FeedCurland
GeschichteRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Curland, Ein Hertzogthum, welches gegen Westen an die Ost-See, gegen Osten an Litthauen, gegen Norden an Liefland und gegen Süden an Samogitien grentzet. Es bestehet aus Curland an sich selbsten und aus Semigallien, ist ein ebenes und fruchtbares Land, dessen Länge ohngefehr 50 Meilen, die gröste Breite 30 Meilen beträgt. Ehemals gehörte es nebst dem angrentzenden Lieflande den Schwerdtträgern, und stund unter Deutschland. An. 1562 aber begab sich der letzte Heer-Meister dieser Creutz-Ritter, Gotthard Kettler, unter Pohlnischen Schutz, und erhielt Curland und Semgallien als ein weltliches Hertzogthum für sich und seine männliche Nachkommen von dem Könige in Pohlen zu Lehne. Nachdem aber 1737 das Kettlerische Geschlecht mit Hertzoge Ferdinand abgestorben, und auf dem Pacifications-Reichs-Tage in Pohlen 1736 wegen Curland fest gestellet war, daß auf diesen Fall das Hertzogthum einer andern Familie in Lehn gegeben werden sollte; so ward den 13 Jul. 1737 Ernst Johann, Reichs-Graf von Biron, zum neuen Hertzoge in Curland erwehlet, und sollte ihm sein gantzer Manns-Stamm in diesem Hertzogthum folgen. Er ist aber gegen Ausgang des 1740 Jahres zu Petersburg mit seiner gantzen Familie arretiret, und 1741 nach Siberien in ewige Gefangenschafft abgeführet worden. Der Hertzog von Curland führet in seinem Wappen einen rothen Löwen mit einer güldenen Krone im silbernen Felde, wegen des Hertzogthums Curland; einen halben und gekrönten Hirsch im blauen Felde, wegen Semigallien; in dem Mittel-Schilde erscheinet zur Rechten ein silberner Kesselhacken im rothen Felde, als das Kettlerische Stamm-Wappen, und zur Lincken die Buchstaben S. A. so in einander geschlungen, im güldenen Felde, zum Andencken Königs Sigismundi Augusti in Pohlen, welcher 1562 Gotthard Kettlern zum ersten Hertzoge in Curland gemacht. Als aber gedachter Hertzog Johann Ernst Graf von Biron Anno 1737 dieses Hertzogthum erhielte, so ertheilten Jhro Majestät der König in Pohlen Augustus III einen neuen Mittel-Schild, der in die Länge gespalten, und in der Helfte oben eine Krone hat, und unter derselben 3 rothe in etwas gekrönte Balcken im weissen Felde, unter diesen aber einen Vogel auf einem dreyfachen Hügel samt 2 Schlüsseln, in der andern Helfte aber des gespaltenen grünen Schildes, den Nahmen Augusti III. Auf diesem Wappen stehen drey gekrönte güldene Helme, davon in der Mitten der Kettlerische, zur Rechten der Semigallische und zur Lincken der Curländische ist.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 472–474Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6