FeedHauend Schwein
Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Hauend Schwein, Wird ein wilder Hauer, oder vollkommenes grosses Schwein, männliches Geschlechts, welches vier Jahr alt und drüber ist, genennet. Jhr Gewehr ist drey Finger breit lang heraus stehend, sehr scharff und spitzig. Sie sind sehr kühne, absonderlich im Jagen und Hetzen, wenn sie erhitzt worden: Was sie nur sehen, darauf gehen sie los, und schonen nichts, es seyn Menschen, Pferde und Hunde. Sie haben grosse Stärcke; werden sie ja mit grosser Mühe endlich zur Flucht gebracht, und sehen einen Prudel, Dickigt oder Morast, setzen sie sich hinein, fahren heraus, und schlagen alles, was sie antreffen, lahm und zu schanden, oder gar todt. Die hauenden Schweine, so einander gewachsen sind, kämpfen gleich den Hirschen, in ihrer Brunst-Zeit, doch auf eine andere Art; denn sie fahren zusammen, lehnen sich mit dem Rücken hart an, schlagen einander auf die Vorder-Blätter mit dem Gewehr, hauen sich viele Ritzen und tieffe Schläge ein, daß öffters manche im Kämpffen und solchem Streit lahm, beschädiget oder wol gar todt geschlagen werden; so es aber noch wohl abgehet, schwellen sie auf ihren Schultern, und wenn wiederum neue Schläge dazu kommen, reiben sie sich an das Hartz und heilen sich mit der Zeit wieder aus, davon sie eine dicke Haut kriegen, welche als ein Pantzer feste erwächset. So sie aber in währendem Kampff eines Wolffes gewahr werden, vereinigen sie sich beyde, und verfolgen denselben, als ihren gemeinen Feind mit grossem Eifer. Jm sechsten und folgenden Jahre werden sie grosse Haupt-Schweine genannt.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1028–1029Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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