Müdigkeit, Jst ein beschwerlicher Zustand, welcher den Pferden entweder durch eine langwierige, ununterbrochene starcke Reise, oder durch muthwilliges Jagen und Rennen zugezogen wird. Einem müd-gerittenen Pferd aber zu helfen, und es wieder zu rechte zu bringen, soll ein Reisender, oder wem sonsten das Pferd anvertrauet ist, demselben des Abends die Schenckel mit warmen Bier, darinne ein wenig Vutter und Saltz zergangen ist, waschen, oder mit unter einander gesottenen Eßig, Hopffen und Bier wohl bähen, oder auch Saltz in einer Pfanne rösten, und, wenn es heiß, dem Pferde in die Hüfe thun, über solches aber trockenen Roß-Koth schlagen, und, damit es nicht heraus falle, wohl vermachen. Wenn ein Pferd sehr müde ist, soll man ein paar Hände voll Saltz in einer Gelte mit frischem Wasser wohl durch einander rühren, dem Pferde gegen Abend die Schenckel wohl damit reiben, und es also über Nacht stehen lassen; des Morgens aber eine Hand voll Odermennige in halb Wein und halb Wasser sieden, und damit, so warm man es an den Händen erleiden kan, das Roß gegen die Haare reiben, alsdann denselben Tag stille stehen lassen, so kommt es gewiß wieder zu rechte. Oder siede einen grossen Topff voll Tann-Zapffen in Wein, und wasche, so warm es seyn kan, dem Pferde sowol die Schenckel, als auch den gantzen Bauch, nebst der Brust und dem Geschröte damit. Laß es auch offt in ein Fließ-Wasser gegen den Strom führen, und eine Zeit lang darinne gegen den Strom stehen. Man soll insonderheit solchen müden Pferden Bohnen-Mehl im Futter zu fressen geben, und Weitzen-Kleyen unter das Trincken rühren, denselben aber durchaus keine Ader öffnen lassen, als welches ihnen höchst schädlich ist, sondern dafür denselben von Bolus, Eßig, Brantewein und Knoblauch, Sauerteig und dergleichen einen guten Anstrich machen. Man kan auch solchen Pferden die Schenckel offt mit Knoblauchs-Brühe reiben, und ihnen dabey mit Saltz, Knoblauch und altem Schmeer unter einander gestossen, einschlagen. Etliche waschen ihre müden Pferde mit warmen Wasser, darinnen Haber-Stroh gesotten worden, binden ihnen auch zugleich das warme Haber-Stroh um die Beine, und geben ihnen Eisen-Kraut, Beyfuß, Kletten-Wurtzel, Eber-Wurtzel, Wegwarten etc. unter dem Futter zu fressen. Andere rathen, man soll einem müden Pferde die Schenckel wohl mit Spül-Wasser waschen, hernach Hanff-Oel acht Loth, Lein-Oel zwölff Loth, und zwey Hände voll Saltz unter einander mischen, und dem Pferde die Beine, wenn sie vorhero vom Waschen trocken worden, wohl damit reiben, und denn mit nachfolgendem Einschlag demselben einschlagen. Nimm zwey Hände voll gestossene rothe Zwiebeln, ein halb Pfund Butter, ein Viertel-Pfund Honig, drey Loth Wachs und Eßig, so viel als genug ist, und mische es unter einander zu einem Einschlag.
Daß ein Pferd nicht müde werde, wenn man reisen muß, so gieb ihm alle Nacht und alle Morgen eine gute Hand voll Wegwart-Wurtzeln zu fressen, oder binde ihm die Wurtzel von Eisen-Kraut ins Gebiß, räume ihm alle Nacht die Hüfe wohl aus, und schlag ihm mit folgender Salbe ein: Nimm Terpentin, guten alten Schmeer und Hirsch-Unschlitt, iedes gleich viel, Grünspan den dritten Theil, so viel als eines dieser Stücke, mache es mit Honig über einem Feuer zur Salbe, doch daß sie nicht zu dünne werde. Von nachstehendem Pulver soll man auf der Reise einem Pferde täglich einen oder zween Löffel voll eingeben. Nimm Meister-Wurtzel, Eber-Wurtzel, iedes drey Loth, Angelica, Bibinell, Florentinische Veil-Wurtz, Hasel-Mistel, Eichen Mistel und Birnbaum-Mistel iedes zwey Loth, Hirsch-Klauen drey Loth, gebrannt Hirsch-Horn sechs Loth, Zittwer, Galgant iedes ein Loth, Fœnum græcum ein Viertel-Pfund, alles klein gemacht, und unter einander gemischt. Wer mit seinem Pferd öffters auf der Reise seyn muß, der gebe demselben wöchentlich ein halbes Loth Antimonium crudum, (Spies-Glas) oder ein Qvintlein Crocum Metallorum, welcher aus gutem Spies-Glas und gereinigten Salpeter bereitet wird, mit Saltz vermischt zu fressen, und lasse demselben mit Eßig und Kühe-Kot, oder mit altem Schmeer, Knoblauch und Saltz unter einander gemischt, fleißig, doch auch nicht gar zu offt einschlagen, lasse es auch währender Reise niemalen des Abends ins Wasser reiten, sondern die Füsse fein trocken mit Stroh oder einem wüllenen Tuch abreiben. Wenn man aber von der Reise wieder zurück kommen, und es heisse Zeit ist, kan man es täglich ins Wasser reiten, und eine halbe Stunde gegen den Strom stehen lassen.