Eller, Erle, Erlen-Baum, Jst ein hochstämmiger, eben nicht besonders dicker, iedoch gerad aufwachsender Baum, welcher am allermeisten an den Wassern und sumpfigten Orten zu finden ist, wie er denn seinen Wachsthum guten theils von der sumpffichten Feuchtigkeit hat, auch dahero gähling in die Höhe schiesset, und an recht fetten Orten, jährlich offtmals halben Fingers breit im Saffte aufsetzet, welches denn auch die Ursache, des von einigen gemachten Unterschiedes, zwischen der weissen und schwartzen Erle ist: Denn stehet sie an einem feuchten Orte, so hat sie ein dunckelgrünes, fettes und klebriges Laub, befindet sie sich aber auf einem trockenen Lande, so ist ihr Laub etwas weißlichter, dahero diese die weisse, jene aber die schwartze Erle genennet wird. Jhre Blätter sind ausser deme bey nahe rund und gantz subtil zäckichte. Der Saame aber wächset an langen Stielen, daran Traubenweise Zäpfflein hangen; wenn nun an selbigen Zäpfflein die Schuppen sich aufthun, so fliegt ein gelblichter Saamen heraus, welchen die Zeisigen gerne fressen, und deswegen fast den gantzen Winter über hier zu Lande bleiben, auch wo dergleichen grosse Saamentragende Erlen stehen, sich gerne Hauffen-weise auf halten. Das Erlen-Holtz tauget über der Erde zum Bauen, wenig oder gar nichts, hingegen gehet es im Wasser-Bau und in Morästen, allem andern Gehöltze vor, massen dasselbe, wenn es vom Wasser oder Sumpff beständig bedeckt bleibet, undenckliche Jahre, ohne Fäulung und andern Schaden dauret. So dienet auch dieses Holtz unvergleichlich zu denen Brunnen- und Wasserleitungs-Röhren, ausser diesem aber denen Leist-Schneidern, zu Schuh-Stieffel- und Pantoffel-Absätzen, und wird nicht weniger, wegen der dauerhafften Kohlen, mit gutem Nutzen verbraucht. Die Rinden brauchen die Hutmacher zur schwartzen Farbe, ingleichen die Leder-Färber, nicht weniger die Schuster, welche noch etwas alt Eisen darzu in das Wasser legen. Die Knospen werden wegen der guten schwartzen Farbe, die sie geben, und mit welchen das leinene Tuch gefärbet wird, hochgehalten; mit dem Erlen-Laub aber, welches fett und klebrich, soll man nicht nur die Flöhe vertreiben können, wenn man es eine Zeitlang in einer damit besetzten Kammer ausgestreuet liegen lässet, und hernach mit den darauf gesprungenen Flöhen auskehret, sondern man pflegt auch damit die Schafe, ob sie gesund, oder nicht, zu probiren: Denn man legt ihnen im December oder Januario Erlen-Laub zu fressen vor, welche Schafe nun dieses Laub lustig und begierig fressen, die hält man vor gesund; die es aber nur übermaulen, oder gar nicht fressen wollen, haben gemeiniglich Noth an der Lungen oder Leber, werden dahero billig vor ungesund gehalten, und sind ie eher ie besser zu verkauffen. Weil auch das Ellern-Laub, wenn es zur Fäulung kommt, das schönste und kläreste Wasser schwartz, unrein und stinckend zu machen pflegt, so werden die Erlen-Bäume und Gebüsche an den Teichen oder Fischhältern nicht gerne gedultet, sondern weil sie, wie gedacht, mit ihrem Laub das Wasser und den Grund inficiren, folglich die Fische kranck oder gar abstehend machen, mit ihren Stöckern aus dem Grunde ausgerottet. Die Vermehrung dieses Holtzes geschiehet von sich selber, wenn nemlich der abfallende Saame nur die Erde ergreiffet. Es kan auch durch Ausstreuung des Saamens, gleich anderm Holtze fortgepflantzet werden, es muß aber sothaner Saame vorhero eingeweicht seyn. Er wird zwar an wässerigten Orten gepflantzet, da man denn beym Einsetzen alle Zweige, die über eines Fingers hoch von der Wurtzel über sich gehen, abschneidet, und damit denen neuen Zweigen zu einem bessern Wachsthum verhilfft; er schläget aber sonsten auch am liebsten von dem Stamme aus, lässet sich leichtlich schneiden, und in die Höhe bringen, weilen das Wetter seinem Hiebe nichts schadet, indem derselbe, wegen der sonderbaren Fettigkeit des Baumes, bald wieder verlaufft. Sonst giebt die Erle, wenn sie nicht zu eintzelnen Stämmen erwächset, sondern in Gebüsche ausläufft, ein sonderbar gutes Schlag-Holtz, so man fast alle fünff bis sechs Jahre abholtzen kan, nachdem der Boden gut und feucht ist, und wenn sie abgetrieben, (so im zunehmenden Monden, zu rechter Jahrs-Zeit, entweder im Herbste, wenn das Laub abgefallen, oder im Früh Jahr, da die Knospen anfangen wollen, sich zu vergrössern, geschehen soll) so wächset und schläget sie am Stamme in viel Sommer-Latten aus, und vermehret sich bey allen Hauungen. Es wächset auch gute Weide und Gras bey ihr: Denn die Wurtzel hebet den morastigen Boden in die Höhe, machet ihn etwas trucken und tragbar. Man hat sie gerne an denen Gestaden, Ufern und Rändern der Flüsse, denn sie wehren denen grossen Wassern, daß sie nicht so leicht in die Ufer reissen können, und helffen also viel wider das Anschlagen der Wellen und streng anlauffenden Strömen, welche an denen Dämmen und Gestaden waschen, und die Ufer wegspülen; unter den Wurtzeln halten sich auch die Fische und Krebse gerne auf. Man muß aber solche Erlen bald zu Schlag Holtz machen, denn wenn man die Stämme allzu groß und starck wachsen lässet, so kan der Wind solche wohl fassen, und weil der Rand am Wasser meistens hohl, so sencket und neiget sich der Stamm gegen das Wasser, bekommt also das Uiber-Gewichte, und bricht mit der Wurtzel und Ufer zugleich ein, nimmt viel Erdreich mit sich, und geschicht also zum öfftern grosser Schaden am Dämmen und Ufern; welches aber, wenn man den Stamm bey Zeiten, und ehe er so starck wird, abhauet, nicht zu besorgen ist, indeme sich die Wurtzel solchenfalls erstärcket, und desto mehr denen Wassern und Fluten widerstehet.