Grünling Grüntzling, Grünfincke, Sonst auch Schwanschel genannt, ist ein Vogel, dessen es sowol der Grösse als Farbe nach dreyerley Arten giebt, davon die grösten am gantzen Leibe gelb, aber sehr rar, und um ein merckliches stärcker als ein Haus-Sperling sind. Die mittlere Gattung, welche ebenfalls die Grösse eines Haus-Sperlings übertrifft, ist an der Kehle und am gantzen Unterleibe sehr hoch gelb, welche Farbe bis hinunter zum Schwantz sich erstrecket, allwo sie, ehe der Schwantz anfänget, dunckel-weissen Federn Platz machet: Am Kopff sind sie grünlicht mit etwas bräunlichten Federn vermischt, und diese Farbe nimmt auch den gantzen Rücken ein, bis sie unten, wo der Schwantz anfänget, schönen grünen Federn weichet, dergleichen Federn sie auch an den Achseln der Flügel haben. Der Schwantz ist dunckel-grün oder vielmehr bräunlicht, und zu beyden Seiten sind die zwey bis drey äussersten Federn mit schönen gelben Spiegeln gezieret. Die kleineste Art, welche um ein merckliches geringer, als ein Haus-Sperling ist, und sonderlich wegen des kurtzen Schwantzes viel kürtzer aussiehet, hat eben die Farbe, nur daß die Brust mehr grünlicht als gelb ist. Bey beyden letztern diesen sind die Weiblein durch die dunckle Farbe zu erkennen, als welche bey der mitlern und kleinsten Art so abfärbig ist, daß an der Brust kaum etliche gelbe Federlein hervor scheinen, der Rücken aber samt dem Kopff nicht grün, sondern vielmehr grau aussiehet; hingegen bey der größten Art ist der Unterscheid zwischen Männlein und Weiblein nicht so leicht abzunehmen, man halte sie denn gegen einander. Der Schnabel ist dick, hinten her wol noch einmal so dick, als der Schnabel eines Feld-Sperlinges; denn es ist ein Vogel, der harte Körner und Beere zerknirschen muß; doch ist er vornenher etwas länglicht, wie ein Sperlings-Schnabel. Sie halten sich mehrentheils in Vorhöltzern auf, wo junger, ziemlich hoher, iedoch nicht sehr dick stehender Schlag ist, erwehlen zu ihrer Brut meistentheils Schwartz-Holtz, und suchen einen sehr dicken, in etwas allein stehenden Baum, auf dem sie ihr Nest manchesmahl sehr niedrig, nicht selten aber auch auf grosse Eichen, ziemlich hoch setzen, und zwar an Orten, wo es so dick mit Aesten umgeben, daß es sehr schwer zu finden ist. Sie machen solches auswendig mit lauter Erden-Moos, inwendig aber theils ebenfalls mit solchem Moos, theils mit Wollen und anderm gelinden Zeug, und bringen darinne vier bis fünff Junge aus. Jhre Nahrung bestehet in allerhand Körnern und Gesäme, am meisten aber in Hanff- und Lein-Saamen, massen sie im September auf denselben Ländern am meisten zu sehen sind. Ungefehr acht Tage vor Michaelis fangen sie an zu streichen, aber nicht mit Schaaren, sondern höchstens zehen bis zwölff mit einander, und lassen sich zu solcher Zeit, sowol auf Feld- als andern Herden, vermittelst einer Lock gar leichte fangen. Jm November aber, wenn das Laub fällt, vergrössern sich die Schaaren wieder, und fallen nicht selten in Krammets-Vögel-Herden vierzig bis funffzig auf einmal ein, nachgehends aber lassen sie sich nur einzeln sehen. Jhr Wiederstrich kommt im Martio, welchen sie sowol als ihren Wegzug mit einem wunderbar-lautenden zweystimmigen Ruff anzuzeigen pflegen. Sie sind, wenn man ihnen nur das Fressen anfänglich auf den Boden des Vogel-Hauses streuet, in denselben lange zu erhalten, und darff man ihnen nur puren ungedrückten Hanff, auch, nach Beschaffenheit der Jahres-Zeit zuweilen etwas grünes, Salat, Weißkraut etc. und Wacholder-Beere darneben geben.