
Soninke, ein im Senegal- und Niger-Gebiet und im Sudan weithin verbreitetes Volk. Von den Reisenden sind ihm die verschiedensten Namen beigelegt worden. Die Einen sprechen von S»arrakolets oder Serrakolets, Andere von Sarracolais, Sarracoulis, Sarawoulis, Saraoulis u. s. w. Die richtige Benennung des. Volkes als Gesamtheit ist Soninke. Diese teilen sich in drei Stämme: die Serrakolets oder eigentlichen . Soninke unverfälschter Rasse; die Kassonke, so genannt nach ihren Wohnsitzen in Khasso, durch Vermischung von Serrakolets mit Mauren, Peulhs, Bambaras und Mandingas entstanden; die Djalonke, ebenfalls ein Mischvolk, aus Serrakolets, Peulhs, Bambaras und Mandingas hervorgegangen. Die Kassonke zerfallen in die auf dem rechten Senegalufer wohnenden Guvidimakas und die Guadiagas auf dem linken Ufer, welche letzteren sich in die herrschende Kriegerkaste der Bakiris und die mit Ackerbau sich beschäftigenden Saybobes teilen. Die Kassonke bilden die Hauptmasse der Bevölkerung in den von uns nun erreichten Gegenden am Senegal, in Khasso, Natiaga und Guadimaka, In Kamera und Guadiaga führt der Fürst des Landes den Titel Tunka, und ihm zur Seite steht ein aus den angesehensten Bakiris und Saybobes gebildeter Rat, durch welchen seine Macht sehr eingeschränkt ist. Khasso und Guadimaka dagegen sind eine bliken, ein Konglomerat k Staaten mit dünner Bevölker: sich häufig untereinander b und einem feindlichen Ang: aussen keinen bedeutenden stand entgegensetzen können, den Rückhalt, den sie an de zösischen Posten Bakel und richten. An geistigen Fäh übertreffen die Soninke die Völker Senegambiens. häufig in die französischen nach Saint-Louis und Goree, g von dem Verlangen, neues z und zu lernen, und erweis als gute Beobachter, deren s Blick nicht leicht etwas ente: tivrepu- finden, welche in ihrem Gebiet erkleinerer richtet worden, wären sie schon ung, die längst eine Beute der benachbarten yefehden kriegerischen Völker geworden und riff von diesen ebenso unterthan wie die Ser-Wider- rakolets in Kaarta, Segu u. s. w, . Ohne welche Unterthanen der Bambaras en fran- und Mandingas sind und diesen willig Medine die ihnen auferlegten Abgaben ent-Der Stanley-Pool. igkeiten Fremder, der ihre Wissbegierde bemeisten friedigen kann, ist daher bei ihnen kommen stets ein willkommener Gast. Ob-Plätze, wohl Mohammedaner, fühlen sie sich setrieben doch mehr zu den Europäern hin- ‚u sehen gezogen als zu den anderen schwarzen sen sich Völkerschaften, gegen welche sie jene scharfem Abneigung empfinden, welche der ;eht. Ein Schwache gegenüber dem Starken empfindet. Sie haben nicht ver- sitzen veı gessen, dass sie durch ihre mächtigen sie begeg Nachbarn aus ihren alten Stamm- rigen dies kommt, mit der grössten Freundlich- Bekenner « keit, um keinen Anlass zu neuen oberungszu; Feindseligkeiten zu geben. Als die die Dörfer nen doch jedem Angehöser Stämme, der in ihr Land des Islam auf ihrem Erge durch den Sudan in der Soninke drangen, nahm dieses friedliebende Volk ohne langes Sträuben den Glauben der fremden Eindringlinge an, aber die Lehren des Propheten haben unter ihm nie begeisterte Bekenner gefunden. Religiöser Fanatismus ist den Soninke völlig unbekannt, und mit dem Befolgen: der Vorschriften des Korans nehmen sie es nicht sehr genau. Der verpönte Branntwein hat auch bei ihnen Eingang gefunden, und dort, wo nicht die Scheu vor mohammedanischen Nachbarn zur Vorsicht mahnt, trinken sie denselben ohne Bedenken öffentlich. Nur jene Stämme, welche Nachbarn fanatischer Mohammedaner sind, wie z. B. die den Mauren benachbarten Guadimakas, geben sich noch wenigstens den Schein, als befolgten sie streng die Religionsvorschriften, um nicht die Rache der Fanatiker zu provozieren. Wo sie aber wissen, dass sie auf Schutz seitens der Franzosen rechnen können, dort schliessen sie sich eng an diese an.. In den Handlungshäusern am Senegal sind viele Soninke als Bedienstete zu finden, und ınan zieht sie dort wegen ihrer grösseren Leistungsfähigkeit bedeutend den Negern und Wolofis vor. Auch als Matrosen und Soldaten werden sie häufig verwendet, und sollen auch in dieser Stellung die meisten Negerstämme an Brauchbarkeit übertreffen. Daheim obliegen sie meist dem Ackerbau. Viehzucht ist bei ihnen so wenig beliebt, dass sie z. B. in Futa-Djallon ihre Herden den Peulhs überlassen, welche dieselben gegen Entgeld auf die Weide treiben und hüten. Hauptsächlich wird von ihnen die Erdnuss gepflanzt, welche sie in grossen Mengen auf den Markt bringen. Die Soninke sind jedoch nicht bloss ein ackerbautreibendes, sondern auch ein Handelsvolk. Man könnte sie fast die Juden ‚des Sudans nennen. Sie haben mit diesem Volke wenigstens den Sparsamkeitssinn und die Gewandtheit im Handel gemein, nicht aber auch das feste Zusammenhalten gegenüber allen anderen Völkern, unter denen sie zerstreut leben. Mit ihrer Rührigkeit stimmt schlecht überein die grosse Unsauberkeit, welche in ihren Hütten herrscht. Die Soninkefrauen sind ebenso faul wie die Männer thätig sind, und infolgedessen findet man in ihren Hütten oft eine ekelerregende Unsauberkeit. Die Hütten liegen stets in der Nähe eines Flusses oder Marigots, wo auch während der trockenen Jahreszeit stets einiges Wasser für die Planzungen vorhanden ist. Die runden, mit einem kegelförmigen Dach bedeckten Strohhütten sind nur selten mit Palissaden umgeben, und dort, wo die Soninke anderen Völkern unterthan sind, ist ihnen die Befestigung ihrer Dörfer sogar streng untersagt. Dagegen fehlt in keinem Dorfe der Gerichtsplatz, der sowohl zu Volksversammlungen als zur Schlichtung von Streitiskeiten benutzt wird.
