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ErdkundeAfrika Hand-Lexikon 1885

Kapkolonie (Kapland, von den Engländern „Colony of the Cape of Good Hope“, von den Franzosen „Colonie du Cap“ genannt), grosses Land an der Südspitze Afrika’s, Besitztum der Krone Grossbritanniens, zu beiden Seiten vom Meere umschlossen: im Westen vom Atlantischen, im Osten vom Indischen Ozean. Im Jahre 1847 wurde die Grenze des kolonialen Territoriums im Norden bis zum Oranjefluss vorgeschoben, etwa 650 km von der Südküste, während die westliche Grenze der kleinen Gebirgskette der Witte-Berge, denStormbergen und endlich dem Laufe des Indwe und der Kerbis zum Meere folgte. Seit dieser Zeit aber sind die Grenzen durch allmähliche Annexionen ungeheuer ausgedehnt worden. Zuerst wurde 1571 West-Griqualand, das sich nördlich vom Oranjeflusse bis über den 23. Breitegrad (zwischen 20 u. 230 westl. L. v. Par.) erstreckt, dann im nämlichen Jahre das im nordöstlichen Winkel der K., zwischen den Draakenbergen und dem Oranjefluss-Freistaat gelegene Basutoland, einverleibt. Im Jahre 1875 erfolgte der Anschluss des zwischen dem Kei-Flusse und Natalland gelegenen unabhängigen Kaffirlandes (Kafirland proper) als „Lranskeian Distriets“ (siehe den Artikel: Kafraria). Endlich 1876 das weite, am Gestade des Atlantischen Ozeans hinaufziehende Gebiet. zwischen der Mündung des Oranjeflusses und der Walfisch - Bai, Gross - Namaqualand, wodurch die Nordgrenze der K. am Atlantischen Ozean bis zum 23.0 südl. Br. vorgeschoben wurde. Ihren Absichten auf Damara - Land (nördlich von Namaqualand), deren Verwirklichung schon 1876 auf dem Programm der Regierung des Kaplandes stand, kam bekanntlich in letzter Stunde noch das Deutsche Reich zuvor; andernfalls würde der britische Besitz des südlichen Afrika-sich bis zum 20.0 südl. Br. herauf erstreckt haben. Die Engländer haben, wie man sieht, die bedeutende Rolle, welche ihnen in Afrika aufbewahrt ist, mit sehr scharfem Blick erfasst; sie versäumen es nicht, einen Löwenanteil bei der Teilung dieses Erdteils sich zu sichern. Sie sind zur Stunde Herren des schönsten Teils von Südafrika, besitzen die ganze Küste von der Walfisch - Bai am Atlantischen Ozean bis zur Delagoa-Bai am Indischen Ozean; und wenn auch die Portugiesen ihnen im weitern Vordringen an den Küsten im Wege stehen, so hindert sie doch nichts, auf dem Wege durch das Innere das Sambesi- und das Bangweolo-Gebiet zu erreichen. _ Die grossbritannische Regierung zieht es bereits seit Jahren in Erwägung, aus ihren südafrikanischen Besitzungen, nach dem für ihre nordamerikanischen Besitzungen geschaffenen Vorbilde, einen grossen Staatenbund zu bilden, welcher ausser der Kapkolonie und Natalland auch den Oranjefluss - Freistaat und die Transvaal-Republik umschliessen soll. Die diesbezüglichen Verhandlungen, welche schon im August 1876 geführt wurden, scheiterten zunächst an der Weigerung der beiden unabhängigen Republiken. Die finanziellen Schwierigkeiten, mit welchen die Transvaal-Republik seit Jahren zu kämpfen hat, werden jedenfalls. die Angelegenheit zu Gunsten der Engländer in raschern Fluss bringen. Regelrecht organisiert ist die Kapkolonie zunächst nur erst in ihren alten (1871er) Grenzen, welche im Norden durch den Oranje- oder Gariep-Fluss gebildet wurden, durch dessen Mittel- und Unterlauf sie von den Namaquas, Griquas und anderen Stämmen des Hottentottenvolkes geschieden wird, während dessen Oberlauf sie. vom Oranjefluss - Freistaat scheidet. Im Osten bildet die hohe Bergkette der Stormherge, der in den Kei fliessende .Indwe und:..der Kei von der Einmündung 'des:Indwe an bis zum Meer die Grenze nach Kafraria zu. Innerhalb dieser: Grenzen (die eine Länge von 880” km und eine zwischen 700 und 300 km sich bewegende Breite darstellen), zwischen dem 28. und 35. südl. Br. und 14. und 27.° östl. L. v. Par., liegt das Gebiet der „eigentlichen“ oder „alten“ Kapkolonie; sie befindet sich also auf der südlichen Hemisphäre des Kontinents in der gleichen Entfernung vom Äquator wie "Marokko und Algerien auf der nördlichen. Der Gesamtflächenraum der K. lässt sich auf annähernd 500000 qkm bestimmen; derselbe ist aber durch die langjährigen Gebietshinzufügungen um mehr als die Hälfte angewachsen. Das Land hat seinen Namen vom „Kap“ (Vorgebirge der Guten Hoffnung), das an seiner Südspitze gelegen ist, entlehnt. Kapstadt (engl. Cape Town, von den Franzosen „la Villa du Cap“ oder „Le Cap“ genannt) ist in 30—32 Tagereisen per Dampfer von London aus zu erreichen. Die Gestaltung des südlichen Afrika ist eine höchst merkwürdige; sie zeigt eine Reihe von staffelförmig aufeinander geschobenen Terrassen, welche der Südküste parallel laufen und sich allmählich an immer höher aufsteigende Gebirgsketten anlehnen. Die nächste und zugleich niedrigste Kette trägt von Osten nach Westen zu die Namen Karaduw, Lange Kloof, Utenika, Lange Berge, Swellendam und Zonderend-Berge. Zwischen ihr und dem Meere liegt nur eine hügelichte Strecke von 20—80 km Länge. Diese erste Terrasse trägt ein dürres Hochland (von den Kingeborenen „Karroo®“ genannt), das 30—50 km breit ist und an die unter dem Namen „Zwarte Berge“ (Schwarze Berge), weiter westlich an die unter dem Namen „Witte