Morgen-Gabe, Ist ein ansehnliches Præsent, welches ein neuer Ehemann von Adel seiner Braut den andern Hochzeit-Tag früh Morgens nach dem ersten Beyschlaff und beschlagener Decke statt eines Lohnes und einiger Ergötzlichkeit vor die verlohrne Jungferschafft zu verehren pflegt. Dergleichen Morgen-Gabe war schon denen alten Völckern bekannt, im alten Testament lehret uns davon Sichem. Genes. XXXIV, 12. Moses Exod. XXII. v. 16. 17. Die Longobarden nennten sie Morgencap, wiewohl selbige von der heutigen in etwas unterschieden war, die Griechen aber ein Crantz-Geld. Scaliger l. 1. c. 10. Poet. Von dieser Morgen-Gabe ist wohl zu unterscheiden der Sachsen besondere Morgen-Gabe, so eine Adeliche Wittbe nach ihres Ehe-Herrn Absterben überkömmt; Sachsen-Spiegel L. 1. art. 20. Hierzu gehöret alles Feldgänge weibliche Vieh mit den Kälbern, Ziegen, Schweinen, alle unbeseilte Stutten- und Mutter-Pferde, so auf die Weyde gehen, und noch nicht eingespannet worden; It. Zeune und Zimmer zum Gebäude, so noch nicht gerichtet und gedecket ist. Land-R. L. 1. n. 24. alle Füllen und jung Vieh, so vor dem 30sten Tage nach des Mannes Tode gefallen, weiblicher und männlicher Art; Und dieses alles gilt, es mag die Wittbe aus Adelichen oder Bürgerlichen Herkommen seyn, wenn nur der Ehemann Adelichen Geschlechtes ist. Coler. Decis. 60.