Galle, Jst eine Pferde-Kranckheit, die sich entweder an den Knien oder in dem Huf und an den Fersen äussert, und im erstern Fall die Floß- oder Fluß-Galle, im letztern aber die Stein-Galle genennet wird. Was die Fluß-Galle sey, ist oben an seinem Orte beschrieben. Solche zu vertreiben, brennet man sie mit einem glüenden Eisen, leget hernach Rocken-Brot so heiß, als es aus dem Backofen kommt, darauf und läßt es drey Tage und Nächte darauf liegen, nimmt alsdenn alt Schmeer, Schwefel, Pech und gepülverte Tannen-Blätter, mischet es unter einander, und salbet das Pferd an dem schadhafften Orte damit. Oder: Man nimmt ein hart gebacken Brot, und schneidet, so bald es aus dem Ofen kommt, fast noch einmal so ein groß Stück, als die Galle ist, von der schwartzen Rinde, weichet solches in starckem Brantwein, und legt es dem Roß, so warm als es seyn kan, auf, wenn dieses etliche mal wiederholet worden, wird auch die Fluß-Galle vergehen. Oder man schneidet die Haut über der Gallen auf, nimmt die Blasen, darin die Galle ist, mit den Fingern heraus, und heilet den Schnitt mit guten Heil-Salben. Jtem man nimmt zwey Loth Spanische Fliegen, drey Loth Rheinberger-Schmeer, thut das Häutlein fein sauber davon, und zerstösset es in einem Mörser zu einer Salbe, thut solche in eine zinnerne und blecherne Büchse zum Gebrauch, streicht davon auf ein Stücklein Leinewand, so breit als die Galle ist, gar dünn, legt es darauf, und bindet es mit einem leinen Tuche zu, das Pferd aber muß man aufbinden, damit es sich ja nicht belecke. Wenn es anfängt zu rinnen, so fliesset es starck, da muß man auch verhüten, daß es nicht auf die blossen Füsse rinne, sonst würde es die Haare aufätzen; Jn dreyen Tagen wird die Galle ausgeflossen seyn. Ein bewährtes Mittel wider die Fluß-Galle, da man ein Pferd weder schneiden noch brennen darff, soll folgendes seyn: Man reite das Pferd, daß es erwarme, lasse ein Stück Seiffe in warmen Wasser zergehen, mache hierauf das Wasser wieder so warm, als man es nur an den Händen erleiden kan, und wasche den Ort, wo die Floß-Galle sitzet, damit, nehme hernach ein wüllen Tuch, stosse es in das warme Wasser, und lege es über; das thue man drey Tage nach einander.
Die Stein-Galle ist in dem Huff inwendig ein Blut- oder braunrothes Fleckgen, welches bis aufs Leben hinein gehet. Dieses muß erstlich von Grund heraus geschnitten werden, daß das Leben heraus gehe, hernach lässet man drey oder vier Tropffen Scheide-Wasser darauf tropffen, so ist in dreyen Tagen das Mahl hinweg, wenn denn die Krappen-Mähler verschwunden, denn brennet man Zucker-Candi darauf, und schläget ihme Wachs mit Terpentin darüber, damit kein Wasser darzu kommen kan, so wird es bald wieder verwachsen, das Pferd aber wohl gehen können. Oder man lasse erstlich dem Gaul diese Gallen aufs dünneste, daß der Schweiß darnach gehet, auswircken, hernach nehme man Terpentin drey Loth, gelb Wachs und gelben Schwefel zwey Loth, weissen Weirauch drey Loth, solches gepülvert, das Wachs und den Terpentin aber zerlassen, und das Pulver darein gethan, und eine Salbe daraus gemacht, solche muß man im Frühling und auf den Herbst im abnehmenden Monden auf den Schaden oder der Gallen mit einem warmen Eisen in den Huff zergehen lassen, so wird es gar hart, und die Stein-Galle dadurch vertrieben seyn. Oder wenn dem Pferd vorher dünne ausgewirckt worden, so giesse man heisses Lein-Oel in den Huf; oder brenne drey oder viermal Alaun darauf. Wenn einem Roß die Stein-Galle über der Crone aufbricht, so nimmt man vor zwey Groschen Pfeffer, Sauerteig und Drachen-Blut, iedes für einen Groschen, gestossene Silber-Glette für einen Groschen, Kalck ungefehr zwey Loth, drey Eyer, mischet es durch einander, und bindet es also zur Salben gemacht, auf die Crone. Wo aber das Leben ausgetreten ist, soll man gebrannt Kupffer-Wasser darauf werffen, und die Salbe darüber binden, so bekommt das Pferd wieder ein gutes Horn. Dieser Gallen kommen etliche von Natur, etliche vom Dampff oder Feuchtigkeit des Stalls, oder wenn man die Pferde hart reitet, und sehr erhitzet, da man sie bald in das Wasser gehen lässet, und mit nassen Füssen, unabgestrichen in den Stall stellet, und nicht, wie sich gebühret, wartet, insonderheit entstehet auch die Stein-Galle von langem Stillestehen, da das Horn sich brennet.