Piscopia, Cornelia, oder Helena Lucretia Cornara. Eine adeliche Venetianerin, Johannis Baptistæ Cornelii, eines Venetianischen Procuratoris ausbündig gelehrte Tochter. Dieses gelehrte Wunder ward A. 1646. den 5. Junii gebohren. Sie war ein rechter Inbegriff aller Gelehrsamkeit, indem sie nicht nur die Arabische, Hebräische, Griechische, Lateinische, Spanische und Frantzöische Sprache aus dem Fundament verstunde, sondern auch in der Theologia, Mathesi, Physica und andern Philosophischen Wissenschafften dermassen bewandert war, daß sie mit der grösten Verwunderung in die berühmtesten Societates Literarias, als, zu Rom, Siena, Padua und Venedig als ein Mit-Glied auffgenoznmen ward. Der gelehrte Rinaldinus schrieb eine besondere Disputation von ihr, worinnen er sie vor tüchtig erklärete, den Gradum Doctoris Theologiæ öffentlich anzunehmen, allein weil der wunderliche und eigensinnige Cardinal Barbarigo und Bischoff zu Padua solches verhinderte, wurde diese Würde nur in den Magister-Titul verwandelt, den sie auch zu Padua A. 1678. den 25. Jun. in Gegenwart vieler Gelehrten, Venetianischen Nobeln und mehr als hundert Adelichen Dames, so deßwegen nach Padua gereiset, mit ungewöhnlicher Solennität erhielt, und geschahe solches in der Dom-Kirche daselbst, weil die sonst gewöhnlichen Auditoria im dasigen Collegio nicht zulänglich waren eine solche Menge Volcks zu beherbergen. Der Pater Franciscus Macedo rühmet sie in seinem Myrothecio Morali nach Würden und hat ihr auch seine Medullam Histor. Ecclesiast. dediciret; auch ein herrliches Elogium in seiner Pictura Urbis Venetæ gesetzet. Dergleichen Ruhm ihr auch Carolus Rivaldinus, der sie in Mathesi und Philosophia informiret, in seiner Analytica Mathematum, nach Verdienst beygeleget. Dieses gelehrte und wundernswürdige Weibes-Bild starb A. 1684. den 26. Jul. im 38. Jahre ihres Alters, und ward zu Padua im Closter St. Justinæ begraben. Ihre Orationem Parentalem hat Franciscus Carus den 28. Jul. darauff gehalten. In was vor grossen Ansehen dieses gelehrte Weibes-Bild gestanden, kan man leicht aus demjenigen Tractat abnehmen, der zu Padua 1688. heraus gekommen, und den Titul führt: Le Pompe funebre celebrate da Signori Academici Infecondi per la morte dell’ illustrissima Signora Elena. Ihre Schrifften sind in III. Tomis A. 1688. zu Parma in 8. heraus kommen. Die Philosophische Facultæt zu Padua hat ihr zu Ehren eine Schau-Müntze prägen lassen mit ihrem Brust-Bild und einem Emblemate, welches Juncker. in seiner Centur. Fœm. Illustr. p. 115. & 16. auffweiset. Ihr Leben hat Antonius Lupis A. 1689. zu Venedig in 4to Maximilianus Deza zu Venedig 1687. in 4to, und Benedictus Bacchini heraus gegeben, welcher letztre solches in der Præfation über der Piscopiæ Opera, so unter seiner Auffsicht ediret worden, der Welt darleget.