FeedB molle, mollare, orbiculare, rotundum
AllerleiRitter-Exercitien-Lexicon 1742

B molle, mollare, orbiculare, rotundum, Jst entweder ein absonderlicher, von dem alten diatonischen B (welches man itzo insgemein H heisset) herstammender Clavis, und kan entweder schlechtweg B oder mit dem Zusatz das weiche B genennet werden. Oder es ist ein chromatisches Zeichen, welches bey vielen andern Clavibus stehet, und zu deren Erniedrigung dienet; man könte es das weichmachende B nennen. Denn wenn es einer Note zur lincken Hand und zwar in einerley Linie und Spatio stehet, so wird derselben Note Klang um ein Semitonium minus erniedriget. Dieser Clavis hat seinen Ursprung aus dem Tetrachordo Synemmenon derer alten Griechen, und ist ohnstreitig deswegen erfunden und mit in die scalam musicam gesetzt worden, damit man, aufwerts von demselben zu rechnen, mit dem f eine reine Qvint, und unterwerts eine reine Qvart bekommen möchte. Dieses neueingeschalteten Clavis Octav, nemlich das kleine b, hat nachgehends zu Einführung des weichen e, oder vielmehr es, und dieses zum as und so weiter zu allen durchs B Zeichen gemachten Clavibus chromaticis Anlaß, auch zu deren Ausdrückung sein Zeichen hergegeben. Jm General-Basse bedeutet das b, wenn es vor oder nach einer Ziffer stehet, es solle ein solcher durch die Ziffer angezeigter Clavis um ein Semitonium minus niedriger gegriffen werden: Ja in geschriebenen Sachen wird die Zahl 3 gar ausgelassen, und das b, allein gesetzt, zur Signatur der kleinen Terz gebraucht. Wo das gedoppelte b b stehet, wird der ordentliche Clavis B noch niedriger gemacht, so daß in Ermangelung des absonderlichen Clavis stat desselben auf dem Claviere das A gebraucht wird. Diesen Clavem könteman das weichgemachte B oder bes nennen, und dadurch denen, so den General-Baß lernen wollen, einen richtigen Begriff beybringen, was zu solchem die Secund, Terz, Qvart, Qvint etc. sey.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 93Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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