Berge* (Weisse Berge) bekannte zweite Höhenkette stösst. Jenseits dieser Berge befindet sich ein zweites Hochland, das zwei- bis dreimal breiter ist als los vorige und aus diesem Grunde „Grosse genannt wird. Es ist eine im allgemeinen dürre und kahle Ebene in einer durchschnittlichen Höhe von 800—900.m. Die dritte Bergkette, an welche die Grosse Karroo sich lehnt, bildet die Wasserscheidelinie ansehen den südwärts nach dem Indischen Ozean laufenden Gewässern der Karroo und dem Becken des in allcemein westlicher Richtung nach dm Atlantischen Ozean laufenden Oranjeflusses. Die Gebirge, welche diese Kette (eine west]. Verlängerung der grossen Kette der Draakenberge oder "Quathlamba) bilden, führen von Ost nach West die Namert Stormberg, Suurberg, Sneeuwberg, Nieuweveld und Roggeveld. Ir höchster Gipfel ist der im Sneeuwberg liegende Kompassberg (2600 m). in andere querlaufende Kette, Drakensteenberg, Cardon, Olifant, Cedarberg etc. genannt, ein westlicher Ausläufer der Ketroo und in mässiger Entfernung vom Atlantischen Va bildet dieser Seite das Plelsan- Land. Der Winterhoek, der höchste Gipfel dieses westlichen Systems, überragtden Ozean in einer Höhe von 2222 m. Die beiden Hauptstrecken des zentralen: Gebirgsstocks Sneeuwberg bestimmen natürlicherweise ah die beiden Flusssysteme. Im Norden laufen sämtliche Gewässer dem linken oder südlichen Ufer des Öranjeflusses zu, welcher sie dem Atlantischen Ozean fchrt, Im Süden strömen sie durch die Karroo und die Zwischenketten hindurch dem Indischen Ozean zu. Die wichtigeren linksseitigen Zuflüsse des Oranje sind: der Tess, der Krai, der Stormberg-Kei, der Suurbergkei, der Malapo, er Seckoe, der Brak, der Hartebeest - Fluss. Une den Flüssen, welche im Süden des Gebirges laufen und in den Indischen Ozean münden, sind die Kei, die Keiskamma, der Grosse Fischfluss, der Buschmanns-River, der Zondag-, Gamtoos- und Gauritz-River (welcher letztere sich aus den beiden Armen, dem Olifant und dem Groote bildet), endlich der Breede - River zu nennen, Der westliche Olifant-Fluss, der einzige beträchtliche Wasserlauf, welcher sich südlich vom Oranjefluss in den Atlantischen Ozean ergiesst, wird gleich dem Gauritz - River aus zwei Armen gebildet. Der eine derselben, von geringerer Bedeutung, hat sein Bett zwischen der ersten und zweiten Kette, der andere, der Doorn, durchfliesst die westliche Hälfte der Grossen Karroo. Von allen diesen Flüssen ist ein einziger, der Breede, schiffbar; an seiner Mündung liegt die Stadt Port Beaufort, DieKüstenlänge des 1871er Gebiets der Kapkolonie beträgt mehr als 2000 km. Der nordwestliche, vom Atlantischen Ozean bespülte Teil, welcher ausserhalb der gewöhnlichen Schiffahrtslinie liegt, ist unvollständig bekannt. Man weiss nur, dass er von Sandflächen, welche Strauch- und Buschwerk tragen, umschlossen ist. Im Südwesten und Süden nimmt das Land einen neuen Charakter an und zeigt eine fast ununterbrochene Folge von Vorsprüngen und Einbuchtungen. Die Vorsprünge bilden bisweilen hohe Vorgebirge; die beiden wichtigsten sind: das Vorgebirge der guten Hoffnung (sicher das berühmteste aller Vorgebirge des Erdteils), und das 150 km südlicher als jenes in den Ozean hinausragende Agulhas- oder Nadelkap.: Unter den Einbuchtungen, welche die Küste der K. bildet, befinden sich eine grosse Anzahl von geräumigen Baien; aber keine derselben, mit einziger Ausnahme der an der Westküste befindlichen Saldanpa-Bai, besitzt hinreichenden Schutz, um alle Bedingungen eines guten und sichern Ankerplatzes zu erfüllen. In der Nähe des Kaplandes bilden sich unter dem Einflusse eines Nordwestwindes, welcher die Wogen um das Kap treibt, nachdem sie schräg das südatlantische Meer durchschnitten haben, die grössten bis jetzt bekannten Wellen; dieselben schlagen hier, vom tiefsten Punkte des Wellenthals bis zum Kamm gemessen, 18 m hoch empor. Die geologische Formation der Gebirge zeigt eine grosse Gleichförmigkeit. Die regemässige Wiederkehr der zum Teil sehr auffallenden Tafelberg-Form, von welcher der Tafelberg bei! Kapstadt ein so. berühmtes Beispiel zeigt, lässt (vergl. Fritsch, „Süd-Afrika*, 8. 14 ff.) von vorn herein darauf schliessen, dass dieser Erscheinung eigentümliche Verhältnisse zu grunde Teen, wie sie im übrigen Teil der Erde nieht gewahzlich sind. Es scheint, dass de vulkanistischen Revolutionen, welche meist die durch Neptunismus gebildeten Schichten knickten, durchbrachen und zuweilen so sehr verwarfen, dass das unterste Glied eines Systems zuoberst gekehrt ist, in Südafrika milder und weniger heftig aufgetreten sind, in der Art, dass stellenweise Hebungen und Senkungen in den Vordergrund treten, die gewaltigeren Veränderungen aber weniger häufig vorkommen. Die von unten andrängenden, feuerflüssigen Massen, welche die Schichten in grösserer oder geringerer Ausdehnung erhoben, veränderten in vielen Fällen die ursprüngliche horizontale Lage derselben wenig oder gar nicht, was sonst meist nur als Ausnahme vorzukommen pflest. Es entstanden so die für Südafrika charakteristischen Tafelländer mit den schroffen, senkrecht abfallenden Rändern; war die Ausdehnung der Erhebungen geringer, oder blieb nur ein kleinerer Teil der erhobenen Schichten erhalten, so