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HimmelskundeFrauenzimmer-Lexicon 1715

Venus, Soll denen alten Fabuln nach aus dem Meerschaum und des Himmels Männlichkeit, so ihm Saturnus abgeschnitten, in Cyptien gezeuget worden seyn. Sie ist als eine Göttin der Liebe, Anmuth, Schönheit, des Vergnügens und der Wollust von denen Alten verehret worden. Cicero rechnet viererley Veneres: Die erstere wäre von dem Himmel und dem Tage gezeuget worden; die andere aus dem Meerschaum; die dritte von dem Jupiter und der Jone oder Dione; und die vierdte von dem Marte. Sie wird sonsten genennet: Acidalie, Cyprie, Dione. Ihr Sohn, den sie gezeuget, ist Cupido, der kleine Liebes-Gott. Sie wird insgemein nackend auf einem erhabenen Wagen sitzend von sehr schöner Gestalt und Anmuth abgemahlet, ihr Wagen, auf dem sie sitzet, wird entweder von zwey Schwänen oder Tauben (welche Thiere ihr gewiedmet waren) gezogen, ihre Bedienten sind die kleinen Cupidines oder Amouretten, it. die Gratien, und Zephyr-Winde. In der Hand führet sie einen Pfeil, wormit sie die Hertzen der Liebenden verwunden soll, auf dem Kopffe aber einen Rosen-Crantz weil die Rosen, worauf ihr Blut gespritzet, davon allererst die rothe Farbe bekommen. Ihre Neigung und Liebe hat sie unterschiedenen blicken lassen, als nehmlich dem Adonis, welcher von dem grossen Schwein ermordet ward. Mit dem Anchises hat sie den Æneam gezeuget, von dem Marte die Harmonien bekommen, dem Baccho hat sie den Priapum zur Welt gebracht, dem Neptuno den Rhodum, der Sonnen oder dem Phœbo den Electryonem. Mit ihrem rechten Mann, dem Vulcanus, aber hat sie kein einiges Kind erzeuget. Bey denen alten Deutschen und Gothen hiesse die Venus Freya, wovon auch das Wort freyen soll herstammen. Besold. in Thesaur. Pract. voc. freyen.

Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 2067–2068Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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