Haupt-Jagen, Wird ein solches Jagen genennet, da man in einem Wald das Wildpret an einen gewissen Ort oder Refier zusammen treibet, welches hernachmals mit dem dazu gehörigen und benöthigten Zeuge umstellet, und das Wild darinne auf den Laufft vor den Schirm gejagt, und daselbst gefället wird. Dergleichen Jagden werden gemeiniglich um die Jagd-Hirsch-Feist-Zeit, oder um die Schwein-Hatz, nicht weniger auch bey Anwesenheit fremder Herrschafften, um solche damit zu divertiren, angestellet. Wenn ein solches Haupt-Jagen gemacht werden soll, muß der Jäger-Meister vor allen genaue Erkundigung einziehen: Was ein ieder Förster in seinem Refier für Behältnisse, und für Dickigte, lichte Plätze und Frucht-Felder, auch was er für Wildpret an Hirschen und Sauen habe? Ob darunter nicht etwan Haupt-Thiere von Hirschen und hauenden Schweinen vorhanden wären, und wo eigentlich der Aufenthalt und Wechsel nach ihrer Nahrung seyn möchte, und wo sie auslauffen; nach welchen allen er sich mit dem Stellen sowol, als mit dem Treiben richten muß. Jst nun das Jagen von der Herrschafft resolvirt, muß derselbige des Tages vorher den sämtlichen Jagd-Zeug dahin abführen lassen, und dabey denselben dergestalt eintheilen, wie viel Fuder Gezeug von den hohen Tüchern beym Anfange an den Abjagens-Flügel zu stellen, und wo die endern, ein iegliches auf seiner Post zu warten habe, iedoch daß sie auf beyden Flügeln der Wälder hinfahren, allda warten und stehen bleiben. Darauf hat er einen Uiberschlag nach dem Vorrath seines Jagd-Gezeugs zu machen, und hiervon die Verzeichnisse, wie solches zu bestellen, dem Ober-Jäger auszugeben. Nach diesem wird darauf gesehen, wo das Jagen und der Laufft gemacht werden können, welches so viel möglich an einem kleinen Bach oder Qvell-Wasser geschehen soll, damit das Wild sowol als die Hunde im Abjagen sich erqvicken mögen: Man muß Achtung geben, ob der Ort so beschaffen, daß die Herrschafft nebst ihrer Hof-Stat mit Pferd und Wagen durchkommen können; ferner, ob der Ort auch mit genugsamen Dickigt von jungem Holtz und Sträuchern, Tannen und Fichten, oder andern laubigten Stauden bewachsen sey, wo sich das Wild verbergen, auch nicht so leichte auf den Laufft sehen könne. So muß auch der Laufft, so viel möglich, abhängig, oder doch zum wenigsten fein gerade liegen; sonderlich aber muß auf den Wind gesehen werden, daß er aus dem Wald von dem Wildpret nach dem Laufft gehen möge. Wenn nun auf des Jäger-Meisters Befehl mit den Leit-Hunden durch die Besuch-Knechte auf beyden Flügeln zugleich vorgesuchet worden ist, um zu vernehmen, was für Wildpret und Haupt-Hirsche in oder aus dem Walde seyn, und dem Jäger-Meister, wessen man sich darinne zu vermuthen, gemeldet worden: So wird alsdenn das Lauff- oder Qver-Tuch, wohin der Lauff kommen soll, gestellet, und an demselben die hohen Tücher zur rechten und lincken Hand auf die Haupt-Flügel von den Zeug-Knechten angebunden und geknebelt, nach diesem der hohe Zeug ein Fuder nach dem andern auf beyden Flügeln abgeführet, aufgestellet, und behörig verwahret, so weit als man mit solchem reichen kan. An selbigen werden die alten und Mittel-Tücher und daran die doppelten, letztlich aber die einfachen Tücher-Lappen gestellet.