Genus diatonicum, Die gantz- und voll-tonichte Sing- und Spiel-Art, da eine Melodie durch die also genannten natürlichen Claves cdefgah, und demnach mehr durch gantze als unvollkommene Tone einhergehet, auch in der Vorzeichnung weder ein Creutzgen noch das b hat. Seinen Ursprung nimmt es aus der Alten ihrem Tetrachordo diatonico, worinne die Saiten also gestimmet wurden: Die unterste bekam gegen die zweyte das Semitonium H-c, in der Proportion \frac {243}{256}; die zweyte gegen die dritte c-d, in der Proportion \frac {8}{9}; die dritte gegen die vierte den Ton d-e, in eben solcher Proportion: denn der tonus major und minor waren damals noch nicht bekannt.
Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 915–916Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0