FeedHaussa (Hausa)
ErdkundeAfrika Hand-Lexikon 1885
Typen der Haussa.
Typen der Haussa.

Haussa (Hausa), grosses Land im Sudan; es grenzt im Osten an Bornu, im Westen an den Unterlauf des Niger (den es an mehreren Punkten überschreitet), im Norden an die Sahara, im Süden an ein gebirgiges, noch sehr wenig bekanntes Land, welches an das rechte Ufer des Benuö stösst. Es liegt etwa zwischen 7 und 14° nördl. Br. und 2 und 10° östl. Länge; ist sehr fruchtbar und wohlbewässert. Es bildet heute das grosse Fulah-Reich Sokoto, dessen Hauptstadt Sokoto (von Clapperton Soccatu oder Saccatu genannt) ist. Von anderen grösseren Städten sind: Kano, Zaria, Gober, Gando und Yauri zu nennen. Der Sultan Bello erzählte Clapperton (1823), dass die Gober (ehemals der edelste und mächtigste Stamm unter der Völkerschaft der H.) aus den Kopten Ägyptens hervorgegangen seien. Man weiss ferner, dass die Gober seit undenklichen Zeiten die grosse malerische Oase Air (Asben) im Herzen der Sahara (im Süden von Fezzan und im Norden von Haussa) besetzt hielten, als dieselbe um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts (um 1740) durch einen Stamm der Tuareg, die Kelowi, überflutet und erobert wurde, so dass sich der Na- ‘me Gober heute dort nur noch in einem kleinen, direkt südlich von Air gelegenen Landstrich des H.- Reichs findet (H. wird von Air durch einen 4—5 Tagereisen’breiten Wüstenstrich geschieden). Eine andere wichtige Eigentümlichkeit in der Ethnologie H.’s ist der Kontrast, in welchem seine Bewohner, obgleich sie die Hauptmerkmale des Negertypus: das Vollhaar und die schwarze Hautfarbe, zeigen, zu den ihnen benachbarten Kanuri von Bornu stehen, welche Neger in der hässlichsten Bedeutung des Wertes sind. Die Schwarzen des H.-Landes dagegen stechen hervor (Barth II, 164 ff.) durch regelmässige Züge und eine angenehme Physiognomie, wie nicht minder durch Intelligenz und Moralität, so dass sie (Waitz, „Anthropologie - der Naturvölker“) weniger zu den eigentlichen Negern, als vielmehr zu den Negroiden zu zählen sind. Ihre Sprache ist von dem Kanuri (oder der Bornusprache) durchaus verschieden und hat manche Berührungspunkte mit dem Temasight (oder der Tuaregsprache). Alles in allem zeigen die H. eine bedeutende Überlegenheit über die Negervölker ihrer Nachbarschaft, und zwar als Handelsvolk sowohl wie als Industrielle (Orowther, Notes on the river Niger); „ihre reiche, harmonische Sprache ist die Handelssprache im ganzen muselmännischen Nigritien geworden, und wer sie spricht, wird von der Lagosküste, von Badagıy, von Porto-Novo und dem Nigerdelta, in ganz Yoruba und die Ufer des Niger hinauf bis in die Sahara in nördlicher, sowie den Benu& hinauf bis nach Adamaua in östlicher Riehtung verstanden.“ Es leben H.- Neger auch in Sierra-Leone, in Cape-Coast-Castle, auf der Südküste der Insel Fernando Po. —- Rev. F. Schoen hat eine Grammatik (1862) und ein Wörterbuch (1877) der H.-Sprache in London herausgegeben.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 2, S. 543Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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