FeedBuch-Fincke
TierreichRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Buch-Fincke, So auch Berg-Fincke, Gögler, Qvecker, Nickawitz oder Zehrling genennet wird, ist ein Vogel, der zwar dem ordentlichen oder gemeinen Fincken an der Grösse und Gestalt sehr nahe kommt, aber an der Farbe ungleich schöner ist. Denn das Männlein ist an dem Kopffe schwärtzlicht, und scheinen die Federn mit dunckel-weissen eingefaßt zu seyn; wenn er aber alt wird, gehen die weißlichten Federn gar hinweg, und wird der Kopff kohlschwartz, welche schwärtzliche Farbe sich auch ein wenig über das Genicke am Hals hinunter erstrecket, hernach werden die Federn heller, daß sie bräunlicht aussehen, und sind mit graulichten eingefasset, bis hinunter zu den Pürtzeln, allwo diese braune Federn von denen schönsten weissen Federn abgelöset werden; Der Schwantz ist gantz dunckel-braun und schwärtzlicht, an den letzten Federn zu beyden Seiten mit etwas weissen Spiegeln gezieret. Am Unter-Leib, so gleich von der Kehle an, ist er hoch Ziegel- oder Aurora-gelb, und diese Farbe nimmt die gantze Brust ein; wo sich aber dieselbige endiget, folglich am halben Theil des Unter-Leibes wird das Gelbe wieder mit hellweiß verwechselt, bis hinunter zum Schwantz. Die Flügel haben um die Schultern herum eben die schöne hoch Ziegelgelbe Farbe, die langen Federn aber sind dunckelbraun oder vielmehr schwärtzlicht, so sind auch an den Flügeln qver über gelbe Striche. Der Schnabel ist meistens auch Ziegel-gelb, doch vornen etwas bräunlicht, und die Füsse sind erstlich schwartz, verändern sich aber hernach ins weißlichte. Das Weiblein hat alle dieselben Farben als das Männlein, iedoch viel blasser, und siehet der Kopff nur wie der Rücken aus, auch haben sie an denen Schultern, da die Männlein inwendig und auswendig gelb sind, nichts gelbes, sondern nur etwas wenigs bräunlichtes, welche Farbe auch auf den Flügeln an stat der gelben Qver-Striche, so die Männlein auf denenselben haben, zu sehen ist. Dieser Vogel bleiber den Sommer über nicht bey uns, sondern nimmt im April seinen Abschied, und läßt sich nicht eher wieder sehen, als bis in den October; alsdenn fället er, unter die Fincken vermenget, in die Herde ein, und wird, wenn es beginnet kälter zu werden, mit grossen Hauffen gefangen, so daß man etliche Schocke auf einen Zug bekommt. Man darff zu solcher Zeit, sonderlich wenn der erste Schnee fällt, nur ein paar Lock-Vögel, wo man will, in einem Garten an einen Baum hängen, sie den gantzen Tag, ohne hinzuzugehen, daselbst lassen, und nahe dabey auf der Erden einen Platz mit Hanff, und anderm Futter bestreuen, so wird man den dritten oder vierten Tag, woferne anders dieser Vogel in selbiger Gegend durchstreichet, einen grossen Zug thun können. Er ist übrigens ein Vogel ohne Gesang, von dessen Brut man deswegen nichts melden kan, weil er solche hier zu Lande nicht verrichtet. Das Weiblein pflegt sich in der Wildniß zu Zeiten an unsere Fincken zu gatten; und wenn man ein Fincken-Männlein zu einem Qvecker-Weiblein thut, bekommt man junge Vögel von sehr schöner Farbe, aber sie taugen nicht zum lernen, sondern bloß zum Ansehen.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 227–229Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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