alle mit der reichsten tropischen Vegetation oeschmückt. Die Ufer sind mit weitem offenem Walde bestanden, hier kommen ganze Gruppen hochstämmiger Palmen vor, die der Landschaft den echten Stempel des Südens aufdrücken. Nahe dem Fall eilt das Wasser mit liegender Schnelligkeit dahin, die langgezogenen Schaumbänder, die man überall sieht, verleihen dem Element das Ansehen, als ob es koche.‘ Nahe dem westlichen Rande liest eine kleine Insel, etwa 120 Fuss vom Ufer entfernt, der Zweig des Stromes hier scheint eine grosse Tiefe und das Bett eine starke Neigung zu haben, denn das Wasser stürzt sich heulend und in mächtigen Wirbeln brausend in einem Satz wie eine Meereswoge zur Tiefe hinunter. Nun kann man an dieser Stelle, ganz auf der westlichen Ecke, auf eine etwas hervorspringende Fels-Frauen am Hofe des Sultans. ı Sansıbar. kante heraustreten, was aber nur solchen Reisenden zu empfehlen ist, die ganz frei von Schwindel sind. Dann erblickt man links dicht neben und unter sich den eben beschriebenen Sturz, in Front die lange Linie des grossen Falles, die aber natürlich immer nur theilweise sichtbar ist, denn die mit der. Flut herabgedrückte, zusammengepresste und nit Wasserteilchen gefüllte Luft befreit sich gewaltsam, steigt wirbelnd zur Höhe empor und ist die Ursache der Dampf- oder Nebelwolken, die geisterhaft hoch oben über diesem grossen „Altar“ der Wasser leuchten. Hat man von dieser Stelle aus eine Zeit lang in das unten tobende, spritzende, schäum ende,wallende Chaos hinein geschäut, umrauscht von dem fürchterlichen Lärm des rasend gewordenen Elementes , ist man ersehüttert durch das aus der Tiefe herauf dröhnende, Mark und "Bein durchdringende Gehenl, so wundert ' man sich, dass selbst die Felsen, diese harten Rippen der Erde, einer solchen Macht gegenüber Widerstand leisten können. Wie ich von.diesem Punkte das imposante Bild, welches ich mit gar keinem anderen vergleichen kann, eine Zeit lang betrachtet hatte und eine Art Betäubung verspürte, ging ich hundert Schritte nach Süden zu in der Richtung des: Lagers zurück. Hier befindet man “sich noch im Bereich der Wasserstaubschleier auf felsigem Grunde, für Momente umhüllen sie uns wie dichte Nebel, plötzlich teilt ein Windstoss das Gewölk, der lichteste Donnenglanz scheint auf uns hernieder, dann wieder prasselt plötzlich ein heftiger Regen in grossen Tropfen herab. Dreht man sich auf dieser Stelle um, mit dem Gesicht nach Norden zu, so macht es einen eigentümlichen Eindruck, wenn man die lange Wolkenlinie aus der Erde heraufsteigen sieht, denn man gewahrt den Schlund, und der vor uns liegenden Bäume und Sträucher wegen auch den Wasssersturz nicht. Die quer durch den Strom setzende Spalte, welche die herabgestürzten Fluten aufnimmt, und die Ost l/, Strich Süd, West !/, Strich Nord läuft, endet schliesslich, auf etwa 3/4 ihrer Länge in einer jäh über den Schlund hinaus ragenden Felsenplatte; von Westen nach Osten zu schauend liegt vor uns jener Spalt — hier 270 Fuss breit — durch den allein der Abfluss des ganzen Wasservolumens stattfindet: hier vereinigen sich unter unseren Füssen die von Osten und Westen heranbrausenden Fluten, die letzteren bilden, wie gesagt, etwa die ersten !/ı der gesamten Strombreite. . Treten wir frei auf die genannte Felsplatte hinaus und schauen nach der Riehtung Nordnordwest hin, von welcher der Sambesi heranströmt, so liegt vor uns die ganze weite Falllinie.* Bei diesem gewaltigen Naturschauspiel kann man dieselbe Erscheinung beobachten wie bei jeder plötzlichen Niveaudifferenz des Flussbettes, wenn ein Fluss aus einer Terrassenlandschaft in die tiefere übertritt. Alle ‚südafrikanischen Flüsse, welche derartige Wasserfälle bilden, fliessen noch ganz kurz worher so ruhig durch die Ebene, dass niemand die Nähe eines so schroflen Abfalls ahnt. Erst wenige hundert Schritte vor demselben beschleunigt das Wasser seinen Lauf und verschwindet dann plötzlich in der gähnenden Tiefe. (Fritsch, Südafrika bis zum Sambesi.) Auch nachdem er den 270 Fuss breiten Pass hinter sich hat und in vielen Schlangenwindungen zwischen 500—600 Fuss hohen, senkrecht emporsteigenden Felsen dahingeströnt ist, behält der Sambesi noch lange seinen reissenden Lauf bei. Er durcheilt in nordöstlicher Richtung das Batokaland, überwindet alle Hindernisse, welche die Kansaro- und die Nakabele-Fälle und die Karibaschlucht ihm entgegenstellen und schwillt mächtig an durch alle die Wasser, W che: ihm aus dem däs Seeengebiet im Norden begrenzenden Hochland und aus den Matoppo- u. Masehonagebirgen im Süden zufliessen. Beim Übergang des mittlern in den untern Lauf bildet er bei Kubrabasa, wo er sich durch die einengenden Ketten der Wasserscheide drängt, grosse Stromschnellen und schlängelt sich dann durch den Engpass der Lupatagebirge unterhalb Tete hindurch, in verlassend. In einem breitverzweigten Delta ergiesst er sich südlich von Kilimane in den Indischen Ozean, nachdem er noch kurz vorher die Wasser des Schire aufgenommen hat. — Livingstone, der den Sambesi bei Hochwasser sah und deshalb die Schwierigkeiten, welche der niedrige Wasserstand bereiten, nicht zu urteilen vermochte, hat seiner Zeit eine etwas sanguinische Schilderung von der Sehiffbar "keit des Flusses entworfen. Nur in seinem untern Laufe bis Tete, und auch dort nur für klemere Schiffe, welche von einem kundigen eu mann geleitet werden, bietet der Sambesi ein Teiäliches Fahrwasser. Die Stromschnellen und Katarakte machen weiterhin die Schiftfahrt unmöglich „Häufig zeigen zwar die Sn chnelle, keinen eigentlich gefährlichen Charakter, len nur hier und da aus dem mässig schnell bewegten Wasser ein auftaucht, aber es leuchtet ein, dass auch diese gewöhnlich kaum beachteten dlenisss bei einem regelmässigen Verkehr mit ir gend welcher Flussschiffen doch die erheblichsten Störungen veranlassen würden.“