entstand ein Tafelberg, welcher bei noch engerem Zusammenrücken der Ränder in jene Form übergeht, wie wir sie am Löwenkopf und so vielen ähnlichen Bergen des Innern, gewöhnlich „Los-Kopjes“ (Losgerissene Kuppen) genannt, auftreten sehen. Häufig gruppieren sich diese Formen, wie das Kap selbst als Beispiel lehrt, - und es finden sich so vor Tafelländern Tafelberge vorgeschohen, welchen die Kopjes gewissermassen als Trabanten zur Seite stehen und dadurch den regelmässigen Wechsel in die südafrikanischen Bergformationen bringen. Die Stellung der Tafel-- berge in Reihen, der grösste Durchmesser ihrer Gipfelebenen, sowie das Anschliessen der Kuppen an bestimmte Seiten scheint die Richtung anzudeuten, in welcher die vulkanistischen Kräfte ihren Verlauf nahmen, als sie die geschichteten Steine sprengten und stellenweise erhoben. Der höchste Teil der Kuppen wird mitunter von einem so kleinen Rest der Schichten gebildet, dass dieser als ein einziger Felsblock unersteiglich vom Gipfel des Berges aufragt. Ein solcher befindet sich z. B. in den Wittebergen an der Grenze des Basutolandes, wo die äusserste Felspartie ihrem Querdurchmesser um mehr als die Hälfte in der Höhe übertrifft bei senkrechtem Seitenabfall, eime riesige Landmarke, weit hinein in das Land sichtbar. Ist andererseits die Ausdehnnng der noch in natürlicher Lagerung erhaltenen Tafelländer eine grosse, So imponieren ‘sie zwar von der untern Terrasse aus gesehen als mächtige Berge, aber ersteigt man die vor dem Beschauer so imposant aufsteigenden Abhänge, so sieht man sich oben zu seiner Überraschung häufig in einer völligen Ebene, welche für Meilen und Meilen ohne bedeutende Bodenerhebungen hinzieht. Es handelt sich in solchem Faile somit nicht um einen Berg, sondern um den Rand eines Tafellandes, mit welchem Ausdruck derartige Formationen von den Kolonisten auch bezeichnet werden (z. B. Zuiker-Bos-Rand; Witte-Waters-Rand). Auch der sogenannte Drakensberg ist in grösster Ausdehnung wesentlich Plateau - Rand und zeigt gegen Kafraria, Natal, Sululand schroffe Abhänge von Tausenden von Fuss, während nach dem Innern zu nur vereinzelte, wie Maulwurfshügel aufder Hochebenestehende Erhebungen den Rand selbst hier und da überhöhen. Zuweilen erscheint bei etwas ungleicher Wirkung der "hebenden Kräfte nur die eine Seite eines Tafelberges als steiler Absturz; während die entgegengesetzten Schichtenköpfe durch den Schuttkegel verdeckt sind, oder es sind auf die Hebungen wieder teilweise Senkungen erfolgt, welche Vertiefungen erzeugten, die vielfach von den Leuten irrtümlicherweise für vulkanische Krater gehalten werden, wenn sie auf den Gipfeln der Tafelberge vorkommen. Viele Leute, die gedankenlos durch die Urgebirge Europas, welche einst im feuerflüssigen Zustande aufstiegen, gewandert sind, machen sich hier auf einmal Gedanken über vulkanistische Einflüsse, angeregt durch die sonderbaren, charakteristischen Gestaltungender südafrikanischen Berge, welche unwillkürlich zu Betrachtungen über ihre Entstehung hinleiten. Und doch ist das, was sie hauptsächlich zu ihrer Annahme bestimmt, die Schroffheit der Formationen, wahrscheinlich mehr wie in den meisten andern Ländern durch den entgegengesetzten Einfluss, das Wasser, zu stande gekommen. Die Sandsteine, welche die Gipfel der in Rede stehenden Berge bilden, sind der Zerstörung durch das Wasser je nach ihrer Beschaffenheit bald wenig bald stark ausgesetzt; viele zeigen demnach deutlich die Spuren, dass dies mächtige Element an ihnen genagt hat. Auch giebt die grosse Verbreitung der durch Wasser zerstörten Gesteinstrümmer und Schwemmablagerungen, sogenannter Seifengebirge, einen unzweifelhaften Beweis, wiehoch wir hier den Einfluss dieses Elementes veranschlagen müssen. Neptunistischen Kräften ist auch jedenfalls die Zerstörung der höhergelegenen jüngeren Systeme zuzuschreiben, häufig ist kaum eine Spur der auflagernden Schichten auf dem Plateau zurückgeblieben, das Wasser hat sie bis auf den letzten Rest hinweggespült; zuweilen ist aber von den nächsten Schichten ein grösserer oder geringerer Teil übrig, welcher die oberste Fläche der Sandsteine als flacher Hügel bedeckt oder als- deutlich geschichteter Kegel mit meist auffallend geraden Seitenlinien von ihnen aufsteigt. Nicht selten erscheint auch ein Tafelberg auf den andern gesetzt, indem ein tieferes und gegen Verwitterung widerstandsfähigeres System die untere breitere Terrasse darstellt, auf welcher sich ‘unter Vermittelung eines niedrigen Schuttkegels die höhere in ihrem Aussehen ähnliche. von geringerer Ausdehnung erhebt. Nächst diesen Sandsteinformationen sind es besonders Grünsteine, deren Kuppen für weite Strecken Südafrikas charakteristisch sind. Dieselben sind den Tafelbergen mit ihren mächtigen Schichten unähnlich, indem die Bekrönung des Schuttkegels niedriger und weniger regelmässig begrenzt zu sein pflegt. Krystallinische Eruptivgesteine, besonders Gabbro, bilden den geschichtetenGesteinen auflagernd, meist die Gipfel, indem die unregelmässig durcheinander geworfenen Blöcke derselben, die tieferen Schichten vor der Verwitterung schütz-Über die hydrographischen Verhältnisse der K. ist wenig zu sagen. Die Flüsse sind im Hinblick auf die grosse