Eber-Wurtzel, Radix Carlinæ, ist eines Daumens dicke und lange, auswendig braune, und inwendig weisse Wurtzel, eines starcken Geruchs, und ziemlich angenehmen, doch etwas scharffen Geschmacks. Das Kraut ist eine Art von Disteln, denn seine Blätter sind groß, rauch, breit, spitzig und stachelicht, mitten zwischen denenselben bricht eine grosse und etwan fünff Zoll breite weisse Blume hervor, so ohne Stengel hart auf der Wurtzel sitzet; wird bey uns in Deutschland auf bergichten Orten gefunden. Man findet ausser dieser erstbeschriebenen noch eine weisse Eber-Wurtz mit einem Stengel, die kommt insgemein mit vielen Köpffen herfür, und wächst mit dem Stengel Ellen hoch. Denn giebts auch eine schwartze Wurtzel, welche rauhe, stachlichte, und etwas röthlichte Blätter hat. Der Stengel ist in der Dicke eines Fingers, Spannen hoch, und oben mit dornichten in länglichten Hülsen sitzenden Purpur-rothen auch etwas weissen Blumen besetzet. Die Wurtzel ist dick, schwartz, fett, inwendig gelb, und am Geschmack scharf und beissend. Man pflegt diese Wurtzeln gemeiniglich im Sept. des Morgens zu graben, alsdenn zu saubern und aufzutrocknen. Sie heilet die Wunden und Geschwüre sauber aus, wenn sie in Wein gesotten, und diese damit ausgewaschen werden, und dienet in allen gifftigen, pestilentzialischen Kranckheiten; sonderlich wird sie mit unter den Roß-Artzneyen, ingleichen wenn man ein abgetrieben Roß mit wenig Kosten wieder auffüttern will, gebrauchet. Wenn man aber solche vor ein Pferd und unter das Futter gebraucht, soll man dasselbe nicht zu andern Pferden, sondern in einen absonderlichen Stall stellen, weil es sonsten denen andern die Stärcke nehmen soll. Man sagt auch, wenn man diese Wurtzel einem Pferd in das Mund-Stücke einflechte, und also neben andern über Land reise, es denen übrigen mit und neben ihm gehenden Pferden, alle Krafft benehmen, und sie matt und müde machen solle; dahero es unter den Reutern für ein verbotenes Stücklein gehalten wird.