FeedEichhorn
TierreichRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Eichhorn, Jst ein kleines, den wilden Mardern im Springen und Klettern, den gemeinen Wieseln aber an der Leibes-Gestalt gleich- und ähnlich kommendes Thierlein, welches aber nicht so lang, als diese, und meistentheils von rother Farbe ist; unten von der Kehle an, am Bauche hin hat es einen weissen und linden Strich, einen langhaarigten und fast so grossen Schwantz, als sein übriger Leib ist, und im untern Kieffer lange und scharffe Zähne. Es giebt deren aschenfarbene, oder schwärtzlichte und graue, welche aber etwas seltsamer als die rothen sind. Das Weiblein hecket gemeiniglich drey, vier bis fünff Junge in ihrem Neste aus, welches sie von allerhand kleinen Sträuchern und Baum-Blättern im Frühling zurüstet, und zusammen träget, bisweilen auch in hohlen Bäumen und wilden Tauben-Nestern. Jhre Heckzeit ist meistentheils im April, und kommen die Jungen gantz blind auf die Welt, welche, wenn sie vier Wochen lang an der Alten gesauget haben, derselben schon aus dem Nest nachlauffen, und auf den Bäumen springen und klettern lernen, da ihnen denn die Alte etwas von wildem Obst, Nüssen, Eicheln, Buch-Eckern, Tannen- und andern Holtz-Saamen zu fressen bringet. Um Michaelis gelangen sie zu ihrer vollständigen Grösse, und suchen sodenn auf Eichen-Buchen-Tannen-Nuß- oder Castanien-Bäumen ihre Nahrung selbsten. Wenn sie von einem Ast auf den andern, und von einem Baum auf den andern springen, so bedienen sie sich ihres Schweiffes an stat der Flügel. Sie werden entweder jung aus den Nestern genommen, und an Kettlein gelegt, da sie denn leichte zahm werden, oder aber geschossen, gestreiffet, und auf verschiedene Art verspeiset. Absonderlich aber schmecken sie gut, gebraten oder gesotten und mit Zwiebeln sauer zugerichtet, oder man zerhacket und tractiret sie, wie das Hasen-Klein. Die zahm gemachten Eichhörnlein hecken auch in Häusern, wenn man ein Paar in eine besondere Kammer thut, und mit Werck oder anderm Zeug, ein Nest daraus zu machen versieht.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 586–587Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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