Ausdehnung des Landes: höchst spärlich (trotzdem die Karten ein ziemlich reiches Flussnetz zeigen); sie sind zum weitaus grössten Teil periodischer Natur, d. h. im Sommer vertrocknet. In dem Mangel an Südwasser liegt das grosse Gebrechen der K.; aus diesem Mangel entspringt vorwiegend der kahle nackte Zustand des Landes, das kaum einen einzigen Wald besitzt. Aus dem Umstande, dass das südliche Afrika, mit Ausnahme eines bestimmten Gebietes im Südosten und einiger isolierten Stellen, schnee- und waldbedeckter Gebirge, die anderwärts unerschöpfliche Wasserreservoirs bilden, ermangelt, geht hervor, dass es das Wasser, dessen der Boden bedarf, nur durch zufällige, fast immer unzulängliche Regenfälle erhalten kann. Diese Thatsache wiegt um so schwerer, als die Sonnenglut und der sandige oder mit Sand und Lehm vermischte Boden das vom Himmel gespendete Nass ungeheuer rasch aufsaugt, und die Gebirge. des Ostens die Wasserdünste, welche vom’ Indischen Ozean aufsteigen, fast vollständig über den ewiggrünen Flächen des ausserhalb der Ostgrenzen des Kaplandes liegenden Kafraria festhalten. Höchstens die der Grenze benachbarten Landstriche erhalten in einem gewissen Masse ihren Anteil an dem Segen dieser wohlthätigen Niederschläge. Es gibt Sommer im Kaplande, wo dieser Wassermangel zu einer wirklichen Kalamität wird. Zu tausenden fällt dann das Vieh, Der trockne („starre“) Ackerboden in der K, ist weit häufiger als der weiche. Der salzhaltige Sand, mit welchem er gewöhnlich überdeckt ist, tötet oder verschlechtert den Pflanzenwuchs und macht das Wasser untrinkbar. Seeen oder, Lachen ähnlich den Sebchas der algerischen und marokkanischen Sahara und den Natron-Seeen im Isthmus von Suez, haben, gleich jenen, einen stark salzhaltigen, oft mehrere Meter hohen Bodensatz. Uber das Klima des Kaplandes ist nach dem Vorhergesagten nur noch wenig zu bemerken. Man hat das Jahr des Kaplandes vielfach nur in zwei Zeiten: den Sommer und den Winter, geteilt. Indessen lassen sich hier, gleichwie in Europa, vier Jahreszeiten genau unterscheiden. Der Frühling beginnt am 1. September und endist am 1. Dezember; der Sommer währt vom Dezember bis März; der Herbst vom März bis Juni, und der Winter vom Juni bis zum September. In der Zeit vom September bis April herrschen im Kaplande die Südostwinde; die durch diese Winde herbeigeführten Wolken werden durch die ersten hohen Gebirge festgehalten, denen sie begegnen, ballen sich hier zusammen und schlagen nieder derart, dass für die westlich gelegenen Striche nur wenig oder nichts verbleibt. Das umgekehrte Phänomen wird durch die im Winter-wehenden Nordwestwinde erzeugt; die von ihnen herbeigeführten Wolken absorbiert der westliche Teil des Kontinents. Im übrigen besitzt die K., dank diesen periodischen, die Atmosphäre reinigenden und die Sonnenhitze mildernden Winden, das schönste und gesündeste Klima. Die Temperatur steigt selten über 32 und 33° und sinkt im Winter selten unter 8° Wärme. Man könnte demnach die Behauptung aufstellen, dass es im Kaplande keinen eigentlichen Winter gebe, wenn er nicht durch den Stand des Pflanzenwuchses angezeigt würde und die dann herrschenden Winde nicht bisweilensehrscharfwären. Indessenzeigt sich auch der Schnee bisweilen in einem gewissen Striche der grossen Karroo und besonders in den dem Nieuweveld und dem Sneeuwberg benachbarten Ebenen. Trotz dieser in vieler Hinsicht ungünstigen Bedingungen beruht das Landleben der K. nichtsdestoweniger fast ausschliesslich auf dem Ackerbau. Die K. hat eigentlich keine andere Industrie, als solche, welche mit dem Ackerbau zusammenhängt. Die Bauernhöfe sind fast immer am Fusse der Gebirge gelegen, überall wo Wasser gefunden werden konnte. Von dort erstrecken sich die bebauten Äcker weithin über Ebenen von oft sehr bedeutender Ausdehnung, und die Haustiere (Ochsen, Hammel, Ziegen, Pferde, Maultiere)\ grasen auf dem oft untermittelmässigen Boden, wo das Gras fetten scharfen Pflanzen, Sumpfgewächsen, Strauch- und Buschwerk der verschiedensten Art den Platz räumt. Die Tiere sind an diese Nahrung gewöhnt und gedeihen dabei, obgleich sie an zahlreichen Orten darauf angewiesen sind, gelbes stinkendes Schmutzwasser zu saufen. Die im Innern der K. gelegenen Distrikte sind die am besten zur Viehzucht geeigneten und erzeugen die feinste Wolle. Dieser Teil der Kolonie umfasst bedeutende Asgrikultur- Anlagen; es giebt Bauern, welche 15000 —-20000 Hammel besitzen. Bis 1840 kannte man im Kaplande mit wenigen Ausnahmen nur das einheimische, breitschwänzige Schaf, das mit Fett überladen, aber arm an Wolle war. Jetzt kann man in allen Wolldistrikten Herden der besten Sorten aus allen Ländern sehen. Die einheimischen Hammel werden ausschliesslich als Schlachtvieh gezüchtet und in grossen Mengen verzehrt. In vielen Distrikten hat man sich auch mit Eifer auf die Zucht von Angoraziegen geworfen. Eine ganz neue Erwerbsquelle, die in kurzer Zeit zu bedeutenden Umfängen gediehen ist, hat man in der Straussenzucht gefunden. Vor etwa fünfzehn Jahren fingen die ersten Landbauern an, den Strauss zum Haustier zu machen, und heute wird es von Kapstadt bis zu den Stormbergen kaum ein Bauernhaus geben, das nicht ein Volk Strausse besässe. Die