Genus enharmonicum, Die Haupt-übereinstimmige Sing- und Spiel-Art war ehemals, wenn ein Tetrachordum folgende Klänge hören ließ: die unterste Saite gegen die zweyte eine Diesin enharmonicam H-His (welches, nach unserm ietzigen Clavier betrachtet, der Mittel-Clavis zwischen H und c wäre) in der Proportion \frac {499}{512}; die zweyte gegen die dritte eine Diesin enharmonicam in den Clavibus His-c, in Proportion \frac {486}{499}; und die dritte gegen die vierte den diatonischen Ditonum in den Clavibus c-e, in der Proportion \frac {64}{18}. Boëthiuslib. 1 de Music. c. 21 beschreibt es also: das Diatonicum gehet z. E. auf einem Tetrachordo (da man heut zu Tage mit ut re mi fa sol la ein Hexachordon nimmt) durch ein Semitonium in zween gantzen Tonis fort, thut heut zu Tage,
— — — — — — la
— — sol
fa — —
mi
— — — — re — —
ut).
Das Chromaticum aus 2 Semitoniis in 3 Semitonia composita: (heut zu Tage
— — sol — —
fa
mi — — — —
re
— — ut — —). Das Enharmonicum aus 2 Diesibus oder halben Semitoniis auf einen Ditonum. Und da man heut zu Tage das Genus Diatonicum b dur und Chromaticum b moll, noch hat; so wird das dritte Genus, welches gebraucht wird, auch Genus permanens und servum, an stat Enharmonicum, genennet, welches den Clavem principem b, wovon die andern den Nahmen haben, nicht berühret, sondern im nechstfolgenden Clave c, ut, oder im nechstvorhergehenden la anfänget, als, ut re mi fa sol la, oder la sol fa mi re ut. Jst nun ein Lied aus diesen Generibus zusammen gesetzet, so heißt es, z. E. diatonico-chromaticum, diatonico-chromatico-enharmonicum &c.