FeedPlattnen
TierreichRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Plattnen, Heist die Vögel mit Leim-Spindeln auf dem Feld- oder Platt-Baum fangen. Jm Plattnen ist der gröste Vortheil, 1) daß die Hütte von grünem dicken Gesträuch unten gemacht sey, damit die Vögel des Weidemanns nicht gewahr werden. 2) Daß man die Leim-Spindeln nicht fest an den Baum stecke, damit die gefangenen Vögel nicht oben hängend bleiben, schreyen, und die andern erschrecken, sondern bald herab fallen. 3) Daß man die gefangene Vögel nicht aufhebe, so lange noch andere herum sitzende vorhanden sind. 4) Daß man unten auf sechs oder acht Schritte weit um den Platt-Baum herum ein kleines Erd-Farbe gefärbtes Platt-Netzlein ziehe, damit die abgefallenen Vögel nicht davon lauffen können. 5) Daß in der Nähe um den Platt-Baum herum kein anderer hoher Baum, darauf die Vögel sitzen können, gelitten werde, sonst fängt man kaum halb so viel. 6) Man mag auch zwo heimliche Amseln, in Häuslein oder Vogel-Bauern, neben dem Platt-Baum stellen, und wohl mit grünem Gesträuche bestecken, so fliegen die andern Vögel lieber herzu, und fängt man deren mehr. 7) Jn den nahe bey Weinbergen gelegenen Wäldern gehet das Plattnen am besten von statten. So ist auch 8) bey frischer Zeit oder trüben und regnerischem Wetter allezeit ein besserer Fang, als wenn es warm und Monden-Licht ist.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1792–1793Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Tierreich 6