Wolffs-Grube, Jst ein durch Menschen-Hände tieff in die Erde gegrabenes Loch, welches also zugerichtet ist, daß sich die Wölffe selbst darinne fangen müssen. Es wird in der Wildniß, wo Wölffe gespüret werden, eine Grube, wenigstens neun Ellen tieff, und sechs bis sieben Ellen weit ausgegraben, an den Seiten und am Boden mit fünf bis sechs Zoll starcken eichenen Pfosten ausgeschalet, solche Pfosten auch, daß die Wölffe mit den Klauen nicht hafften können, glatt behobelt. Auf diese Gruben werden entweder geflochtene Decken von Stroh oder weidene Ruthen gemacht, durch deren Mitten eine Stange gehet, daß sie mit einem gleichen Gegengewicht aufliegen, sonst aber allenthalben frey sind, dergestalt, daß ein Wolff oder Fuchs, wenn er nur mit einem Vorder-Lauff darauf kömmet, den Deckel überschnappen macht, welcher das Thier mit einer sonderbaren Behendigkeit in die Grube wirfft, sich aber sogleich wieder in sein voriges Lager und Gleichgewichte begiebt. Oder, man kan die Gruben nur mit Stell-Reisern, Tangel-Aesten, häselnen, subtilen Stänglein überlegen, und mit Stroh, Laub oder Streuling dem Erdboden ähnlich verwittern. Mitten auf den Deckel wird eine Ente in einer mit Heu oder Stroh gefüllten Backschüssel, (damit sie warm sitze,) fest aufgebunden; Oder, man stellet, wenn die Grube nur mit Reis bedecket wird, in der Mitte eine glatte geschälte Stange der Gruben hoch auf, stecket ein kleines Schubkarren-Rädlein darauf, und bindet ein lebendiges Schaf oder Lamm feste darauf an. Wenn nun der Wolff das Schreyen der Ente, oder des Lammes höret, und so nahe kommt, daß er eines von diesen beyden auf wenig Schritte vor sich merckt, so schleicht er auf dem Bauch so lange, bis er es in einem Sprung zu erwischen verhofft, und wenn er denn springt, so fällt er mit grosser Gewalt in die Grube, und die Ente und das Lamm bleibt unversehrt. Damit aber der Wolff nicht beyweg spatziere, so wird auf beyden Seiten ein Zaun von Wind-Brüchen verhauen, und mit Reis-Stangen verleget, daß daselbst nicht wohl durchzukommen, so bleibet der Wolff auf dem ordentlichen Gange. Es muß aber solcher Zaun von Natur recht wild, wüste und verfallen aussehen, sonst dürffte der Wolff die Nachstellung leichtlich mercken. Das Luder, so auf allen Wechseln an eine Wiede gebunden oder angehaacket wird, muß man nicht mit den Händen angreiffen oder an Stricke binden, weil solches die Wölffe riechen würden, ja man muß auch die Schuhsohlen mit Pferde-Mist umbinden, und bisweilen vom Luder etwas liegen lassen, so wird dieser Gast nicht vorbey kommen, sondern sich wol fangen. Soll nun der Wolff lebendig aus der Grube heraus gebracht werden, steiget man auf einer Leiter hinunter, hält ihm einen starcken Knebel, wie eine Krücke vor, daß er darein beisset, von oben her aber drücket man ihm den Kopff mit einer starcken eisernen Gabel, lässet den Wolffs-Kasten hinunter in die Grube, öffnet dessen Thüre, thut ihn mit dem Hinterleibe rückwerts hinein, und lässet die Gabel gehen, drücket, stat dessen, mit der Fall-Thüre so lange auf den Hals, bis der mit der Krücke ihn vollends hinein stösset, und die Fall-Thüre zumachet; Sodenn wird der Kasten aus der Grube gezogen, aufgeladen, und weggeführet. Theils geben ihm auch in der Grube eine Holtz-Kette ins Maul, und schliessen sie im Genicke zu, welchenfalls sie ihn gar leichte führen können. Die Wolffs-Gruben sind heutiges Tages denen Vasallen scharff verboten, sonderlich denen, welche nahe an des Landes-Herrn Gehege und Wildbahne gelegen sind, und angrentzen, dieweil in solchen Gruben offt und vielmal trächtiges Wildpret, Hirsche, Sauen, Rehe und andere Thiere, auch das kleineste hinein zu fallen pfleget, ja wol gar öffters Menschen bey grossem Schnee und Windwehen darein verfallen und umkommen. Doch werden sie noch auf den Grentzen grosser Herren Länder, nachdem ihre Vergleiche wegen der Grentz-Zäune geschlossen sind, auch, wo nicht sonderlich viel hohes Wildpret zu finden ist, denen Vasallen connivendo verstattet.