FeedBrigida
ReligionFrauenzimmer-Lexicon 1715

Brigida, Eine gelehrte Irrländerin, wiewohl sie auch einige vor eine Schottländerin halten, lebte ums Jahr 512. und war eine sehr schöne und berühmte, doch unächte Jungfer, angesehen sie von einem gewissen Manne, Nahmens Dupraco mit seiner erkaufften Magd Brotschet erzeuget. Nachdem aber ihr Vater von seinem rechten und ehelichen Weibe deßwegen viel Verdruß hatte, muste er sie mit samt der Magd aus den Hause schaffen, worauf er sie an einen Schwartz-Künstler verkauffte, der sie auch in der Zauberey unterwiesen. Sie hat sich nach diesem bey dem Bischoffe zu Sodore, Mexilla genannt, in Münchs-Kleidern auffgehalten, auch daselbst viele Wunder-Wercke durch ihre Zauberey gethan. Sie hat gelebet im VI. Seculo und ist gestorben ums Jahr Christi 518. oder wie einige wollen, 522. Gerhardus Cambrensis schreibet von ihr, daß auff ihr Gebet ein Engel (was es vor einer gewesen, weiß man nicht) ihr ein Buch dictiret, so ein Schreiber nachgeschrieben, welches so verwirret ist, daß es niemand lesen und verstehen können. Sonsten werden ihr noch 12. Bücher voller Offenbahrungen, so sie aus Prophetischen Geiste, jedoch sehr dunckel geschrieben, zugeeignet, welche zu Dillingen A. 1569. in Deutscher Sprachen heraus gekommen. Vid. Andr. Hondorff. Promtuar. Exemplar. p. 95. Part. III. it. Santel. T. 1. Anni Sacri p. 55. seq. Voetius Vol. 2. Dissert. Sel. n. 1063. hält sie vor eine Lügen-Prophetin.

Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 261–262Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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