Caille, Wachtel, Jst ein Erd-Vogel, welcher seinen Auffenthalt in fetten Korn-Feldern und mit langem Gras bewachsenen Wiesen hat, und fast wie ein Rebhun geartet ist. Am Kopff und Rücken hat sie fast gäntzlich die Farbe einer Lerche, ausser, daß sie am Hals herum etwas heller aussiehet. Die Männlein sind an der Kehle theils braun, theils schwartz, und gehet dergleichen Strich halb um den Hals hinum. An der Brust sind die Männlein gantz Weitzen-farb, davon aber die Weiblein wenig oder gar nichts haben; weiter unten am Bauch sind sie weiß-grau; der Schnabel ist bey etlichen Männlein im Sommer kohlschwartz, bey etlichen aber ist er nur dunckel-braun, und die Füsse sind weißlicht. Das Weiblein ist am Kopff und Rücken fast wie das Männlein, nur in etwas dunckler, am Schnabel ist es weißlicht, an der Brust aber dunckel-weiß oder schwartzdüpplicht. Die Gestalt der Wachtel, dem Gewächse nach, ist äusserlich anzusehen, wie alle Hüner-Arten, und an der Grösse einem Krammets-Vogel zu vergleichen: Denn ob derselbige wegen seiner hohen Beine gleich viel höher aussiehet, als die Wachtel, wenn sie neben einander stehen, so wird doch an der Dicke und Länge des Leibes, nach hinweggenommenen Federn, kein grosser Unterschied zu sehen seyn. Die Wachtel wird im Zimmer so zahm, daß sie, wenn man sie recht wartet, nemlich, wenn man ihr nicht nur Weitzen, sondern auch allerhand Saamen und Salat giebt, wie ein Haus-Hun herum läuffet, auch Eyer leget, und, welches wenig andere Vögel thun, fremde Junge aufziehet. Jhr Schlagen oder Ruffen, daß nur im Sommer bey dem Männlein anders, als bey dem Weiblein, im Winter aber überein lautet, kommet einigen verdrüßlich und unangenehm vor, andere aber hören es gerne, und haben ein sonderbares Vergnügen daran. Die Wachtel, wenn sie noch so zahm, ja, wenn sie ihr Lebtag nicht in dem Feld gewesen ist, nimmt doch von Stund an, da sie ins Gras kömmt, ihre natürliche Wildigkeit an. Kein Vogel brütet später im Jahr, als die Wachtel. Viele verrichten erst im September ihre dritte Brut. Sie legen zehen bis vierzehen Eyer, und dieses ist was besonders an ihnen, daß Männlein und Weiblein nicht beysammen bleiben, sondern, so bald das Weiblein Eyer legt, so bald sucht auch der Han ein ander Weiblein, und kommt nicht mehr zu dem vorigen. Sie sind überaus leicht aufzubehalten; iedoch, wenn sie recht frisch bleiben, und etliche Jahr nach einander schlagen sollen, brauchen sie gute Wartung. Die Junge, wenn sie nur acht Tage alt sind, bedörffen lang nicht so viel Mühe, als junge Rebhüner, die ohne Ameis-Eyer nicht aufzubringen sind, sondern sie nehmen mit gehackten Eyern und Hirsen vorlieb, wenn sie nur von ihrer Mutter, oder von einem andern Weiblein (denn fast ein iedes nimmt sich fremder Jungen an) geführet und bedecket werden: Aber den ersten Tag, da sie auskriechen, und bis etwan auf den vierzehenden oder funffzehenden Tag sollen sie billig frische Ameis-Eyer bekommen, wenn man die gantze Schaar aufbringen will. Es ist ein geiler Vogel, so gar, daß er aus blinder Begierde öffters eine vorkommende Kröte an stat des Huns tritt, und wenn er sich in einem Spiegel erblickt, aus gleichem Triebe zuläufft, und in denen ihme gelegten Schlingen sich verstricket. Sie kommen erst im May zu uns, und sind von solcher Zeit an, bis in den August am besten mit dem Ruff und Steck-Gärnlein, oder noch mit mehr Lust, vermittelst, vorstehender Hunde, in denen Wiesen mit dem Tiraß zu fangen. Die Nahrung der Wachteln bestehet in Weitzen, Hirsen, Salat und Kraut-Saamen, womit sie sich so fett mästen, daß sie zur Zeit ihres Striches oft vor Fettigkeit nicht zu fliegen vermögen; sie streichen aber im Herbst in aller Stille fort, und zwar mehrentheils im September, also, daß deren wenige den October erwarten. Wenn man sie in einem Käfig halten will, welches man mit den Hanen, um ihres Schlagens willen, gerne thut, muß derselbe oben offen, und nur mit einem Tuch bedeckt