FeedFaul-Baum, Wiedebaum
PflanzenreichRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Faul-Baum, Wiedebaum, Jst ein Baum mittelmäßiger Höhe, welcher am füglichsten unter das Schlag- oder Busch-Holtz gerechnet wird. Die Rinde ist von aussen schwartzbraun, mit kleinen weissen Flecken besprenget, inwendig aber gelb, und so man sie käuet, färbet sie grün-gelb; daher braucht man sie auch die Vogel-Netze damit zu färben, und denselben eine grünlichte Farbe zu geben, daß die Vögel sich nicht dafür scheuen. Sein Laub bestehet in langen zugespitzten ziemlich breiten, und rings herum zerkerbten Blättern, welche fast dem Laub des sauren Kirsch-Baums gleich kommen, und für ein gutes Futter vor das Rind-Vieh gehalten werden, weil sie denen Kühen die Milch mehren sollen. Das Holtz tauget zu nichts besser als in den Ofen, wiewol es auch gute Kohlen zum Büchsen-Pulver giebt, und wenn es noch jung, sehr wohl zu Wieden gebraucht werden kan, daher es auch den Nahmen Wiedebaum erhalten. Jm Frühling bekommt er eine weißbleiche Blüthe, in langen Trauben; wenn solche vorbey, folget die Frucht, welches Beere seyn, so groß als Erbsen, mit einer Hohl-Kehle unterschieden, gleich als wenn zwey Beere zusammen gewachsen wären. Jn einer ieden stecken zween Kerne, welche denen Wolffs-Bohnen nicht unähnlich, und etwas grösser denn die Linsen sind, auch einen Kern inwendig haben, und im Herbst, im October, reiff werden. Sie sind erstlich grün, endlich schwartz, und haben einen widrigen und gantz unannehmlichen Geschmack.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 745–746Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Pflanzenreich 6