FeedSerer (Sereres)
Sagen & MythenAfrika Hand-Lexikon 1885

Serer (Sereres), Volksstamm in Senegambien. Sie bewohnten einst die fruchtbaren Gegenden am obern Lauf der Casamance, von wo sie durch die den Islam mit Feuer und Schwert verbreitenden Peulhs nach Norden gedrängt wurden, bis sie an der dichten Woloff-Bevölkerun gCayors eine unüberwindliche Schranke fanden. Heute bewohnen sie das Land zwischen dem Kap Vert und der Gambia, den nördlichen Teil von Cayor, die Königreiche Baol, Sin und Salum. Sie zerfallen in die beiden Stämme der Seröres Nones im Thal der Tamna und Sereres Sines in Salum, deren erstere den None - Dialekt, letztere das Ndjesuem sprechen. Sie sind ein kräftiges Volk, und an Körpergrösse dürfte sie kein Negerstamm Senegambiens übertreffen. Sechs Fuss hohe Männer sind unter ihnen keine Seltenheit. Spuren der Vermischung mit den Wolofis sind in ihrem Gesichtstypus unverkennbar, aber ihre Züge sind hart und nicht so regelmässig wie jene der Wolofts, und die dicke, plattgedrückte Nase unterscheidet sie sehr unvorteilhaft von den letzteren. Götzenanbeter sind sie bis auf den heutigen Tag geblieben, und ihre beiden Götter —_ Takhar, der Gott der Gerechtigkeit, und Theourakh, der Spender alles Guten — haben ihre Wohnsitze in uralten Bäumen, welche für heilig gehalten werden, und vor denen man allerlei Gegenstände als Opfer niederzulegen pflegte. Über Nacht war das Opfer regelmässig verschwunden — die Priester des Gottes hatten es jedenfalls beiseite gebracht. Mit der Zeit haben sich aber unter den- Serern andere Opfergebräuche ausgebildet, welche den Priestern weniger behagen mögen: Der Opfernde verzehrt jetzt das geopferte Tier mit seiner Familie und lest nur die Hörner, die Füsse und die Eingeweide desselben unter den heiligen Baum. Den Göttern scheint solch ein Opfer aber nicht willkommen zu Sein, denn es ist noch nie über Nacht verschwunden, und um die heiligen Bäume häufen sich allmählich ganze Hügel von Hörnern und Knochen an. Die Priester besitzen trotzdem noch grosse Macht über das Volk, und Aberglaube aller Art steht in der schönsten Blüte. Zu den Hauptobliegenheiten der Priester des Gottes Takhar gehört es, den Dieb zu entdecken, wenn einem Gemeindemitglied etwas gestohlen wurde. Unter den Klängen eines Tam-tam zieht. der Priester durch das Dorf und verkündet, dass der Bestohlene eine Eidechse gefangen habe und sie am folgenden Tage zum Schmied tragen werde, um sie von diesem mit einem Hammer töten zu lassen. Eine solche Ankündigung verfehlt nie die beabsichtigte Wirkung: Der Dieb ist fest überzeugt, dass jeder Hammerschlag, der die Eidechse träfe, hundertfach seinen Körper treffen und seinen Tod herbeiführen würde, und er beeilt sich, den gestohlenen Gegenstand in der nächsten Nacht zurückzubringen. Zu den guten Seiten im Charakter der Serer gehört ihre Anhänglichkeit an den Grund und Boden, auf dem sie geboren sind und dem ihre Thätigkeit reichliche Ernten abgewinnt; unter den schlechten steht obenan ihre Tıunksucht. Schon als Kinder werden die Serer an das Branntweintrinken gewöhnt, und wenn sie herangewachsen sind, ist das Laster so tief gewurzelt, dass sie nach der Ernte nicht eher ruhen, als bis das Letzte, was sie besitzen, für den Ankauf des abscheulichen Sangara dahingegeben ist. Trotzdem liesse sich in ihnen leicht ein Stamm friedlicher Ackerbauer heranbilden, welcher bei genügendem Schutz gegen Plünderungszüge unruhiger Nachbarn bedeutende Mengen von Landesprodukten dem Exporthandel Dakars zuführen müsste.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 3, S. 1189Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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