seyn, dieweil sie sich sonst die Köpffe zerstossen. Das Fleisch der Wachteln ist zwar von den Alten vor ungesund und schädlich gehalten worden, denen aber von den Heutigen widersprochen wird, absonderlich geben die junge eine sehr niedliche Speise. Der Wachtel-Fang mit dem Ruff wird auf vielerley Weise in Feldern und Wiesen vorgenommen; wenn er aber recht vollkommen seyn soll, muß er in einer Ebene folgender Gestalt angestellet werden: Der Jäger oder Wachtel-Fänger leget sich mit dem Wachtel-Ruff in das hohe Gras, oder halb-gewachsene Getraide auf die Erde: Ohngefehr zehen Schritt von ihm auf beyden Seiten hänget man an Stöcke oder Pfähle, etwan anderthalb Ellen hoch von der Erde, zwey Lock-Weiblein in Vogel-Häusern, die wie Hand-Körblein gestaltet sind; zween Schritte ausser denselben stehen auf vier Seiten Flug-Gärnlein an Stöcken oder Furckeln hangend, nur zween Schritt von dem im Grase liegenden Jäger stecken rings um ihm her Wachtel-Steck-Gärnlein, und er selbst ist mit einem Tiraß überzogen. Auf diese Weise können gar leicht in einer Stallung, deren sich doch in einem Abend wohl zwo machen lassen, funffzehen bis zwantzig Wachteln gefangen werden, welches den Sommer über ein grosses austrägt. Sonsten wird der Wachtel-Fang auch auf folgende Weise angestellet: Man setzet acht bis neun, auch wohl mehr Wachtel-Häne oder Männlein schon im Martio in kleine Körblein, in die man sonsten die Weiblein thut, wenn man die Männlein im Sommer damit fangen will, und lässet also diese zur Lock eingestellte Männlein ihre Körblein den Mertzen und April hindurch wohl gewohnen; hernach, wenn sie in dem May anfangen wollen zu schlagen, das Körblein aber so gewohnet sind, daß sie im Finstern ihr Freß- und Trinck-Geschirrlein finden können, berupfft man sie an Flügeln, und sonsten hin und wieder, und setzt sie in einen kühlen Keller, darinnen man sie bis Bartholomäi stehen lässet. Jnzwischen etwan vierzehen Tage vorher säet man an einem zum Wachtel-Strich beqvemen Ort, ein paar in der Länge hin liegender Acker oder Tagwerck, mit Haber oder anderem Getraide; solchen Fleck Getraide umstellet man auf einer schmalen Seite, und zu beyden langen Seiten die Helffte, oder doch den dritten Theil, der Länge herunter, mit einem auf die Wachteln gerichteten Hoch-Garn, welches aber sonst wie ein Hoch-Garn, das man auf die Rebhüner brauchet, gestaltet seyn soll. Doch ist nicht nöthig, daß das Garn so hoch stehe, als die Hoch-Netze, welche auf Hüner und Schnepffen gerichtet werden, und braucht es vor die Wachtel kaum halb so viel Garn, als vor diese, ausser daß, weil die Maschen viel enger seyn müssen, bey dem Stricken dennoch viel Zwirn aufgehet. Die in dem finstern Keller stehende Wachteln nun setzt man um Bartholomäi wieder ans Licht, doch nicht an die Sonne, und hänget sie, wenn der Wachtel-Strich anfänget, vierzehen Tage nach Bartholomäi, oder, daferne es bald reiffet, auch wohl ehe, an hohen Stangen zu beyden Seiten des angesäeten Feldes herum, da sie denn so balden anfangen, die gantze Nacht hindurch begierig zu schlagen, mit welchem ihrem Schlagen sie sonderlich des Morgens vor anbrechendem Tage verursachen, daß die Strich-Wachteln in das nunmehr heran wachsende Getraide häufig einfallen, und man fast alle Tage, wenn man nach der Sonnen Aufgang hinaus gehet, in mehr bemeldetem Acker über hundert Wachteln antrifft. Diese zu fangen, gehen ihrer etliche unten, wo kein Garn stehet, mit Spiß-Ruthen hinein, und treiben die Wachteln alle gegen dem obenstehenden Garn zu, so, daß der Fang kaum eine Viertel-Stunde währet, aber doch manchen Tag, so erträglich, als lustig ist. Es machen sich zwar einige Weid-Leute Bedencken, die Wachtel-Hanen im Frühling wegzufangen, in Meinung, sie thun dadurch Schaden an der Brut, aber sie haben dergleichen nicht zu besorgen: Denn die Hanen, welche Hennen haben, lauffen nicht, die aber keine Hennen haben, bleiben nicht in der Revier, sondern verstreichen.