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GeschichteFrauenzimmer-Lexicon 1715

Phillis, Des Thracier Königs, Lycurgi, Tochter, so des Theseus seinem Sohn, als er aus dem Trojanischen Krieg zurücke kahm, beherbergte und auffnahm, doch mit dieser Bedingung, daß er selbige, wenn er seine Sachen zu Hause würde eingerichtet haben, heyrathete, welches er ihr auch würcklich versprochen; und zu solchen seinen Verrichtungen eine gewisse Zeit bestimmet und ausgesetzet. Weil aber dieser nach Hause reisende Demophoon wegen ein und anderer Verwirrung und Verhinderung über die bestimmte Zeit auffgehalten ward, und dadurch seine mit Schmertzen auf ihn wartende Phyllis auf die Gedancken gebracht, ob hätte er selbige gar vergessen nnd hintan gesetzet, erhung sie sich aus Verzweiffelung und Schmertz an einem Strick, und ward nach solchen Tod in einen dürren Mandel-Baum, sonder Blätter, verwandelt. Nachdem aber ihr zurückgekommener Liebhaber solches erfahren, ist er so gleich nach solchen Mandel-Baum zugegangen, und indem er selbigen vor Schmertz und Liebe umarmet, hat er zugleich wahrgenommen, daß aus solchen dürren Baum über und über grüne Blätter herausgeschlagen, zum Zeichen, wie seine verwandelte und todte Phyllis sich über seine Ankunfft annoch erfreue.

Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 1488–1489Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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