FeedGenus modulandi
AllerleiRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Genus modulandi, Jst eine gewisse Art zu musiciren, welche entweder in allen, oder doch zum wenigsten in unterschiedlichen Speciebus Cantionis, kan gebraucht werden. Die alten Componisten zehlten dreyerley Genera modulandi, Diatonicum, Chromaticum und Enharmonicum, und zwar damals, als die Music nur in blosser Melodie, das ist, in unterschiedenen nach einander gesetzten und gehörten Klängen bestand, brauchte man solche 3 Geschlechter rein und pur. Als man aber anfieng, verschiedene Klänge auch über einander zu setzen und solche zugleich hören zu lassen, welches eigentlich Harmonie heisset; so ward man genöthiget, die ersten beyden Genera zu vermischen, und entweder das Genus chromatico-diatonicum, oder das Diatonico-chromaticum, einzuführen, da, nachdem die Temperatur darzu gekommen, die an sich selbst diatonischen Claves manchmal eben so viel als die enharmonische gelten und dafür betrachtet werden müssen. Sonst ist von den 3 Klang-Geschlechtern noch zu mercken, daß das diatonische nur 8, das chromatische 12, und das enharmonische 22, Klänge aufweisen.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 917–918Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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