Donen, Thonen, Maschen, Schleiffen, Schneissen, Sind eine Art von Schlingen, worinnen sich zur Herbst-Zeit Drosseln und andere kleine Vögel selbsten zu fangen pflegen. Es giebt deren zweyerley Arten: Bügel-Donen und Bast-Donen. Die Bügel-Donen werden von vier bis sechs Pferde-Haaren, so aus der Mähne oder dem Schweif genommen worden, geflochten, und in dem Obern-Theil eines guten zähen weidenen Bügels durchgezogen, dieser aber an beyden Enden zugespitzt, und wenn man Ebereschen- und Vogel-Beere hinein gehängt, in denen Donen-Gängen oder Donen-Steigen, an die Bäume gestecket. Wenn nun der Vogel im Spriegel sitzet, und nach den Beeren langet, da er nothwendig den Hals durch die Schlingen stecken und strecken muß, so ziehet sich die Schleiffe zusammen, und ie mehr der Vogel sich zu entrinnen bemühet, ie härter und fester wird ihm der Hals zugezogen, also daß er endlich erwürgen, und daran hängen bleiben muß. Die Roß-Haare soll man, nach einiger Meinung, nicht von verreckten und umgefallenen, sondern von lebendigen, oder von solchen Pferden, die von den Schindern und Wasenmeistern, todtgeschlagen worden sind, hernehmen. Wenn die Donen anfangs von dem Weidemann aus Roß-Haaren verfertiget sind, deren bisweilen etliche hundert auf einmal gemacht werden, schleifft man solche an ein rundes, dickes Holtz, das so groß seyn muß, so weit die Donen im Richten sich öffnen sollen, wirfft sie also angeschleifft in ein siedend heisses Wasser, lässet sie eine Weile darinnen sieden, und hierauf am Holtz etliche Tage also bleiben, bis sie recht trocken worden sind, denn ziehet man sie gehörig ein, und sollen ihnen hernach Regen und Wind desto weniger Schaden thun können. Die von Bast verfertigte Donen, werden nicht besonders mehr gebraucht, und thut man besser, wenn man sich ja ihrer bedienen will, solche zu kauffen, weil sie sehr viel Mühe zu machen kosten, und das Schock vor ein paar Groschen zu bekommen ist. Der Donen-Fang oder das Schnait-Begehen, fänget sich bald nach Jacobi an, wenn die rothen Ebereschen-Beere reiff, und recht hell hervor blicken; denn wenn sie überständig oder gar zu dunckelroth werden, so können die Vögel solche von ferne nicht sowol sehen. Wegen des Ortes der Schnait oder des Donen-Steigs, da besagte Bügel mit denen Schleiffen zum Fall der Vögel fest gemachet werden können, ist zu mercken: daß selbiger entweder auf denen Wiesen oder auch in denen dicken Wäldern und Gebüschen müsse ausersehen, und in diesen letztern sonderbare gerade Gänge hin und wieder gemacht werden, damit man seine Donen oder Schnait desto besser begehen und leichtlicher finden könne. Die Zeit, wenn die Donen begangen werden müssen, fänget sich gegen Mittag hin, etwan um zehen Uhr an: Denn des Morgens, da sich die Vögel beym Nebel, Reiff und Frost am besten fangen, muß man solche nicht stören. Bey Begehung der Schnait oder Donen, muß man die von den kleinen Vögeln abgefressene Ebereschen-Beere mit frischen Beeren wiederum ersetzen, die krummen Schlingen einrichten, und die zerrissenen oder alten untüchtigen wieder mit neuen ausbüssen; dahero der Weidmann iederzeit einen Sack mit Beeren, Donen und andern dazu benöthigten Sachen bey sich tragen muß. Wo der Vieh-Trieb hingehet, da sind die Donen wenig nutz: denn die Vögel werden davon verjagt; so sind auch im Herbst die Donen besser an den Bäumen, im Wieder-Flug aber und im Frühling besser auf der Erden zu gebrauchen. Die in denen Maschen oder Donen gefangene Vögel, sollen viel wohlgeschmackter seyn, als die man in den Sprenckeln bekommen, weil sich jene gleich erhencken, diese aber am Fuß alleine gefangen sich länger qvälen, und abzappeln, mithin also auch am Geschmacke nicht so gut werden.