Sang-Herd, Jst eine Art von Vogel-Herden, auf welchen man nur denen grossen Sang-Vögeln zu stellen pfleget. Die Vogel-Steller machen eigentlich dreyerley Unterschied unter denen Sang-Herden, als erstlich die Sommer-Herde: auf welchen sie mit dem verhaltenen Gesang stellen; Zweytens, die Herbst-Herde, auf die fremde Halb-Vögel, Wein-Drosseln, Meer-Amseln, Krammets-Vögel und dergleichen; Und drittens, Winter-Lager-Herde, auf erstgedachte Krammets-Vögel. Auf dergleichen grossen Sang-Herden müssen die Büsche, welcherley Art man nun von solchen gebrauchen will, gar licht und einzeln, und nicht so dicke, als auf die Herbst-Herde gestecket werden. Ferner machet man vor die Gräblein der Garne, so lang solche seyn, auf iede Seite ein schwanckes rundes Stänglein, nlcht gar vier qver Finger, oder einer Hand hoch von der Erden, darauf sitzet der wilde ankommende Vogel gar gerne, und höret dem Gesang fleißig zu; zu denen Läuffern und an stat der Bügel, welche zu den Herbst-Herden gebrauchet werden, wird nach der Länge der Garne ein feiner Seimen starck gespannet, an oder in dem Seimlein gehet ein Ringlein, daran wird der Läuffer angemachet, also, daß er daran weitläufftig hin und wieder schweiffen kan. Jn der Mitte des Busches wird gleichwol noch ein Läuffer an einen Bügel gemacht. Zu diesen Herden muß man sich eine gute Gelegenheit ausersehen, etwan im Walde einen ziemlichen Wiesen-Grund, so mit einem Thal oder kleinen Grunde nach dem Holtze zu streichet, fein zu Anfang einer Höhe, nachdem sich nemlich der Strich lencket. Giebt es keine Bächlein allda, so muß man etliche ausgehohlte Klötzigen, oder Scherbeln in die Erde graben, damit ein wenig Wasser darein gegossen werden und stehen bleiben könne. Man muß diese Herde fleißig abwarten, und frühe vor Tage ausgehen, daß, wenn die Herde weit abgelegen seynd, man fast noch vor Tage aufstellen, die Lock-Vögel zurechte setzen, und die Läuffer anbinden, speisen und träncken könne. Wenn viele fremde Vögel vorhanden, und im Aufzug sind, darf man um etlicher wenigen willen, so etwan einfallen, nicht alsbald ziehen, damit nicht solchergestalt die andern verschlagen werden. Wo sie aber nicht fort wollen, so nimmt man mit, was man bekommen kan. Die groben Sang-Vögel singen auf diesen Sang-Herden aufs längste nur sechs Wochen. Wer nun solche gar zeitlich um Johannis- oder Margarethen-Tag anzustellen willens ist, der soll billig solcher Sang-Vögel, als Amseln, Drosseln und Ziemer fein viel, bey zwölf und mehr Stücken einsetzen, und im Anfang nur die Helfte aus dem finstern langen, hingegen, wenn dieselben vier bis fünf Wochen lang gesungen, und etwan angefangen nachzulassen, kan man alsdenn wieder frische Vögel aussetzen, und auf solche Weise können dergleichen Sang-Herde fast bis zu angehendem Herbst gebrauchet werden. Weil aber diese grobe Vögel im Einsetzen sehr trauren, muß man sie sonderlich wohl warten, und ihnen bey Zeiten Ameisen mit den Eyern, wie auch gestossenen Mohn-Saamen, oder Hanf bisweilen unters Fressen mengen, auch den Gestanck und Unflat von ihnen hinweg schaffen, und in einem Napf etwas Wasser hinsetzen, damit sie sich bey hitziger Zeit baden können, oder man muß sie wenigstens mit frischem Wasser besprengen. Jm Stellen werden die Lock-Vögel mit dem verhaltenen Gesang iede Gattung gleich gegeneinander über gehencket, als Amfel gegen Amsel, Drossel gegen Drossel u. s. f.