FeedMillet
GeschichteFrauenzimmer-Lexicon 1715

Millet, Maria. Ein sehr schönes aber dabey keusches Niederländisches Bauers-Mägdlein aus dem Dorffe Becourt. In solche hatte sich ein Frantzöischer Hauptmann Le Pont genannt, so verliebet, daß er sie auf allerhand Art in sein Netz zu locken suchte, weil er aber bey diesem keuschen Bauer-Mägdlein allezeit Gegenwehr fande, suchte er mit Gewalt seinen Viehischen Begierden eine Gnüge zu thun, jagte daher den Vater aus dem Hause und nothzüchtigte nicht nur dieses unschuldige Mägdlein, sondern gab selbiges hernach nach verübter Unzucht seinen Soldaten zu einem schändlichen Raube. Weil aber dieses unschuldig gekränckte Kind stets mit Rache umgieng, nahm sie einstens die Gelegenheit in acht, als ein Laqvey diesen ihren Ehren-Schänder, dem Hauptmann Le Pont, etwas heimliches in das Ohr sagte, griff nach einem Messer, welches nicht weit von ihr lag, und stieß selbiges dem Hauptmann so behertzt in sein verhurtes Hertze, daß er augenblicklich todt zur Erden sanck. Ob sie nun gleich hierauff die Flucht nahm, so wurde sie doch von des entleibten Hauptmanns Soldaten wieder erhaschet welche sie an einen Baum banden, und so lange mit Büchsen nach ihr schossen, biß sie endlich Stückweise darvon herunter fiel. Meteran. Niederländ. Histor. L. 8. fol. 309. Thuan. Hist. Lib. 66.

Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 1269–1270Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6