Fichte, Jst ein Wald-Baum, welcher unter das sogenannte schwartze und weiche Tangel-Holtz gehöret, und aus dem Saamen in die Höhe wächset. Er treibet einen geradern, längern und höhern Stamm, als die Tanne und Kiefer, hat eine röthlichte Rinde, welche gantz zähe und leicht zu biegen, aber bey weiten nicht so spröde und brüchlich, als die Tannen-Rinde ist. Seine Aeste hänget er unter sich, und ist also leicht von der Tanne und der Kiefer zu unterscheiden, welche ihre Aeste gerader und stärcker von sich austreiben. Er hat schmale, harte und spitzige Blätlein, insgemein Tangeln oder Nadeln genannt, welche paarweis gegen einander über in einer ziemlichen Anzahl auf einem Stiele wachsen, und immer grüne bleiben. Seinen Saamen führet er in festen mit vielen Schalen gleichsam als Schuppen verwahrten langen, und unterwerts hängenden Zapffen, aus denen derselbe, als ein kleines mit einem Flügel versehenes Hirsekörnlein, im Mertzen und April ausfället, aber wegen seines vielen bey sich führenden Hartzes, lange in der Erde liegen bleibet, ehe er aufgehet, es wäre denn, daß eine ziemliche Feuchtigkeit und Wärme darzwischen käme, da er denn eher einwurtzelt und hervor keimet. Gedachte Zapffen sind anfänglich, wenn sie hervor wachsen, schön roth, daher sie, wiewol irrig, von etlichen Blüten genennet werden, hernach bekommen sie nach und nach eine grüne Farbe, bis sie endlich bey ihrem Reiffthum braungelblicht werden, da sie denn, wenn sie frisch vom Baum kommen, voller Hartz sind, und einen ziemlich anmuthigen Geruch von sich geben; wenn der Saame daraus verflogen, so fallen die Zapffen nicht mit herab, sondern schliessen sich, nachdem sie sich des Saamens entlediget, gantz feste wieder zu, und empfangen neuen Saamen, womit sie so lange anhalten, bis sie gantz alt, verdorret und verwelckt herab fallen, oder von den Eichhörnern, welche diesen Saamen gerne fressen, ausgehölet und abgebissen werden. Das Schneideln will dieser Baum nicht wohl vertragen, es sey denn, daß solches behutsam geschehe, damit man nur die dürren, nicht aber die grünen Aeste, wie auch nur diejenigen dürren Stangen, welche von den stärcksten und vorwächsichtigen Stangen allbereit sichtbar zurück gedruckt worden, ab- und heraushaue, sonsten gehet es nicht ohne Schaden ab, weil durch das Schneideln der grünen Aeste einem solchen Baume gleichsam die Adern geöffnet, und die Lebens-Kräffte zum Wachsthum abgezapffet werden. Seine Wurtzeln lauffen gantz flach auf der Erden hinweg, daß er also, in Ermangelung einer Hertz-Wurtzel, vor dem Winde sich fast gar nicht erhalten kan, sondern, wo dieser Platz gewinnet, plötzlich übern Haufen fallen muß. Es ist auch dieser Baum so voller Hartz, daß er, wenn er gelochet oder gerissen wird, das ist, wenn man die Rinde unten an dem Stamm, so hoch ein Mann reichen kan, von oben niederwerts zweyer Finger breit streiffweise, an vier, fünff bis sechs Orten herunter und abziehet, jährlich dessen ein merckliches von sich heraus treibet, woraus hernach das Pech gesotten wird, und kan dieses Hartzreissen alle drey bis vier Jahre wiederholet, und der Baum aufs neue gerissen werden; wiewol mit diesem Lochen oder Reissen auch sehr behutsam verfahren werden muß, angesehen solches an keinem Orte rathsam, als wo das Holtz in solchem Unwerth, daß es gantz und gar nicht an den Mann zu bringen ist: Denn wenn die Fichte, ehe sie zwey- bis dreyspännig ist, gelochet oder gerissen wird, so wird sie von dem Risse zehen, zwölff und mehr Ellen hinaus roth, und dahero zu Bret- und andern Nutz-Holtze unbrauchbar gemacht, es ist auch der Klöpffel, so weit der Riß gehet, zum Floß-Holtze nicht diensam, weil er durch das in einander gelauffene, und von Jahren zu Jahren verwachsene Hartz, schwer worden. Dieser Baum, wenn er gerade erwachsen, lässet sich trefflich zu Schindeln brauchen, massen dieselben im Wetter dauerhaffter, als die tännenen, weilen sie nicht so mastig von Holtze sind; iedoch ist manche Fichte voller Hartz-Gallen, welche in dem Holtze nach und nach zwischen den Jahren, oder jährigen Trieben mit wachsen, und offt Fingers lang werden, die hernachmals, wenn die Schindel aufs Dach kommt, von der Sonnen ausschmeltzen, da denn durch die leeren Ritze und Klüffte, der Regen eindringet, und Schaden verursachet. Die Ameisen bereiten den sogenannten Wald-Rauch, von dem Fichten- und anderer Bäume Hartz, welches sie in der Nähe herum sammlen, in ihre Hauffen tragen, und daselbst zu unterst auf dem Boden verbergen; So dienet auch dieses Hartz den wilden Schweinen zum Harnisch, als welche sich an niedrig-gerissene Fichten reiben, und mit dem Hartz ihre Haare und Borsten dergestalt bepichen und feste machen, daß kein Hund durch die Haut greiffen, auch fast kein Fang-Eisen oder Hirsch-Fänger durchdringen kan, sie seyn denn sehr starck, steiff und spitzig. Die Rinden werden sehr starck von den Rothgerbern zu Garmachung der Häute gebraucht. Der Geruch von angezündetem Fichten-Holtz soll die Fliegen und Mücken aus den Gemächern treiben, und das Holtz, zu den Kleidern gelegt, verwehren, daß die Mottten nicht darein kommen.