Uniamwesi od. das Mondland, grosse Landschaft in Ostafrika, im Osten an Ugogo grenzend, gegen Westen bis an den Malagarasi, den bedeutendsten Zufluss des Tanganjıka, sich erstreckend, ein ungeheures, wellenförmiges Tafelland, welches sich gegen Westen sanft senkt. „Grosse Bergerhebungen fehlen in demselben, dagegen finden sich häufig einzelne Hügel in Gestalt stumpfer, isolierter Kegel und wunderliche, zackige Felsgebilde Nicht selten krönen mächtige Rollblöcke von Syenit die Scheitel der Höhen. Der Boden zeigt sich während der trockenen Jahreszeit dürr und .grau, mit goldgelben Stoppein überdeckt. Die Bäume erscheinen vom heftigen Winde wie verrenkt; hie und da bringt ein Streifen smaragdgrünen Rasens oder eine Strecke schwarzen Schlammes eine Abwechselung in die Farbeneintönigkeit der Gegend. Hat aber der Regen Alles in frische Vegetation gekleidet, dann erscheint besonders im Vergleiche mit den grellen Lichtern von Ugogo Uniamwesi wie der Garten Innerafrikas. Prächtig glänzt, zumal am Rande der bebauten Fluren, das Laub des Milchbusches mit seinem korallenartigen Astbau. Zahlreich sind die Herden des vielfarbigen, plumpen, höckerigen Hornviehs, der Schafe und Ziegen. Auch die wilde Tierwelt des Mondlandes ist eine reiche und mannichfaltige. Im Dschungel hausen Löwen, Leoparden, Elefanten und Rhinozerosse; Giraffen, Kapbüffel, Zebras, Kudus streifen über die Ebenen. Nilpferde und Krokodille beleben die fliessenden und stehenden Gewässer. Der Njanji oder Cynocephalus, ein Pavian, welcher ‘die Grösse eines Windspieles erreicht, wird namentlich von den Frauen sehr gefürchtet, welche sich nicht: leicht in die von ihm bewohnten Wälder wagen. Auch eine andere Art geschwänzter Affen mit Gesässschwielen wird dort angetroffen, die Guereza (Colubus guereza), hierMbega genannt, von Livingstone aber als Polume beschrieben. Die Bewohner des Landes oder Waniamwesi treiben Viehzucht und Ackerbau, bauen stark befestigte Dörfer, sind aber nur ärmlich in Felle gekleidet; nur die Sultane und die Wohlhabenden tragen gewebte Zeuge. Das Gesicht wird tätowirt, und die hervorgerufenen Narben werden bei den Männern schwarz, bei den Frauen dagegen blau gefärbt. Die Waffen des Volkes sind sebr mannichfaltig; man sieht Speere, unvergiftete Pfeile, Streitäxte, doppelschneidige Messer sowie auch Schilde. Eine Nationalwaffe scheinen die Assagaien oder Wurfspeere zu sein, doch fehlt den Mondleuten in ihrem Gebrauche bei weitem die furchtbare Geschicklichkeit, wie die südafrikanischen Kaffern sie besitzen. Der Gewerbfleiss der Waniamwesi erstreckt sich auf das Weben grober Baumwollenzeuge, das Flechten sauberer Körbe, die Anferticung hölzerner Schüsseln, Eselsättel u. Waffen. Obgleich sie ihre Felder sorgfältig einfenzen, haben sie doch den Pflus noch nicht erfunden, sondern arbeiten mühsam mit dem Spaten. Die Herrschaft im Mondlande führen eine Menge kleiner Häuptlinge, Mtemi oder Mwame geheissen, denen ein Mgawe oder Wessir und die Waniapara oder Altesten zur Seite stehen. Die Würde des Häuptlings ist erblich; seine Macht erstreckt sich über Leben und Tod der Wasengi oder Unterthanen, sein Einkommen aber besteht in den Geschenken der Reisenden, Konfiskationen des Vermögens von Hochverrätern und Zauberern und im Verkauf von den genannten Verbrechern, welche die Araber am liebsten an sich bringen, weil sie sicher sind, dass sie ihnen aus Furcht vor ihren Landsleuten nicht entlaufen werden.“ (Barth, „Ostafrika vom Limpopo bis zum Somaliland.*)