Garenne, Caninichen-Gehäge, Heißt man ein Stücke Garten, Heyde oder Busch-Holtz, welches zur Zucht und Hegung der Caninichen mit Fleiß angeleget ist. Wer dergleichen Garenne oder Gehäge anlegen will, soll dazu einen Platz von einem, zween, drey oder mehr Ackern Feldes erwehlen, nachdeme man nemlich viel oder wenig Caninichen zu ziehen gedencket. Solcher Platz soll Berg-aufwerts, also etwas erhöhet, gegen Morgen oder Mittag zu, daß er genugsame Sonne habe, liegen, und einen mürben, luckern und etwas sandigen Boden haben, damit die Caninichen darinne wühlen, und ihre Gebäude, Höhlen und Wohnungen ohne grosse Mühe machen und ausgraben mögen. Woraus erhellet, daß ein felsigter oder harter leimigter oder thonigter Boden darzu nicht tauglich ist. Eben so wenig würde sich ein kalter, nasser und morastiger Platz zu einer solchen Garenne schicken, weil die Caninichen nichts weniger, als Nässe und Kälte vertragen mögen. Am besten würde gethan seyn, wenn man einen mit Busch-Holtz bewachsenen Platz darzu erwehlete, welches Busch-Holtz, alle zehen oder zwölff Jahre, oder von funffzehen zu funffzehen Jahren abgehauen würde. Hat man einen solchen Platz nahe bey seiner Wohnung, so ist es desto besser; wo nicht, so muß man sich nach der Gelegenheit und nach dem Lager des hierzu ausgesehenen Ortes richten. Ob nun zwar einige wollen, man solle einen solchen Platz mit Mauren oder einer guten Plancke rings herum einfassen, so würden sich doch die Unkosten, welche man auf den einen oder den andern Fall, aufwenden müste, schwerlich verintereßiren; daher andere lieber ihr Garenne mit genugsam tieffen, iedoch trockenen Gräben umgeben, und mit dem hineinwerts in gedachte Garenne geworffenen Erdreich gleichsam einen Wall oder Damm rings umher gemacht, auch daneben solche Vorsehung gethan haben, daß nirgendwo einiges Wasser stehen bleiben könne, sondern reine ablauffen müsse. Noch andere haben ihre Garennen mit einem guten, tüchtigen und dauerhafften Zaun, von breiten eichenen und dichte zusammen gesetzten unten gebrannten, oben aber zugespitzten eichenen Zaun-Pfälen eingefangen, damit die Caninichen nicht heraus, noch die Raub-Thiere so leichtlich hinein kommen können. Jnnerhalb des Platzes kan man, ausser dem schon vorhandenen Busch-Holtz, noch Hasel-Stauden, wilde Birn- und Pflaum-Bäume, Mehlbeer-Stauden oder Weißdorn, Brombeer-Sträucher und Wachholder-Büscher, (welche letztere die Caninichen vor allen andern lieben) Schlehen- oder Schwartzdorn, und dergleichen setzen; zwischen dieselben aber allerhand Küchen- und andere gute Kräuter pflantzen, auch etwas Erbsen und Linsen- bey anwachsender Menge der Caninichen aber auch Gerste und Haber darein säen, damit sie eine wohl anständige Weide bekommen mögen, und ihr Fleisch davon desto wohlschmeckender werde. Wenn nun die Garenne oder der Caninichen-Garten also angerichtet ist, soll man darinnen hin und wieder verschiedene kleine Hütten von Bretern in die Erde einsetzen, auch etliche Schlupff-Gänge von einem in das andere machen, (damit die Caninichen anfänglich gleich einen Auffenthalt haben) nachgehends aber eine gewisse Anzahl trächtiger Caninichen hinein setzen, welche sich in kurtzer Zeit sehr vermehren werden, indem die zahmen Caninichen alle vier Wochen, die wilden aber nur des Jahres drey bis viermal setzen. Die jungen Caninichen, so von alten zahmen gefallen, werden folglich in dieser Garenne auch leichte wild. Nur ist zu mercken, daß man in den ersten zwey Jahren nicht darinne jagen, und im dritten Jahr noch wenig davon heraus fangen, auch allezeit die Weiblein mehr als die Männlein verschonen müsse, wenn man dieselbige zur Verspeisung bey Mahlzeiten wegfangen will. Man muß auch der Caninichen Schlupf-Löcher und Gebäude, wenn man sie mit Stroh, Heu, Moos oder andern dergleichen Dingen ungefehr zugestopfft antrifft, nicht aufmachen; denn es ist solches ein Anzeichen, daß junge sich darinnen befinden, welche die Mutter oder das Weiblein, wenn sie Speise vor dieselben zu holen ausgehet, durch Zustopffung des Baues verwahret, daß sie von dem Männlein nicht gefunden, und mit einander aufgefressen werden: Wenn aber die Caninichen so groß und starck worden, daß sie ihre Weide selbsten suchen können, alsdenn machet das Weiblein das Loch wieder auf, damit sie, wenn sie wollen, heraus kommen mögen.