Straussenzucht ist eine Merkwürdigkeit des Kaplandes. Sie wirft hübsche Erträgnisse ab, hat aber auch ihre Schattenseiten, da die Tiere leicht eingehen. Ausser einer beträchtlichen Menge geniessbaren Fleisches bilden die Federn einen wichtigen Ausfuhrartikel (1874 bereits 5 Mill. Stück); indessen besitzen die Federn der domestizierten Strausse bei weitem nicht die schöne Färbung der in der Wildnis lebenden Tiere. — Die Pferde des Kaplandes (englischer, spanischer, holländischer und selbst arabischer Rasse) sind wohlbekannt; ihre vorzüglichste Eigenschaft ist Ausdauer in der Arbeit und im Laufen. Von der Vegetation an allen jenen Orten, wo das Wasser nicht vollständig mangelt, berichtet ein scharfer Beobachter, vermag man sich keine richtige Vorstellung zu machen. Mit unglaublicher Gewalt entwickelt die Sonne die produktive Kraft des Bodens in einem Lande, wo das sandige und lehmige Terrain doch vielmehr schlecht als günstig ist. Die Früchte gedeihen zu einer ganz aussergewöhnlichen Grösse, und alles wächst wie von selbst, fast ohne Sorgfalt, fast ohne jegliche Arbeit. Die Sonne besorgt alle Arbeit, und sehen muss man, wie sie ihrer Aufgabe gerecht wird! Fast den grössten Teil des Jahres hindurch bringt der Boden dort, wo Wasser vorhanden ist, beinahe alles, was man von ihm verlangt; man erntet zwei-, bisweilen dreimal im Jahre. Durch ihre äusserst günstige Temperatur, welche die Mitte hält zwischen derjenigen der gemässigten und derjenigen der tropischen Zone, erzeugt die Kapkolonie neben vielen tropischen Gewächsen beinahe alle Früchte und Gemüse Europas. Von Getreidearten werden vorwiegend Korn und Weizen gebaut; in den südwestlichen Distrikten wird viel Reis gebaut; die Kartoffel gedeiht fast überall und ist schon bis zum Sambesi hinauf gedrungen. Der die Kapstadt umschliessende Distrikt ist von einer grossen Anzahl von Dörfern, Gehöften und Wohnungen besetzt, deren Lage eine äusserst malerische ist und die durch prächtige, mitEichen undaustralischen Fichten, Gummibäumen (Eucalyptus globulus), Ulmen, Pappeln und anderen Bäumen eingefasst sind. Diese ganze Landstrecke, die aus den Gemeinwesen von Mowbray, Rondebosch, Glaremont, Newlands, Wyeburg gebildet wird, ist wunderbar schön und mit einer luxuriösen Vegetation geschmückt; in einem leicht gesenkten Terrain gelegen, von grossen, ungeheuren Bäumen dicht bestanden und umschlossen, liest sie fast vollständig geschützt vor Wind und Sonne. Hier wohnt die feine Welt der Kapstadt; in diesem Distrikt (in einem Umkreise von 60—80 km von Kapstadt), werden die sogenannten, ehemals renommierten Käpweine gebaut, von denen der Constancia-Wein, zwischen der Stadt und der Falschen-Bai gezogen, als der beste gilt. Die bergigen Distrikte der Ostgrenze sind das „Busch“-Gebiet, von den Engländern so genannt des grossen Reichtum an Aloe- und ähnlichen Bäumen wegen, die buschweise in allen möglichen Varietäten hier wachsen. Die vor der Kolonisation des Landes durch die Holländer überreiche Fauna ist seit dem zweiten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts ganz bedeutend zurückgegangen. Ausgangs des 18. Jahrhunderts lebte der Elefant noch herdenweise im Gebiet des Kaplandes, und Rhinoceros, Flusspferd und Löwe waren am Kap noch sehr häufig. Heute ist der Elefant verschwunden; 200— 300 Meilen vom Kap müssen die Jäger, welche sich mit dem Elfenbeinhandel en gros befassen, landeinwärts ziehen, um die Tiere zu jagen. Das letzte Rhinozeros im Kapgebiet wurde.1853 in der Nähe von Port Elizabeth erlest. Flusspferde findet man vereinzelt im Grossen Fischfluss, welcher den östlichen Teil des Kaplandes durchfliesst. In den Flüssen, welche an der Küste von Kafraria münden, -sind sie noch sehr zahlreich, desgleichen auch im Oranjeflusse unfern von seiner Mündung. Den Löwen trifft man jetzt nur noch im östlichen Teile der Kolonie, in den Distrikten Queenstown und Albert sowie an der Grenze des Buschmännerlandes und des Distrikts Beaufort. Die Kapbewohner benennen unrichtigerweise den in der K. sehr häufigen Leopard oder Panther mit dem Namen „Tiger“; derselbe wagt sich sogar nicht selten bis auf wenige Kilometer an die Kapstadt heran. Der Strauss lebt noch an verschiedenen Punkten derK. wild. Das Rebhuhn, die Wachtel, die Schnepfe, das hier mit Unrecht Fasan genannt Frankolinhuhn, der Hase, das vom europäischen sehr verschiedene Steinkaninchen sind ungemein zahlreich am Kap. Aber es ist vielleicht kein anderes Land so arm an Süsswasserfischen wie das Kapland, dessen Flüsse fast vollständig fischarm sind. Dagegen giebt es Seefische an den Küsten im Überflusse. Das Zebra wird täglich seltener im Gebiete der K. und wird nur noch im innern Lande angetroffen. Die interessante Familie der Antilopen ist im südlichen Afrika zahlreicher als irgendwo anders auf der Welt. Es kommen hier mehr als dreissig Arten dieses Tieres vor. Der Büffel kommt in den grossen Wäldern des Knysna-Distrikts und in den Büschen, welche das Ufer des Grossen Fischflusses umsäumen, vor. Er ist bei weitem weniger stark und dichter behaart als der asiatische Büffel und ein ungemein wildes Tier (vergl. Büffel). Wirklich bedeutende Minen kommen in dem alten Gebiete der K. nicht vor. Die neu annektierten