FeedDreßden
ErdkundeRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Dreßden, Die alte Churfürstlich-Sächsische Residentz, liegt an der lincken Seiten der Elbe, und ist eine von den schönsten und stärckesten Städten, sie ist vortreffllich befestiget mit guten Mauren, breiten Wasser-Gräben, und hat sehr schöne Bollwercke, die Gassen darinnen sind gerader Linie, die Häuser prächtig. Jn dem grossen Hof kan man 1000 Mann in Schlacht-Ordnung stellen. Es hat vier Seiten von unglaublicher Höhe, und von kunstreichem Bauwerck, nicht weniger ist der Marstall, gleich einem Saal köstlich erbauet; gleich dabey ist die Träncke mit schönem Steinwerck Schneckenweise gebauet. Uiber diesem grossen Gebäu siehet man wol in die 36 Cammern mit allerhand Reichthum, köstlichem Geschirr, Sattel und Zeug, gestickten Schabracken, daß einem die Augen vergehen, prächtigen Schlitten, Lantzen, Turnier-Zeug und vielen andern schönen Sachen angefüllet. Aber dieses alles übertrifft noch die Schatz- und Kunst-Cammer, da siehet man in sieben Zimmern die schönsten Raritäten, so daß, wer in Sachsen Dreßden nicht gesehen, der hat nichts gesehen. Erstlich ist eine Cammer, darinnen alle Jnstrumente der vornehmsten Künste sind, insonderheit der Wund-Aertzte. Dabey in andern Cammern siehet man alle Stücke der Uhrmacherey, allerhand Gefässe von Crystall wunderbarlich geschnitten, und Gemählde von besten Meistern; das Gold und Silber, das Edelgesteinwerck, geben auf allen Seiten einen grossen Glantz von sich, man siehet so viel Sachen auf einmal, daß man nicht weiß, wo man die Augen hinrichten soll. Unter andern erblicket man ein reiches Einhorn, welches mit einer güldenen Ketten gar wunderlich angehängt ist. Man bleibet gewöhnlich 3 Stunden diese Sachen zu sehen, da man doch wohl 3 Jahr vonnöthen hätte, wenn man ein iedes Ding recht besehen wolte. Die Hof-Capelle ist ein lobwürdiges und zierliches Gebäu, in welcher eine Orgel von etlichen 40 Registern. Die Bibliothec ist prächtig, und mit raren Büchern und Manuscripten versehen, daß sie nicht viel ihres gleichen hat. Das Schloß ist groß und unvergleichlich, alleine es hat dieser vortreffliche Pallast vor einigen Jahren durch den Brand einen grossen Schaden gelitten, so gar daß über die Helffte, und darunter der schöne grosse Riesen-Saal abgebrannt ist. Das Zeughaus ist nach dem zu Venedig das vornehmste in Europa, und ist ein solcher Vorrath von allerhand Kriegs-Rüstung darinnen, daß man in aller Eil eine Armee von 100000 Mann aus diesem Zeughause ausrüsten kan. Auch ist allhier zu sehen die Kunstreiche Anatomie-Cammer, die Hof-Apothec, das Opern-Ball-Müntz-Löwen- und Proviant-Haus, der Pulver-Thurn, das Gieß-Lust- und Jäger-Haus, welches aber dermahlen nach Alt-Dreßden oder Neustadt verleget ist. Jtem das Rathhaus, die Creutz-Kirche und andere mehr, und ausser der Stadt der schöne Lustgarten, welcher im Umkreis 13200 Ellen hat, allwo ein unvergleichliches Lust-Haus mitten im Garten stehet. Und ausserhalb der Stadt die Jaspis-Schneid- und Polir-Mühle, der Bau etc. sind auch sehens werth. Es ist daselbst auch eine schöne im Jahre 1726 errichtete Ritter- und Militair-Academie.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 545–547Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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