Hetzen, Wind-Hetzen, Heisset so viel als einen Hasen oder Fuchsen mit Wind-Hunden fangen. Nach Weidmännischer Redens-Art heisset ins Garn hetzen, wenn man ein Vor-Holtz mit Garn vorrichtet, daß der Hase, wenn er sich vor den Hunden ins Holtz retiriren will, nothwendig darein fallen muß: wenn man aber im freyen Felde hetzet, so heisset es vom Strick aus hetzen. Dieses geschiehet folgender massen: Man reitet zu Pferde, und hat ein paar Wind-Hunde am Hetz-Riemen, von welchem man sie nach Gefallen ohngesäumt loslassen, oder wenn der Hase zu weit aufstünde, oder man sonst nicht hetzen wollte, dieselbe damit an- und zurücke halten kan. Jhrer etliche reiten also in gerader Linie neben einander die Acker-Stücken oder Feld-Beete durch, und geben acht, ob sie darzwischen einen Hasen im Lager sitzen sehen können; So nun einer aufstösset, muß man ihm einen kleinen Vorsprung vergönnen, darnach lässet man von den nächsten Strick-Winden ein paar los, und jaget einer oder zwey zu Pferde hernach, die übrigen bleiben in ihrer Such, und also streiffet man ein Feld nach dem andern durch, und wird ein Strick Hunde nach dem andern losgelassen, nachdem es viel oder wenig Hasen giebt, oder nachdem der Hase auf der rechten oder lincken Seite, oder in der Mitten aufstehet. Wo es Höhen und Gebirge hat, läufft der Hase gerne Berg-auf, da er wegen Kürtze der vördern und Länge der hintern Füsse, viel besser fortkommen kan, als die Hunde, die dadurch bald abgemattet werden, daher etliche einen Jäger zu Fuß mit einem Strick Hunde oben in der Höhe aufpassen lassen, ihme diesen Paß abzuschneiden. Wenn ihme die Hunde nahe auf den Leib kommen, gebrauchet er mancherley arge List, begiebt sich in die Wasser, verbirgt sich, wenn Schafe oder anderes Vieh im Felde sind, unter die Heerde, leget sich öffters im stärcksten Lauff nieder, daß die Hunde über ihn springen, schlieffet durch die Zäune und Gehege von einer Seiten auf die andere, lauffet, wenn die Jäger und Hunde vorbey, den geraden Weg wieder zurücke. Bisweilen springt er, wenn er mitten unter den Hunden ist, über sie hinüber, oder schießt ihnen bey den Füssen hindurch; manchmal, wenn die Hunde nicht wohl gefängig oder gar zu hoch sind, stossen sie zwar den Hasen, ergreiffen ihn aber nicht, sondern kriegen an stat desselben das Maul voll Haare, der Hase aber läuffet mit berupfftem Peltz und gantzer Haut immer fort. Wenn man junge Hunde einhetzen will, geschiehet es am besten im Herbst, da es junge heuer gefallene Hasen giebt, die weder so schnell noch so listig sind, als die alten. Das erstemal muß man einen jungen Hund mit zwey guten alten Hunden an einem vortheilhafftigen Orte einhetzen, damit er zum erstenmal nicht vergeblich lauffe, denn dadurch wird er verzagt werden, und sowol das Hertz, als die Begierde verlieren. Es muß aber nahe und hinter den jungen Hunden allezeit einer zu Pferde seyn, damit sie nicht, wo sie lange allein bey dem Hasen bleiben, ihn zerreissen und fressen lernen, welche heßliche Gewohnheit ihnen hernach hart wieder abzugewöhnen ist. Bey nassem, windigten, üblen Gewitter, soll man nicht zu hetzen reiten, aber im Thau ist es darum gut, weil der Hase nicht so weit, noch so leicht aufstehet, indem er nicht gerne naß wird, daher er die Jäger näher auf sich ankommen lässet, und die Hunde werden durch den frischen kühlen Thau desto mehr erqvicket. Auch soll man nicht hetzen bey weichem Wetter, weil der Hase leicht ist, und über die tieffen, weiten Felder, wohl kommen kan, die Hunde aber tieff hinein fallen; zu geschweigen, daß zu solcher Zeit grosser Schade in der Saat geschiehet. Jm Winter, wenn tieffer Schnee liegt, soll man gar nicht, bey hart gefrornem Erdreich aber Vormittags nicht hetzen, denn die Hunde lauffen sich auf, und verderben sich offt auf einmal so übel, daß man sie hernach in viel Wochen nicht wieder brauchen kan. Wann die Hunde einen scharffen weiten Lauff gethan, und endlich den Hasen gefangen haben, muß man die Hunde in der Mitte über sich aufheben und rütteln, damit ihnen das Geblüte vom Hertzen komme. Das Hetzen wird von Bartholomäi bis Fastnachten verstattet, nach diesem aber ist es, bis wieder Bartholomäi kommt, verboten, doch ist dem Besitzer einer Jagd in der Marter-Woche einen so genannten Oster-Hasen zu hetzen erlaubet.