sind dagegen sehr reich an solchen. Namaqualand hat bedeutende Kupfer- und Silberlager, und Griqualand besitzt die seit einigen Jahren so berühmt gewordenen Diamantfundstätten. Eine Fabrikindustrie besitzt die K. wie gesagt nicht. Alles Derartige kommt aus dem Mutterlande. Die Erzeugnisse des Ackerbaues, besonders des Weinbaus, sowie diejenigen derhiermitinZusammenhangstehenden Industrieen, kommen allein zur Ausfuhr. Das grosse Handelszentrum der ‚westlichen Gegenden des Kaplandes ist die Kapstadt. Hier befinden sich die Magazine der grossen Handelshäuser, aus denen die kleinern Häfen dieses Teils der K. und die Städte im Innern versorgt werden, wo sich wieder Agenten befinden, welche den Verschleiss an die Krämer und Bauern vermitteln. Bei diesen letzteren tauschen die Landleute und Bauern ihre Erzeugnisse und Waren: Wolle, Hörner, Getreide, Wein, Alkahol, Alo&, Elfenbein, Straussenfedern ete. gegen alle ausländischen Artikel um, deren sie bedürfen. Das Bahnnetz der K. ist noch wenig ausgedehnt. Die Linie Kapstadt-Wellinston mit Zweigbahn nach Malmesbury geht jetzt bis Worcester, von wosie bis Beaufortin der Grossen Karroo am Fusseder Nieuweveld-Berge weitergeführt werden soll. Ferner sind Port Elizabeth und East London (der Hafen von Britisch-Kafraria) an der Mündung des Buffalo-Flusses, mit Bahn verbunden. Die Kapkolonie war vor 1874 administrativ in zwei Provinzen eingeteilt: die Westliche mit der Hauptstadt Kapstadt, und die Östliche mit der Hauptstadt Grahamstown. Diese beiden Hauptstädte sind 950 km voneinander entfernt. Seit 1874 ist diese Einteilung abgeändert und die K. in 1 Provinzen gegliedert worden. Jede Provinz zerfällt in eine grosse Anzahl von Wahlkreisen, die sich wieder in verschiedene Gerichts- und fiskalische Bezirke gliedern. Die Einteilung der K. war nach der offiziellen Aufstellung von 1875 die folgende: 1. Kapstadt (Cape Town) 32: BBARRH 2. Cape Division. . 22859 3. Stellenbosch und Somerset 4. Paar] und Wellington. Eh 16. Riversdale ; 0.0.2222 10755 30. Bathurst. . SEEN 0808 31. Port Elizabeth sa nee allärdh 45. East London . . 1215466 46. King William’s Town. . . 168041 Idutwya. Reserve . . . ..18000 Nomansland . 222262000 Gross- Namaqualand‘ . (unbekannt) Gesamtbevölkerung der K.: 1056580 Dieselbe verteilt sich nach den Nationen in der folgenden Weise: Europäer und Weisse . . . . 236780 Die Abkömmlinge der ersten holländischen Kolonisten, die „Boers* (soviel wie Bauern) bilden noch gegenwärtigdenHauptbestandteilder weissen Bevölkerung. Die Engländer, welche an Zahl schwächer sind, bewohnen hauptsächlich die Städte. In einigen Distrikten findet man noch Abkömmlinge der durch den Widerruf des Edikts von Nantes aus ihrem Vaterlande verjagten Hugenotten. Die Hottentotten, welehe das Land bis zur Ankunft der Europäer besassen, sind jetzt die dienende Rasse; sie arbeiten bei den Kolonisten im Hause, auf den Feldern, und vorzugsweise als Viehhirten. Manche von ibnen haben sich auf den von der Regierung abgetretenen Ländereien angesiedelt. Die Kaffern wohnen im östlichen, Kafraria benachbarten Teile der Provinz. ' Englische Sitten, englischer Geist, englische Gewohnheiten überwiegen natürlich in den Städten und in den Hauptbevölkerungszentren. Man begegnet hier fast allen Sekten der reformierten Religion; aber der katholische Kultus, obgleich er in einer starken Minderheit sich befindet, wird frei ausgeübt. Der römische (hier „römisch-holländische* genannte) Kodex ist das Gese!z der Kolonie geblieben bis auf gewisse, durch Kolonialgesetze und Handelsinteressen herbeigeführte Abänderungen. Nächst Kapstadt, der‘ Hauptstadt der Kolonie, sind Grahamstown, die Hauptstadt der alten Ostprovinz, und Port Elizabeth, grösster Hafen derselben Provinz, die beiden wichtigsten. Kapstadt zählte 1865: 28500, Grahamstown 6000, Port Elizabeth 8700 Einwohner. Das sind die einzigen wirklich bedeutenden Hauptorte; die übrigen sind zumeist armselige Marktflecken.. Hält man an der alten Einteilung der K. fest, so ergeben sich, abgesehen von den Eingeborenen, für die westliche Provinz 277075, für die östliche 443 729 Einwohner. Die Osthälfte nimmt überhaupt Anlauf zu einer ganz bedeutenden Entwickelung. Ihre Ausfuhr überwiegt diejenige der westlichen Provinz um mehr als 31 Millionen Franken im Jahr. Das rapide Wachstum dieses Teiles erklärt sich aus den folgenden Umständen: Die westliche Provinz führt nur dasjenige ein und aus, was mit ihrer eigenen Produktion und ihrem eignen Konsum in Beziehung steht; ihre Nordgrenze wird nur von wüstem Land umschlossen, wo arımselise Völkerschaften mit knapper Not den dürftigsten Lebensunterhalt finden. Die östliche Provinz dagegen arbeitet nicht allein für ihre eigenen Bedürfnisse, sondern vorzugsweise auch für die reichen Nachbarländer im Osten, Nordosten und Norden, wie Kafraria, Basutoland, Oranjefreistaat und Transvaal, Ost- und West-Griqualand, alles Gegenden, welche auf die K. (Grahamstown und Port Elizabeth) angewiesen sind, um ihre Ein- und Ausfuhr zu bewerkstelligen. Nicht ohne Bedeutung für das Wachstum der östlichen Provinz ist auch der Umstand, dass die Bevölkerung der östlichen seit jüngerer Zeit erst kolonisierten Provinz mehr aus englischen Elementen