Sappho, Die Tochter Scamandronymi und der Cleidis, des Cercilæ Weib, eine vortreffliche Poetin, (so in der 46. Olympiade gelebet, oder wie einige wollen ums Jahr der Welt A. 3338.) aus der Insul Lesbus, und Erfinderin einer gewissen Art Verse, so nach ihrem Nahmen das Genus Sapphicum benennet worden. Diese Sappho hatte sich in einen jungen Menschen, Rahmens Phaon, verliebet, weil er ihr aber gar wenig Gegen-Liebe blicken ließ, stürtzte sie sich endlich aus Ungedult von dem Berge Leucade in das Meer herab. Ihre Carmina, so sie geschrieben, seynd zu unterschiedenen Mahlen gedruckt worden, als A. 1660. cum notis Tanaquill. Fabri. A. 1652. zu Paris. A. 1654. ibid. A. 1692. zu Amsterdam. Anno 1712. par M. Gacon. Die unterschiedenen Judicia, so von ihr gefället worden, hat Gyraldus und andre mehr. Siehe Mons. Longepierre Vie de Sappho au devant de la traduction en vers François des Pocsies de Sappho. Æneas Sylvius und einige andere Historici statuiren zweye dieses Nahmens, die Lateinischen Poeten aber gedencken nur einer dieses Nahmens. Sie soll ziemlich frey und unzüchtig gelebet haben, daher alle ihr Ruhm der sie unsterblich macht, bloß von ihrer Poesie herrühret. Man hat von ihr nichts mehr übrig als 2. Oden, ein Paar Epigrammata, und einige Fragmenta, ohngeachtet sie 9. Bücher Oden, und noch mehr Bücher Epigrammata, deßgleichen viel Elegien, Epithalamia und andere Poetischen Gedancken hinterlassen. Ausser diesem soll sie auch ein absonderliches Instrument nebst einer ausserordentlichen Art der Harmonie erdacht haben, so aber nunmehr unbekannt. Von sonderbarer Schönheit soll sie nicht gewesen seyn, ausser daß sie ein Paar schöne und feurige Augen gehabt. Budæus.