FeedMinerva, oder, Pallas
Sagen & MythenFrauenzimmer-Lexicon 1715

Minerva, oder, Pallas, Die Göttin der Weißheit und aller freyen Künste. Ist der Poeten Meynung nach aus des Jupiters Gehirne sonder Mutter gebohren worden. Soll stets eine Jungfer geblieben seyn, daher sie auch dem Frauenzimmer als eine Künstlerin im mahlen, spinnen, nehen und weben vorgesetzet worden. Soll zuerst das Spinnen und Weben erfunden haben, und um die Wette mit der Arachne einer Lydischen Jungfer, so diese Kunst gleichfalls verstunde, gearbeitet, selbige aber übertroffen, daher sich die überwundene Arachne selbst erhencket, welche sie aber in eine Spinnewebe verwandelt. Dem Vulcanus, so fleißig um sie geworben, hat sie es beständig abgeschlagen. Zu Athen und Sparta sind ihr Ehren-Tempel auffgerichtet worden. Sie wird in Gestalt eines Weibes-Bildes abgemahlet, mit einem Brust-Pantzer versehen, auf dem Haupt führt sie einen Helm, worinnen insgemein eine Eule zu schen, welcher Vogel ihr gewidmet war, in der einen Hand führet sie die Lantze, in der andern ein grosses Schild, worinnen der Medusa Schlangen-Haupt zu sehen. Man findet bey denen Autoribus fünfferley Minervas. Die erste ist des Apollinis Mutter, die andere ist aus dem Fluß Nilus kommen, die dritte aus des Jupiters Gehirne entsprossen, die vierte ist von dem Jupiter und der Coryphe, des Oceanus Tochter, hergestammet, und die fünffte der Pallantis, von der man erzehlen will, daß sie ihren eigenen Vater, der sie nothzüchtigen wollen, ermordet habe. Vid. Alexand. ab Alexandr. l. 3. Genial. Dier. c. 12. & l. 5. c. 4. Der weise Cicero soll der Minervæ Bildnüß in seinem Hause so hoch æstimiret haben, daß er selbiges, als er in das Exilium zu gehen gezwungen ward, zuvorhero auf das Capitolium trug, und als was Heiliges daselbst einweyhete. Dio Cassius l. 38. Histor.

Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 1270–1271Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Sagen & Mythen 6