Einguß, Heißt in der Roß-Artzney ein Tranck, weil ein Pferd, als ein unvernünfftiges Thier, dergleichen willig einzunehmen nicht kan bewogen werden, demselben mit Vortheil oder Gewalt eingegossen werden muß. Ein guter Einguß für alle Kranckheiten eines Pferdes, sonderlich aber, wenn es einen bösen Magen hat, ist folgender: Nimm fœnum græcum zehen Pfund, stosse es wohl, thue es in einen neuen Topff, und giesse Wasser daran, daß das fœnum græcum bedeckt sey, decke den Topff wohl zu, und laß es bey dem Feuer zu einem Mus sieden, wenn dieses geschehen, so thue 4 Pfund frische Butter daran, Baumöl und Nußöl iedes vier Untzen, und eine Untze Rosenöl, thue alles darunter, und rühre es wohl unter einander, alsdenn rücke den Topff vom Feuer, laß es erkalten, theils in drey Theile, und alle Morgen, drey Tage nach einander, schütte ihm ein Drittheil in den Hals. Dieser Einguß, welcher die Pferde purgiret, feist machet, und bey guter Gesundheit erhält, kan denenselben zu iederzeit gegeben werden. Ein anderer guter Einguß ist folgender: Nimm Salbey, spitzigen Wegerich, und eine Kanne guten alten Wein, verkleibs in einem neuen Topff mit Leimen, daß kein Dampff heraus komme, laß es halb einsieden, und gieß es dem Pferd drey Morgen nach einander allezeit warm ein. Noch ein guter Einguß ist dieser: Nimm zwey Loth Sennes-Blätter, ein Loth Lavendel, ein Qventlein Rhabarbara, zwey Loth Angelica, anderthalb Loth Seven- oder Sade-Baum, dieses alles zusammen klein gestossen, in ein paar Kannen Bier aufgekocht, und dem Pferde, welches kranck oder Mangel im Leibe hat, eingegossen, wird dasselbe bald wieder gesund machen. Man muß aber diesen Einguß zween Morgen nach einander dem Pferde eingeben, und dasselbe zwey oder drey Stunden darauf fasten lassen, des folgenden Tages darauf kan man ihm die Lung und Spor-Adern schlagen. Mehrere Eingüsse werden hier und dar bey Erklärung derer Special Kranckheiten der Pferde vorkommen. Hier ist nur noch zu gedencken, daß man alle Eingüsse denen Pferden früh morgens, ehe sie noch gefüttert und geträncket worden, geben muß; der Kopff muß dabey in die Höhe gebunden, eine saubere Striegel oder Horn in den Mund eingezwänger, und der Tranck dadurch eingeflösset, dem Pferde die Nase zugehalten, und mit der Hand dessen Kehle gestrichen werden, so wird das Eingiessen gut von statten gehen.