besteht, während in der westlichen Provinz das holländische Element überwiegt. Die Zunahme der Bevölkerung der K., seitdem sie in englischen Besitz übergegangen ist, wird durch die folsende Zusammenstellung anschaulich: Die K. besitzt eine repräsentative Verfassung und wird durch einen Gouverneur (mit dem Titel „Lord-Kommissär*) verwaltet, welchem zwei Kammern und ein gesetzgebender Rat zur Seite stehen. Die Mitglieder der ersten Kammer führen den Titel „Honourable“. Die zweite Kammer heisst offiziell „Assembly of the Colony of the Cape“. Im Jahre 1486 erreichte Bartolommeu Dias, nachdem die portugiesischen Forscher bereits 71 Jahre lang die Westküste Afrikas befahren hatten, endlich das hohe Vorgebirge, welches im Süden die äusserste Spitze des Erdteils markiert. Die heftigen Stürme, gegen welche er hier zu kämpfen hatte, bestimmten ihn, dem Kap den Namen „cabo de los Tormentos* (Kap der Stürme) zu geben. Aber der König Johann II. von Portugal, welcher in dieser Entdeckung den Markstein einer gewaltigen Zu kunft für den Handel und die politische Macht seines Reiches erblickte, gab ihm den Namen „cabo de Boa Esperanza“ („Vorgebirge der guten Hoffnung“). Elf Jahre später, 1497, umschiffte Vasco de Gama das Kap und eröffnete hierdurch die direkte Handelsstrasse nach Indien. Lange Jahre hindurch war das Kap für die Portugiesen, wie für die anderen seefahrenden Nationen Europas Zwischenstation auf ihren Fahrten nach den Ländern des Ostens. Aber keiner derselben fiel es ein, eine Kolonie hier zu gründen. Die Portugiesen haben jedoch schon frühzeitig, wie aus der 1588 veröffentlichten „Geografia* Livio Sanuti's hervorgeht, schon frühzeitig eine sorgfältige Aufnahme der Küste bewerkstellist. Die ersten Berichte, welche über die Hottentotten, die eingeborenen Völker dieser südlichen Länder Afrikas, nach Europa drangen, stammen von den Niederländern (1609). Im Jahre 1620 nahmen zwar zwei Schiffe der Englisch-Ostindischen Handelsgesellschaft Besitz vom Kap im Namen (rossbritanniens; diese Besitznahme war aber nur eine nominelle, denn die englische Regierung unterliess es, ihr einen amtlichen Charakter zu geben. Den Niederländern gebührt die Ehre, die erste wirkliche Niederlassung (1652) am Kap gegründet zu haben. Vier Jahre vorher hatte eines ihrer Schiffe an der Küste Schiffbruch gelitten; einige Leute von der Bemannung desselben hatten sich ans Land gerettet und die Zeit, welche sie bis zum Anlaufen eines andern Schiffes warten mussten, benutzt, um das Land in der Nähe des Kaps zu erforschen. Infolge des Berichtes, welchen diese Matrosen gaben, erkannte die Niederländisch-Ostindische Kompagnie endlich die Vorteile, welche sie aus einer festen Ansiedelung an der prächtigen, im Westen durch die lange Halbinsel, deren Spitze das Kap bildet, geschützten Bai gewinnen musste, und sandte im Jahre 1651 eine erste Kolonistenschar von achtzehn Köpfen an das Kap. Die Gründung von Kapstadt geschah auf der nämlichen Stelle, welche die Stadt noch heute einnimmt, am Fusse des Tafelberges. Die Niederländer blieben bis zum Jahre 1793 im ungestörten Besitze des Kaplandes, dessen Grenzen sie allmählich erweitert hatten. Um diese Zeit bekamen die Boers oder Kolonisten Unabhäugigkeitsgelüste. Ein Aufstand brach aus, der Gouverneur wurde vertrieben, die Freiheitsfahne wurde aufgepflanzt. Es war ein direkter, wenn auch ferner Widerhall der in Europa sich vollziehenden Ereignisse. England hatte seit langer Zeit schon den Wert erkannt, welchen eine derartige Kolonie in seinem Besitze darstellen, bez. erlangen würde. Es säumte nicht, die Gelegenheit, welche sich jetzt bot, beim Schopfe zu fassen. Im Namen des damals (seit der Besetzung der Niederlande durch die Franzosen) nach London geflüchteten „Stathouder“, und kraft eines mit dem entthronten Fürsten abgeschlossenen Vertrages, entsandte England ein Geschwader nach dem Kap, welches sich der Stadt bemächtigte und Besitz von dem Lande nahm (1795). Im Frieden von Amiens (1802) musste Grossbritannien dieK. an Holland (damals „Batavische Republik“) zurückgeben, nahm sie aber durch den Bruch dieses Friedens wieder in Besitz und hat denselben seit dieser Zeit behauptet, nachdem er ihm durch den europäischen Vertragsschluss des Wiener Kongresses garantiert wurde. Seitdem spitzt sich die innere Geschichte des Landes, abgesehen von den administrativen Massnahmen, welche die Kolonie total umgewandelt und ihre kommerzielle und politische Bedeutung ungeheuer gesteigerthaben, zu einem langwierigen Streite gegen die Antipathie der niederländischen Kolonisten oder Boers und zu einer Reihe von Feindselickeiten gegen die an der Ostgrenze sesshaften Katfern zu. Ein beträchtlicher Teil der alten Kolonisten hat das Gebiet der K, verlassen, um weiter oben im Norden zwei republikanische Staatswesen, den Oranjefluss-Freistaat und die Transvaal-Republik zu gründen. Die Kaffern-Kriege haben ihren Abschluss durch die Annexion von ganz Kafraria (s. d.) erhalten. Durch die Einbeziehung von Griqualand, Basutoland und ungeheurer Küstengebiete am Atlantischen Ozean, nördlich von der Mündung des Öranjeflusses, ist die Ausdehnung des kolonialen Territoriums verdoppelt worden. Seit der Errichtung der niederländischen