Ebereschen-Baum, Vogel-Beer-Baum, Jst ein hochstämmiger Baum, welcher am fügligsten unter die wilden oder Wald-Bäume gezehlet wird. Sein Laub wächset, wie das Laub des Eschen-Baumes, paarweis an seinem langen Stiele, welcher sich mit einem eintzelnen Blate endiget, ist aber viel kleiner, und am Rande herum zerkerbet. Die Blüthen sind weiß, die Beeren aber, so darauf folgen, erstlich gelb, und wenn sie reiff sind, recht Zinnober-roth, von Gestalt länglicht-rund, wie die Arles-Beere, doch etwas kleiner, wachsen aber eben so traublicht wie dieselben. Diese werden im September und October bey schönem Wetter gebrochen, und an einem trocknen Ort, wo es lüfftig, aufgehänget und verwahret, um solche im späten Herbst und Winter, auf den Vogel-Herden und zu den Donen zu gebrauchen. Man pflegt auch auf dem Lande unter denen Bauren einen Safft zur Artzney daraus zu sieden, welchen sie ihren Theriac nennen, und als ein adstringirendes Mittel, wider die rothe Ruhr und andere Zufälle nützlich gebrauchen. Das Holtz hat einen sehr harten und zärtlichen Wuchs an Jahren, ist sehr dauerhafft und der Fäulung wenig unterworffen, arbeitet sich auch auch sehr glatt, und wird sowol deswegen, als um seiner schönen Farbe willen, von Tischern, Drechslern und Büchsenschäfftern sehr wohl zu allerhand Dingen gebraucht. Es wächset auch manchmal zu einem guten Bau-Stamm, und wo dergleichen viel, kan man es wol zum Verkohlen anwenden, indem es eine derbe Kohle giebt. An denen Wänden oder Zäunen, item in Alleen geben sie einen schönen Prospect, sonderlich wenn sie voll Früchte hängen. Dieser Baum lässet sich leichtlich fortpflantzen, sowol von Beeren, als von Aussproßlingen. Die Beere werden gesäet, gleichwie anderer Baum-Saamen. Sie pflantzen sich auch selber leichtlich fort, daher man zum öfftern siehet, daß wenn dergleichen Saamen in die alten holen Weiden gefallen, er darinnen wurtzelt, und aus derselben heraus wächset, auch seine Wurtzel durch die alte Weide bis in die Erde hinein treibet; desgleichen findet sichs, daß sie in alten Mauren und Ruinen aufwachsen. Man kan sie auch in der Baum-Schule aufziehen, und hernach versetzen, da sie denn, wenn man sie mit Fleiß aushebet und verpflantzet, gar leichtlich und besser fortkommen, als wenn sie auf der ersten Stelle geblieben wären, tragen auch besser Frucht. Sie lieben fast allen Boden, ausser gar zu trockenen und morastigen, iedoch den guten mehr als den geringen.