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ErdkundeRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Breßlau, Die Haupt-Stadt in gantz Schlesier, an der Oder gelegen, so für eine der schönsten und festesten in Teutschland gehalten wird, hat im Umkreis 9000 Geometrische Schritte, und liegt in einer schönen grossen Ebene. Es ist allda eine schöne Regiments-Form, neben den Hauptmann sind 8 Bürgermeister, 11 Schöppen, 2 Syndici und viele Assessores. Allwo insonderheit zu sehen, die Bischöffliche Kirche, der Dom zu S. Johann in der Jnsel, mit schönen hohen Thürmen, samt der grossen Bibliothec und Schule. Von weltlicher Gebäuden ist allda die Königliche Burg, das hohe und weite Rathhaus, 2 grosse Zeug-Häuser, die Waage, das Kauff-Haus, die Wasser-Künste, die schöne Gärten inn- und ausser der Stadt, ingleichen 3 Schlösser. Nebst der Catholischen Universität hat sie 2 Lutherische wohlbestellte Gymnasia zu S. Elisabeth und S. Maria Magdalena; bey gedachter Universität, so 1702 gestifftet worden, sollen die Professores Theologiæ und Philosophiæ bloß von den Jesuiten, bey den andern beyden Facultäten aber nach Gelegenheit auch von gelehrten Protestanten genommen werden. Es ist auch daselbst eine öffentliche auf Art der alten Schau-Gebäude, mit Sitzen über einander für die Zuhörer ringsum versehene Fecht-Schule, für die sogenannten Klopf-Fechter, worinnen den Zuschauern zur Lust aus den 2 Gesellschafften, oder Gülten, der Federfechter und Marxbrüder, von 2 gegen einander um einen geringen Preis mit höltzernen kurtzen Tussacken, halben Picken, Schlacht-Schwerdtern, Hallebarden, Rappieren und Dolchen gefochten wird. Sonst führet diese Stadt in ihrem Wappen den Evangelisten Johannes, auf dem Helme, zwischen 2 Fahnen, in einer Crone von 4 Rosen; den Schild getheilet in 4 Qvartieren, in dem ersten den Böhmischen Löwen, in dem andern den Schlesischen Adler, in dem dritten den Buchstaben W, zu Ehren dem Könige Wratislao, im vierten das Brustbild des Evangelisten Johannis in einer ungewandten Crone, mitten in dem gevierten Schilde das Haupt Johannis des Täuffers.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 213–214Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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