Kolonie (1652) hatte sich die Kenntnis von Land und Leuten der K. langsam erweitert, obgleich die engherzige Politik der Holländer diese selbst nicht viel in dieser Richtung thun liess. ‘Von den im 17. Jahrh. im Gebiete der K. unternommenen Reisen sind die von Lancaster(1601), vonSchutten(1663 — 72), Dapper (1686), Tachard (1685), Lejardiere (1687) zu nennen. Was uns zu Ende des 17. Jahrh, hiervon bekannt war, hat Dapper in seiner Beschreibung Afrikas (1685), besser noch Valentyn (1726) in seinem grossen Werke: „Oud en Nieuw Oost-Indien“ zusammengefasst. Besonders der Missionär Pater Tachard (der die östliche Länge des Kap noch auf 18° S’angab) trug, gleichwie auch der Kommandant Van derStel, welcher einen fünfmonatlichen Ausflug nach „Namaqualand“ (nördlich von Kapstadt) machte, und die Existenz von Kupferminen nachwies, wesentlich zur Erweiterung unserer Kenntnis der K. bei. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde besonders die Kenntnis der Hottentottenvölker und die naturwissenschaftliche Kenntnis des Landes gefördert; von den Reisenden dieser Zeit sind zu nennen: Peter Kolbe („Caput bonae spei hodianum“) 1701-—-1705, Kupt (1703), Jaar und Vogel (1702—16), die Missionäre G. Schmidt und Thunberg (1737), la Caille (1751—52), Francken 1759 (Delagoa-Bai), Heinr. Hooz und Friedr. Bank (1761—67), Bernardin deSaint-Pierre (1771), Andreas. Sparrmann und K. Pet. Thunberg (1772—76), Stavorinus (1774), Will. Paterson 1777 £. (der den von Gordon entdeckten Oranje-Fluss genauer untersuchte und die Hottentotten und Kaffern mehrfach besuchte), Frangois Le Vaillant (1780 f£.), Cornel de Long (1790 — 91), John Barrow (1797—98). Der erste, welcher tiefer nach deın Innern der K. drang, war der portugiesische Händler Manuel Pereira (1786), ihm folgte 1797 98 Franz Jose de Lacerda (beide von den portugiesischen Besitzungen am Sambesi ausgehend); von Missionen, welche Glaubensboten nach dem Gebiete der K. entsendeten, war die herinhutische Mission (1734) eine der ersten. Die Zeit der eigentlichen Entdeckung im Gebiete der K. beginnt mit der Besitznahme derselben durch die Engländer. Schon 1801 gingen die Engländer Trutter und Somerville durch das Gebiet der Betschuanen (als die ersten, welche die grosse Karroo im Norden durchzogen) bis nach Litaku. John Barrow (1801—4) drang zu den Kaffern und Lichtenstein (18083—6) zu den Betschuanen vor. Seit 1807 drangen die Missionäre der mährischen Brüder, sowie der Wesleyaner tief in das Innere vor und liessen sich unter den freien Völkern nieder. Burchell torschte 1810—12, Campbell 1812 und 1820 im eigentlichen Kaplande; der letztere drang bis Natal und am ÖOranjefluss bis zu dem Namaqua vor und gründete Missionen unter den Betschuanen. Auf diese folgten: La Trobe (1815), Philip (1820), G. Thompson (1821—24), Ecklon (1824), Helbeck (1827), der nach Tambukieland vordrang, Cowie und Green (1828), die bis zur Delagoa-Bai gelangten; -Moflat (seit 1817), der nördlich von der Kapstadt unter den Namaqua, später in Kuruman im Matabele-Lande wirkte; Hamilton, Kay, die Franzosen Arbousset und Daumas (1834 fi.), die Engländie durch die Kalahariwüste bis zum Limpopo, und Alexander, der1836 — 37 in Namaqualand forschte. Mit der Zeit der Auswanderung der Boers (seit 1835) rücken die bis. dahin schwer zugänglichen Länder des Südostens in das Bereich unserer Kenntnis. Die Jäger Harris (1836 ft.), Wahlberg (1839 f.). Cumming (1845ff), drangen tief in das Innere vor. Mit Livingstone’s Niederlassung in Südafrika (1841) kam die Entdeckung dieser Länder in vollen Fluss; ihm vor allen anderen sind die wichtigtigsten Forschungen zu verdanken, 1850 ff. drangen Francis Galton und Ch. J. Andersson vem Damaraland aus ins Innere; der letztere durchforschte auchNamaqualand. 1851 durchzog Gassiot Natal und Transvaal, Shelley mit Orpen 1852 die Kalahari, J. Campbell (1852), Walwitch (1853), Chapman (1853—55), Bleck (1855—56), Santa Rita Montanha (1855 —56), Sanderson, Robertson, Merenski, Hardeland u. a. trugen mehr oder weniger zur Erforschung des Gebietes der K, bei; von den neueren Forschungsreisenden (seit 1860) sind als hervorragend zu nennen: Fritsch (1864—66) im Öranjefreistaat und Betschuanenland; Baines (Transvaal und Kalahari); Karl Mauch (1864 ff.), Eduard Mohr (1869), A. Hübner und Vincent Erskine (1868 f£.), Elton (1868 —71) im Limpopo-Gebiet; Thomas (1867) und Wood (1868) im Sambesi-Gebiete; Griesbach (1871), E. v. Weber (1871— 75), Holul (seit 1873), Oates und Dawnay (1874), Gillmore (1876), Rutenberg (1877) u. a — Aus der zahlreichen Litteratur über Südafrika sindvon deutschen Büchern :E.v.Weber, „Vier Jahre in Afrika“ (1878, 2 Bde.), Fritsch, „Drei Jahre in Südafrika“ (1868) und „Die Eingeborenen Südafvikas* (1872) die hervorragendsten, von fremdsprachlichen: Silva, „Handbook for South Afrika“ “London 1875), Andersson, „Lake Ngami, or discoveries in South Africa* (1856, 2 Bde.), Wilmot, „An historical and descriptive account of the Colony of the Cape“ (1863) zu nennen. Man vergl. auch den Artikel „Boers“.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 2, S. 662Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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